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Stefan Karich aus Kohren-Sahlis holt mit seiner Rennpappe Pokale

ADMV-Trabant-RS-Cup Stefan Karich aus Kohren-Sahlis holt mit seiner Rennpappe Pokale

Wenn ein Trabant 188 Kilometer in der Stunde fährt, trifft die Volksmund-Wortschöpfung Rennpappe den Kern. Stefan Karich fuhr mit seinem Renn-Trabi in diesem Jahr die bisher erfolgreichste Saison seiner Karriere: Er wurde ADMV-Trabant-RS-Cup-Meister.

Stefan Karich mit seinem Renntrabant in Dolsenhain – er fährt im ADMV-Trabant-RS-Cup.

Quelle: Jens Paul Taubert

Kohren-Sahlis. Wenn ein Trabant 188 Kilometer in der Stunde fährt, trifft die Volksmund-Wortschöpfung Rennpappe den Kern. Stefan Karich fuhr mit seinem Renn-Trabi in diesem Jahr die bisher erfolgreichste Saison seiner Karriere: Er wurde ADMV-Trabant-RS-Cup-Meister. „Das war haarscharf bis zum Schluss“, sagt der 39-Jährige über das Finale auf dem Hockenheim-Ring, wo er sich letztlich gegen Marek Braun und Stefan Pasternak durchsetzen konnte. Dabei geht es bei den Wettbewerben nicht allein um das höchste Tempo, sondern um das gleichmäßige rasante Fahren. Die Meister-Ehrung findet am 29. Oktober in Hartmannsdorf nördlich von Chemnitz statt.

„Das ging schon stark los in Most mit zwei Pokalen“, blickt Karich auf 2016 zurück. Von den tschechischen Nachbarn brachte er zum Auftakt Pokale für die Plätze 1 und 3 mit. In Oschersleben folgten zwei 2. Plätze. Hier und auf den anderen Parcours – auch der Sachsenring gehört dazu – konnte der gebürtige Frohburger wichtige Punkte sammeln und für die traditionsreiche Rennstadt Frohburg einen Pokal erobern. Dabei wusste er ein verlässliches NSD-Team an seiner Seite. Die Großbuchstaben stehen für die Vornamen der drei rennverrückten Brüder Nico, Stefan und Dirk Karich; außerdem kümmern sich weitere Familienmitglieder, Bekannte und Freunde. Sein Fahrzeug, ein Trabant in auffällig farbenfroher Lackierung, hat Stefan Karich in wochenlanger Winter-Arbeit selbst aufgebaut. Der Original-Motor mit 600 Kubikzentimetern Hubraum wurde deutlich leistungsfähiger gemacht, ein Überrollkäfig aus Stahl montiert, der Tank aus Sicherheitsgründen in den Kofferraum verbannt, ein Rennsitz mit Sechs-Punkt-Gurt montiert – und alles entsprechend des Reglements technisch abgenommen. Für Karich kein Problem, ist er doch vom Fach: Der gelernte Kfz-Mechaniker, der in Kohren-Sahlis wohnt, betreibt seit Jahren in Dolsenhain eine Fahrzeugwerkstatt.

Dass er sich schon als Junge für den Motorsport begeisterte, überrascht nicht. Schließlich wuchs er am Frohburger Dreieck-Kurs auf, einer renommierten Strecke des Straßenrennsports. Auf dem benachbarten Kaplanberg beim Auto-Cross und bei den Crash-Car-Rennen in Dolsenhain holte er erste Erfahrungen und Meriten. „Dann aber habe ich mir gesagt: Schluss mit dem Schlamm und Dreck – jetzt geht es auf Asphalt“, blickt Karich auf das Jahr 2005 zurück. Den ersten Renn-Trabant musste er damals förmlich im Handumdrehen herrichten – dank versierter Helfer gelang das. Und schon in der ersten Saison begann er mit dem Sammeln von Pokalen.

Dass er 2012 selbst auf dem Frohburger Dreieck starten konnte, war für Stefan Karich ein nachhaltiges Erlebnis. Der MSC Frohburger Dreieck hatte aus Anlass des 50. Dreieck-Rennens die Genehmigung einholen können; Wiederholungen in den folgenden Jahren blockten die Behörden bisher ab, so auch 2016. „Nur deshalb musste ich dieses Jahr in Hockenheim starten. Sonst wären wir in Frohburg gefahren!“ Karich hofft, dass der MSC wenigstens 2017 wieder ein solches Straßenrennen – zusätzlich zur traditionellen Dreieck-Veranstaltung – ausrichten darf.

Fuhr Stefan Karich in seinen ersten Jahren in der Haigo-Serie, startet er seit 2011 für die Interessengemeinschaft Historische A 600. Der Verein, Mitglied des Allgemeinen Deutschen Motorsportverbandes (ADMV), vereint Größen wie Udo Gaida, den mehrfachen DDR-Meister, der unter anderem in Frohburg zu erleben war, seinen Sohn Heiko Gaida, erster Gesamtdeutscher Meister 1991. Mit der Startnummer 5 geht der Original-Trabant des fünffachen DDR-Meisters Klaus Schumann noch immer an den Start, heute gefahren von Wolfgang Hirche. Der blaue Trabant, den Marek Braun steuert, führte einst Karl Hiemsch und Ralf Unbehaun zu Meisterehren.

„Wir sind wie eine große Familie“, sagt Stefan Karich über das Gefühl der Zusammengehörigkeit, das die Fahrer bei aller sportlichen Konkurrenz verbinde. „Es macht immer wieder Spaß, dabeizusein.“ Und es motiviere. Wenn es die Zeit erlaube, stehe auch seine Freundin am Rand der Piste, um ihm die Daumen zu drücken. Und das Ziel für die nächste Saison? „Kraftvoll weiterfahren. Kraft kommt von Kraftstoff, deshalb fährt der Trabi auch so schnell.“ Dass er dabei gerne 35 Liter auf 100 Kilometer schluckt, ist der Preis, den der Preisträger zu zahlen gern bereit ist.

Von Ekkehard Schulreich

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