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Steinbacher Rittergut adè: Es bleiben nur Erdgeschosse und Bauschutt

Steinbacher Rittergut adè: Es bleiben nur Erdgeschosse und Bauschutt

Das Steinbacher Rittergut, über viele Jahrzehnte ein blühender Landwirtschaftsbetrieb, ist endgültig Geschichte. Die maroden, zwei Jahrhunderte alten Stallanlagen wurden abgerissen, nachdem der Torturm in ihrer Mitte, vom Beginn des 18. Jahrhunderts stammte, schon 2006 eingestürzt war.

Freie Sicht über den historischen Ort auf das Betriebsgelände auf der anderen Straßenseite.

Quelle: Jens Paul Taubert

Steinbach. Was bleibt, ist das Herrenhaus. Und die Wut der Steinbacher, dass das Wahrzeichen des Dorfes derart verkommen konnte.

Bis in Augenhöhe ist das Mauerwerk der Stallanlage heruntergebrochen. Gestein türmt sich. Zwischen den Trümmern bietet sich von der Kreisstraße aus der Blick auf das Herrenhaus mit seiner barocken Fassade. Vor einem Jahrzehnt noch hatte der private Eigentümer, der die Immobilie in den neunziger Jahren erworben hatte, den Plan, in das historische Gemäuer Wohneigentum zu integrieren. Da hatten die Steinbacher noch Hoffnung, die Anlage könnte dem Untergang doch noch entrissen werden. „Mit dem Verlust des Turms war das im Grunde gegessen", sagt Hans-Jürgen Friese vom Steinbacher Heimatverein. Der Verein habe immer wieder angemahnt, an der Immobilie etwas zu tun, denn: „Eigentum verpflichtet doch." Als Märzschnee 2006 den Turm zum Einsturz brachte, sicherten Mitstreiter des Vereins das Gebälk und den Schiefer der Haube, um die Spitze des Steinbacher Wahrzeichens irgend wann einmal dem Ortsbild zurückzugeben. Sicher eingelagert ruht es im Unternehmen Morgenstern. Die Idee der Feuerwehr, das Türmchen in einem neuen Gerätehaus zu verbauen, erwies sich als nicht umsetzbar.

„Nach einer Vorortbegehung durch das Bauordnungsamt wurde festgestellt, dass an den Straßen begleitenden Objekten des Rittergutes starke Auswaschungen und Risse in der Fassade sowie lose Sims- und Fassadenteile vorhanden sind", sagt Behördensprecherin Brigitte Laux. Die Außenwand habe sich zur Straße in gewölbt, was eine starke Gefährdung der öffentlichen Sicherheit darstellte. Die Bauaufsicht habe den Eigentümer deshalb aufgefordert, den Dachstuhl abzutragen und die Wände niederzulegen. „Ein neues Nutzungskonzept und damit eine mögliche Sanierung des Komplexes konnte zum gegenwärtigen Zeitpunkt vom Eigentümer nicht in Aussicht gestellt werden", so Laux.

„Uns blieb nur, eine Fotodokumentation und die Sicherung der Mauerkrone zu fordern, um einen weiteren Verfall der verbleibenden Mauern zu verhindern", ergänzt Denkmalpflegerin Kerstin Engert. Im Interesse des Denkmalschutzes sollte das Abbruchmaterial an Ort und Stelle verbleiben, um gegebenenfalls wertvolle Stücke zu einem späteren Zeitpunkt bergen und neu verwenden zu können. Die gesamte Anlage mit Schloss, Wirtschaftsgebäuden und barockem Park sei von ortsgeschichtlicher Bedeutung. Mit dem teilweisen Abbruch von Gebäuden bleib der Denkmalstatus zumindest vorerst bestehen.

Das Landratsamt habe ihn Ende Oktober mit Androhung einer Ersatzvornahme aufgefordert, das ehemalige Gut umfassend gegen herab fallende Bauteile zu sichern, sagt Eigentümer Jochen Dreetz, ein im Unstruttal lebender Architekt. „Ich habe mich dafür eingesetzt, dass vorerst wenigstens das Erdgeschoss mit den Kappendecken erhalten bleibt." Der jetzige Zustand werde die nächsten Jahre so bestehen bleiben. Es gebe zurzeit keine weitergehenden Baupläne und auch keine Verkaufsabsichten.

Für den Ortschaftsrat und Ortsvorsteher Andreas Dathe sind das unbefriedigende Auskünfte. „Die Hoffnung geht gegen Null, dass hier noch mal etwas Ordentliches hinkommt", sagt er. Immerhin, meint Hans-Jürgen Friese, habe der Platz das Zeug dazu, ähnlich wie der in Kitzscher zu einem attraktiven Ort gestaltet werden zu können, auf dem man die historische Gebäudesubstanz in ihrem Umrissen noch erlebten könnte. „Das Gut selber wäre nicht mehr zu retten gewesen. Das muss man einsehen", sagt er. Dieser Verlust sei schmerzlich. Und man müsse fragen, wieso es so weit habe kommen können. Immerhin habe die Denkmalpflege Anfang der neunziger Jahre Fördermittel gegeben, als die Gemeinde Steinbach die Haube des Turms sanierte. Die Behörde hätte darauf drängen müssen, dass es nicht allein dabei blieb. Zudem sei der Verkauf an den Privatmann zu hinterfragen, so Friese: „Ein solcher Verkauf ist doch in der Regel verbunden mit der Pflicht, dann auch zu investieren. Warum hat darauf keiner ernsthaft gedrängt in den vergangenen mehr als zehn Jahren?"  

Ekkehard Schulreich

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