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Steinbacher engagieren sich für ihr Herrenhaus

Bad Lausick Steinbacher engagieren sich für ihr Herrenhaus

Der Heimatverein Steinbach engagiert sich für die Bewahrung des 300 Jahre alten barocken Herrenhauses samt Park für die Öffentlichkeit. Ob Kinderfest oder Familien-Radtour, ob Chronik-Arbeit oder Kultur – der 2006 gegründete Verein sorgt dafür, dass etwas los ist. Er hat 28 Mitglieder – gute Ideen und neue Mitstreiter sind willkommen.

Kunst aufs Dorf bringt der Heimatverein Steinbach – der Bad Lausicker Zeichenkurs der Volkshochschule Muldental stellt im Herrenhaus aus.

Quelle: Andreas Döring

Bad Lausick/Steinbach. Dass ausgerechnet die Mundartbühne Borna mit ursächsischem Programm die kleine Feier zum Zehnjährigen bereicherte, passte: Der Heimatverein Steinbach steht für Bodenständigkeit, nährt das Zusammengehörigkeitsgefühl im Dorf. Ob Kinderfest oder Familien-Radtour, ob Chronik-Arbeit oder Kultur – der 2006 gegründete Verein sorgt dafür, dass etwas los ist in Steinbach. In den Vordergrund gerückt ist jetzt die Bewahrung des 300 Jahre alten barocken Herrenhauses samt Park für die Öffentlichkeit. Der Heimatverein engagiert sich – neben Feuerwehr, Maifestverein und Ortschaftsrat – dafür in einer mit der Stadt Bad Lausick gebildeten Arbeitsgruppe.

„Uns liegt sehr am Herzen, dass das Herrenhaus erhalten bleibt“, sagt Kathrin Kunath, die gemeinsam mit Anne Lachmann und Bernd Dietzschold den Verein leitet. Es ist ein Kleinod von erheblicher baulicher Dimension, das in den DDR-Jahren und bis Ende der Neunziger als Schule diente und das Raum gibt für viele dörfliche Aktivitäten. Heimatverein und Ortschaftsrat richteten mehrere Zimmer im Erdgeschoss für Zusammenkünfte und Veranstaltungen her. Aus Mobiliar und Unterrichtsmaterialien, die aus Schulzeiten übrig blieben, wurde ein Klassenraum in historischer Anmutung ausgestattet. „Die vielen Klassentreffen, die in Steinbach stattfinden, besuchen es gern“, bestätigt Dietzschold. Ein Buch liege aus, in das sich die Besucher gern eintrügen, es durch aktuelle Fotos und solche von damals komplettierten. Auch bei großen Veranstaltungen wie der im vergangenen Dezember erstmals ausgerichteten Steinbacher Schlossweihnacht sei das Klassenzimmer frequentiert.

Für Dietzschold und seine Mitstreiter ist klar: „Unser Herrenhaus können wir nur erhalten, wenn es gelingt, es intensiver zu nutzen.“ Es stärker in den Blickpunkt zu stellen über Steinbachs Grenzen hinaus, sei eine logische Konsequenz.

Kunde vom Wachsen des Heimatvereins gibt eine Linde, die 2006 an der Zufahrt zum Schloss in die Erde kam. „Das war unser erstes sichtbares Zeichen“, erinnert sich Dora Lachmann an das Gründungsjahr. Die alte Linde, die an selber Stelle war, musste altersbedingt dem Ausbau der Kreisstraße weichen. „Unser Baum ist seither einwandfrei gewachsen.“ Eine kleine Tafel erzählt seine Herkunft.

Die Geschichte des Dorfes zu systematisieren und weiterzuschreiben, ist Vereinsanliegen von Beginn an. Eine Menge Material habe man inzwischen zusammengetragen, sagt Bernd Dietzschold: „Wir sind jetzt dabei, das in Form zu bringen.“ Parallel zu geschichtlicher Hinwendung aber habe man sich immer auch Gegenwärtigem gewidmet: Seit dem ersten Vereinsjahr schon werden um die Kindertag herum die Jüngsten zu einem Fest in den Park eingeladen (zu dem ältere Semester ebenso willkommen sind). Im Schloss gibt es Lesungen, Theater – etwa mit der Mundartbühne – , Anfang des Jahres erstmals Kunst in Form einer Bilderschau von Volkshochschulkurs-Teilnehmern. Bei den 7-Seen-Wanderungen ist Steinbach eine wichtige Station; Jahr für Jahr kocht Brigitte Neuhaus in der Gulaschkanone des Maifestvereins 700 Portionen einer Kartoffelsuppe, die weithin einen legendären Ruf hat.

„Einwandfrei, dass es diesen Verein gibt. Er sorgt dafür, dass man überhaupt mal zusammenkommt im Dorf“, sagt Werner Bödicker, der die Veranstaltungen gern wahrnimmt. Ute Geßner gehört zu jenen, die durch ihre Mitgliedschaft den Verein konkret unterstützt: „Er ist ganz wichtig für den Zusammenhalt im Dorf. Das sieht man auch an der guten Resonanz.“ Die reiche oft über Steinbachs Grenzen hinaus. Selbst bei der jährlichen Radtour im Herbst – die 2016er führt am 17. September zur Waldmühle im Colditzer Forst – sehe man regelmäßige Teilnehmer aus Kitzscher und Borna.

An jedem ersten Montag im Monat treffen sich die Mitglieder und Freunde des 28-köpfigen Vereins zu ihrer Runde. „Wir freuen uns immer über gute Ideen und neue Mitstreiter“, sagt Anne Lachmann und will das als ausdrückliche Einladung verstehen. Das nächste Treffen findet nach der Sommerpause statt – am 5. September, 19 Uhr, im Herrenhaus.

Apropos Herrenhaus: Das beeindruckende Ensemble war ursprünglich weitaus größer, umfasste die Bebauung des großen Gutshofes, der durch einen Torturm erreichbar war. Diese Gebäudeflügel, in die nach der Wende ein privater Investor Wohnungen implantieren wollte, sind eingefallen. Eingestürzt auch der Turm, einst ein Steinbacher Wahrzeichen: Schwerer Märzschnee hatte das Architekturdenkmal im Gründungsjahr des Vereins zum Einsturz gebracht. Die historische Haube samt Bekrönung stellte der Verein sicher mit dem Ziel, sie restauriert gut sichtbar im Dorf aufzustellen. Das, räumt Bernd Dietzschold ein, habe man bisher nicht geschafft. Die Turmspitze sei sicher eingelagert und nicht vergessen: „Aber uns fehlte bisher die Initialzündung – und das Geld, das die Restaurierung kosten würde.“

Von Ekkehard Schulreich

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