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Geithain Stumpi-Fan seit zwanzig Jahren
Region Geithain Stumpi-Fan seit zwanzig Jahren
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14:40 23.02.2016
Szene mit Wolfgang Stumph in Go Trabi Go.  Quelle: United Archives/IFTN
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Bad Lausick

 Als Jürgen Hobler die Komödie „Go Trabi Go“ in den 90er-Jahren sah, war er begeistert: „Ich hab’ mir den Film tausend mal angeguckt und fand den so bombastisch, dass ich mir sagte, den Schauspieler willst du kennen lernen.“ Eine ganze Weile später kaufte er bei seinem Bäcker morgens Brötchen – und bemerkte ein Plakat. Wolfgang Stumph gastierte als Kabarettist im Kurhaus. Da wollte er unbedingt hin, doch die Veranstaltung war schon ausverkauft. Aber so schnell gab der Fan nicht auf: „Ich habe dort ein bisschen genervt“. Mit Erfolg: Es wurden noch zwei Stuhlreihen in den Saal gestellt.

Kurz vorm Kabarett-Start begegnete er per Zufall dem Schauspieler im Foyer des Kurhauses. „Wir haben uns angesehen und irgendwie waren wir uns gleich sympathisch. Ich habe ,Hallo, Wolfgang’ gesagt und er hat mich zum Bierchen nach der Vorstellung eingeladen“, erinnert er sich. Die beiden kamen ins Schwatzen, verstanden sich gut. Mit frohem Herzen und der Telefonnummer eines Stars kehrte der Fan nach Hause zurück – und lebt seitdem gern ein bisschen mit in der Welt von Theater, Film und Fernsehen.

Der 55-Jährige packt einen dicken Ordner auf den Tisch. Darin hat er 20 Jahre gesammelt, was ihn mit Stumpi verbindet: Filmpremieren, Fernsehsendungen, Kabarett-Veranstaltungen, gemeinsame Fotos, viele Autogramme. Dazu gibt es jede Menge Filme, CDs und Bücher. Neulich hat ihn der Dresdner auf die Schulter geklopft und gemeint: „Du bist mein Archivar!“ Dabei hat Jürgen Hobler dies alles nicht irgendwo ausgeschnitten und aufgeklebt, nein: Er war überall vor Ort.

Zum Beispiel mit Freikarten bei der ZDF-Sendung „Salto Postale“ in Berlin. Er nahm Urlaub, fuhr mit seiner Frau in die Hauptstadt und saß im Fernsehstudio. Zur Filmpremiere von „Go Trabi Go“, 25 Jahre nach dem Erstlingserfolg, war er im August vergangenen Jahres in Dresden. Auch die Buchpremiere des Künstlers erlebte er. Nach der Lesung fragte ihn Wolfgang Stumph, ob er sein Buch schon gelesen hat. „Klar, das hab’ ich mir doch gekauft.“ – „Und was hat das gekostet?“ – „20 Mark.“ Jürgen Hobler ist jetzt noch ein bisschen gerührt, wenn er sich erinnert, wie Stumpi sein Portemonnaie zückte und ihm das Geld gab.

Was er an ihm so schätzt? „Er ist ein lockerer Sachse und dabei so bodenständig, ehrlich. Seine Filme sind oft lustig, aber auch immer nachdenklich, da wird Wahres erzählt“, meint der Eisenbahner, seit 39 Jahren im Beruf. Mit seinen Fans würde er nicht oberflächlich umgehen, die Gespräche plätschern nicht an der Oberfläche. Als es dem Bad Lausicker mal nicht so gut ging, rief der Star oder dessen Frau öfter an.

In der Wohnung von Hoblers gibt es auch echte Raritäten des sächsischen Künstlers. Über dem Fernseher steht ein Zwerg. Als der Film „Go Trabi go 2“ erfolgreich in den Kinos lief, wurden diese Zwerge verkauft. Denn in dem Film geht es um die Erbschaft einer Gartenzwergfabrik. Der Fan wollte auch so ein Exemplar haben, kümmerte sich aber zu spät. Es gibt keine mehr, sagte ihm die Thüringer Firma. Wieder ließ er nicht locker, wieder mit Erfolg: Man habe doch noch einen Zwerg gefunden und diesen für ihn angemalt, hieß es einige Tage später.

Als Geld für die Dresdner Frauenkirche gesammelt wurde, versteigerten Künstler ihre Kostbarkeiten. Wolfgang Stumph warf sein braunes Filofax-Notizbuch ins Rennen, das er als Kriminalkommissar im Film oft benutzte. Und wer hat es ersteigert? Der Archivar sagt lachend: „Na ich! Ist für einen guten Zweck.“ 220 Mark hat er dafür bezahlt. „Junge, du bist doch verrückt“, hat der berühmte Schauspieler hinterher zu ihm gesagt.

Am 31. Januar feierte der Schauspieler, der mit dem Kabarett Herkuleskeule, seinen Paraderollen des kleinen Mannes und typischen Sachsen mit Dederonbeutel in vielen Filmen und Sendungen bekannt wurde, seinen 70. Geburtstag. Natürlich rief auch Jürgen Hobler an. „Ich hab’s lange probiert, war immer besetzt. Als ich ihn dann sprach, hörte ich im Hintergrund Leute reden, da war viel los. Und trotzdem: Der Wolfgang nimmt sich die paar Minuten Zeit, fragt und hört zu. So ist er eben.“

Von Claudia Carell

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