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Geithain Fliegerdenkmal Syhra: Wo ist kleine MiG von der Spitze?
Region Geithain Fliegerdenkmal Syhra: Wo ist kleine MiG von der Spitze?
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10:50 08.05.2018
Das Fliegerdenkmal bei Syhra wird saniert – hier Stuckateurin Christiane Warkenstein. Quelle: Jens Paul Taubert
Geithain/Syhra

Einen überraschenden Fund machten jetzt die Restauratoren, die seit mehreren Wochen an der Restaurierung des Fliegerdenkmals in der Nähe von Syhra arbeiten: Im aus Mauersteinen gefügten Sockel des Obelisken stieß Bernd Bubnick, einer von ihnen, auf eine Hülse aus Kupfer, deren Existenz niemandem (mehr) bekannt war.

Hier hat Bernd Bubnick die Hülse freigelegt. Quelle: Jens Paul Taubert

Sie enthält ein kleines Heft, das das sowjetische Staatswappen auf dem Titel trägt, mit maschineschriftlichen Aufzeichnungen. Das Dokument ist von Nässe völlig durchtränkt. Deshalb wurde auf den Versuch, die Seiten voneinander zu lösen, vor Ort verzichtet. Statt dessen wurde das Heft einem Papierrestaurator übergeben.

Die völlig durchnässte Broschüre. Quelle: Jens Paul Taubert

„Die Broschüre wurde von der Pionierfreundschaft einer Oberschule, deren Name unleserlich ist, erstellt und in eine Folie eingeschweißt“, sagt Bernd Gnant, Vorsitzender des Geithainer Ortsvereins der Partei Die Linke. Der Fund sei eine schöne Überraschung, auch wenn das Papier durch die Feuchtigkeit zum Teil zersetzt worden sei. Ein Altenburger Restaurator aber habe Hoffnung gemacht, das Dokument so aufbereiten zu können, dass es wieder lesbar sei.

Rund sechs Wochen dauern sollen die Sanierungsarbeiten am Denkmal, das an der von Syhra zur A-72-Anschlussstelle Geithain führenden Straße an den Absturz einer sowjetischen Militärmaschine Mitte der Sechzigerjahre erinnert.

Hier entnimmt Bernd Gnant der gefundenen Hülse das Dokument. Quelle: Jens Paul Taubert

Der Ortsverband sowie die Fraktion der Linkspartei im Geithainer Stadtrat hatten sich für die Instandsetzung engagiert und die nötigen Mittel beschafft. „Wir freuen uns, dass nach einer jahrelangen Odyssee eine auf die Restauration von Denkmalen spezialisierte Firma beginnen konnte“, so Gnant. Mit ihrer Spende hätten viele Menschen aus der gesamten Region dazu beigetragen, diese Arbeiten mit zu finanzieren.

Blick auf das Fliegerdenkmal Syhra. Quelle: Jens Paul Taubert

„Dank ihrer Hilfe wird auch weiterhin an die zutiefst menschliche Tat der beiden Angehörigen der Fliegerkräfte der Sowjetarmee erinnert, die am 19. Oktober 1966 ihr Leben nicht schonten, sich nicht aus ihrer brennenden MiG 21 U retteten und dadurch zahlreiche Menschen in der Ortschaft Syhra vor Verletzung oder Tod bewahrten.“

Die Spendensammlung werde fortgesetzt, so Gnant, und nach Fertigstellung der Arbeiten am Denkmal sei eine feierliche Wiedereinweihung vorgesehen. Dann werde man die in der Kupferkartusche aufgefundene Broschüre samt aktueller Dokumente zur Restauration des Denkmals und zur Situation in der Geithainer Region erneut im Sockel deponieren.

Steinmetzin Marie-Luise Kermelk bei der Arbeit. Quelle: Jens Paul Taubert

Gnant fordert jenen Unbekannten, der vor vielen Jahren das auf der Spitze des Denkmals befindliche Jagdflugzeug MiG 21 en miniature an sich nahm, es anonym über das Pfarramt Syhra zurückzugeben. „Konsequenzen für sein damaliges Handeln braucht er nicht befürchten. Wir möchten lediglich, dass es wieder seinen würdigen Platz auf dem Denkmal findet.“

Pioniere Quelle: privat

Wenn die Linke am Tag der Befreiung vom Hitlerfaschismus am 8. Mai, 17 Uhr, zu einer Gedenkstunde an das Mahnmal einlädt, wird der Dokumentenfund ein viele bewegendes Thema sein.

Von Ekkehard Schulreich

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Sie war einen von 1000. Aber für sie war die Karriere als Volkskorrespondent der Leipziger Volkszeitung einmalig. Sie lebte die Leidenschaft für Menschen und ihre Gesichten. Und nutzt dabei Freiräume, die gut bezahlte Parteijournalisten nicht hatten.

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