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Geithain Tafeln erinnern an das KZ-Außenlager
Region Geithain Tafeln erinnern an das KZ-Außenlager
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13:59 19.05.2015
Enthüllung der Gedenktafel in der Ortsmitte von Flößberg zur Erinnerung an das KZ-Außenlager. Quelle: Jens Paul Taubert

Das erfolgte zunächst an der Tafel in der Ortsmitte, dann an jener, die unmittelbar am ehemaligen Lagergelände steht. Eine Projektgruppe aus der Bad Lausicker Oberschule hat zu den Häftlingen und den Lebensbedingungen im Lager anhand von Akten und Gesprächen mit Zeitzeugen recherchiert. Gemeinsam mit dem Verein Geschichtswerkstatt und dem Flexiblen Jugendmanagement Landkreis Leipzig erarbeiteten sie Inhalte und Gestaltung der Tafeln (die LVZ berichtete mehrfach). Gefördert wurde das Projekt durch das Programm "Zeitensprünge" der Sächsischen Jugendstiftung und die "Aktion Mensch".

Hier gehe es um das Sichtbarmachen des Geschehenen für die Flößberger, für Besucher, eventuell für Angehörige der Opfer, erklärte Andreas Rauhut vom Jugendmanagement. Er dankte den jungen Leuten "für ihre sehr engagierte Arbeit" und drückte seine Hoffnung aus, dass sie durch die Beschäftigung mit diesem dunklen Kapitel deutscher Geschichte eine aufrechte Haltung erworben haben, die sie das weitere Leben begleiten möge.

24 Zehntklässler sind im Geschichtskurs von Anke Schneider an der Bad Lausicker Oberschule, sie haben sich mit der Historie des Außenlagers befasst. "Weil wir uns sehr für Geschichte interessieren", erklärte Schülerin Sophia Klagge. "Ziel ist zu verdeutlichen, was hier passiert ist", erläuterte Mitschüler Maximilian Tröger. Man habe beispielsweise Transportlisten recherchiert, versucht Nachfahren zu finden, erklärte Hannes Barczynski bei Einweihung der zweiten Tafel. Neuntklässlerin Jennifer Hennig umrahmte die Enthüllungen mit Musikstücken auf der Gitarre.

Wolfgang Heidrich von der Geschichtswerkstatt Flößberg erinnerte daran, dass vor 70 Jahren die Errichtung des Lagers begonnen hatte und sprach über dessen grausame Bilanz: 235 Menschen kamen vor Ort ums Leben. Über 570 Häftlinge wurden als Invaliden zurück nach Buchenwald geschickt, von denen 266 später starben. Hunderte Tote gab es beim Evakuierungstransport. Vor über einem Jahrzehnt habe ein Überlebender den Ort besucht und ihn nicht erkannt. Das sei der Beginn einer Auseinandersetzung gewesen, die zum heutigen Ergebnis geführt habe, so Heidrich. Mit so einer Tafel gerate, was geschah, schwerer in Vergessenheit.

"Warum musste es fast 70 Jahre dauern?", fragte Frohburgs Bürgermeister Wolfgang Hiensch (BuW). Wie andere Redner erinnerte er daran, wie wenig über das Lager in der Region bekannt gewesen war. Vor allem blickte er aber nach vorn. Man müsse Sorge haben, ob die Menschheit wirklich Lehren aus diesen vielen Toten gezogen habe, erklärte Hiensch. So etwas dürfe nie wieder passieren - egal, wo auf der Welt. Er forderte die jungen Leute auf, mit dafür zu sorgen, dass es nie wieder Krieg gibt.

www.floessberg-gedenkt.de

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 06.12.2014
Inge Engelhardt

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