Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Geithain Tautenhain: Angst vor der nächsten Flut
Region Geithain Tautenhain: Angst vor der nächsten Flut
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
05:06 06.07.2018
Gottfried Herbst vor dem engen Durchlass der Kleinen Eula. Die darüber aufgeschüttete Straße wirkt wie ein Staudamm. Quelle: Ekkehard Schulreich
Anzeige
Frohburg/Tautenhain

Das nächste Hochwasser kommt bestimmt. Dann könnte es – wie es mehrfach schon geschah in den vergangenen mehr als vier Jahrzehnten – das Grundstück und das Haus von Gottfried Herbst in Tautenhain unter Wasser setzen. Der Grund für dieses Szenario liegt weniger in der Neigung der nah am Hof vorbeifließenden Kleinen Eula, nach einem Unwetter schnell und stark anzuschwellen.

Durchlass zu schmal für Wassermassen

„Das Problem ist ein Durchlass, durch den die Wassermassen aus einem 600 Hektar großen Einzugsgebiet durch müssen – aber nicht können“, sagt der 80-Jährige, der mit seiner schwer kranken Frau im Anwesen seiner Vorfahren lebt. „Ganz schlimm war es 2013“, erinnert er sich. Damals wäre er um ein Haar mit seiner Frau über eine Zeit von der Außenwelt abgeschnitten gewesen.

Engpass zu ersetzen, ist alte Forderung

Seine Forderung, die Brücke mit besagtem Engpass zu ersetzen, ist so alt wie dieses Bauwerk selbst, das die Melioration in den Siebzigerjahren in das Flussbett stellte. „Wenn wir erstmal nach Frohburg eingemeindet sind, wird auch das Hochwasserproblem endlich gelöst“, hat Herbst die Versprechen noch im Ohr. Die Eingliederung Eulatals in die Stadt geschah 2009. An der Kleinen Eula vor Herbstens Hof geschah – nichts.

Nur ein Meter Durchmesser – das führt zum Verhängnis

Einen Meter Durchmesser hat das Rohr, durch das die Kleine Eula muss. Für Herbst ein Ding der Unmöglichkeit. „Das ist uns schon mehrfach zum Verhängnis geworden.“ Sein Garten und die Rückfront des Nachbargrundstücks wirkten bei Hochwasser wie ein Rückhaltebecken. Wenn es schlimm kommt, erreicht die Flut Hof und Haus; einmal stand es sogar 1,20 Meter hoch in den Zimmern.

Unterschriftensammlung für praktikable Lösung

Das Malheur, erinnert sich Herbst, begann mit dem Einsturz der historischen Gewölbebrücke. Die Experten der Melioration scheuten den Wiederaufbau, wollten statt dessen ein Rohr mit Zwei-Meter-Durchmesser verbauen. Herbst, der Lehrer, der die Probleme kommen sah, hatte sich seinerzeit mit einer Unterschriften-Sammlung für eine praktikable Lösung eingesetzt: „Da hatte ich ein ernstes Problem. Das war ein Politikum.“ Eingebaut wurde schließlich „ein Makkaroni“.

Abpumpen aus Grundstücken in Tautenhain beim Hochwasser im August 2002. Quelle: Jens Paul Taubert

In der Nachwende-Zeit habe er mehrfach auf eine Lösung gedrängt, sagt Herbst: Das Problem des zu engen Tautenhainer Durchlasses hätte gelöst werden können, als ein Abwasserkanal im Weidenweg verlegt wurde und die Fahrbahn ohnehin geöffnet war. Der damalige Bürgermeister Karsten Richter habe ihm erklärt, dass man mit einer Renaturierung am Unterlauf beginnen müsse und beginne und sich dann flussauf arbeite. Erst dann sei die Brücke dran. Die Realitäten seien heute andere, und auch von der Frohburger Stadtverwaltung werde er vertröstet.

Hiensch: Starkregen vom Ort zurückhalten

„Grundsätzlich können die im Hochwasserschutzkonzept für die Kleine Eula benannten Einzelmaßnahmen nur schrittweise abgearbeitet werden“, sagt Bürgermeister Wolfgang Hiensch (BuW). Dies betreffe auch diesen Durchlass. Vor Jahren habe aber bereits der Stadtrat festgestellt, „dass die Priorität für einen ausreichenden Hochwasserschutz in Tautenhain eindeutig darin liegt, das Regenwasser bei Starkregen vom Ort zurückzuhalten“.

Mittel der Wahl: Ertüchtigung vorhandener Teiche

Anders als im Hochwasserschutzkonzept vorgeschlagen, sollte dies nicht durch den Bau eines zusätzlichen Regenwasserrückstaubeckens , sondern durch Rückbesinnung auf und Ertüchtigung der vorhandenen Teiche vor der Ortslage erfolgen. Daran, so Hiensch, werde gearbeitet. „Dies geht aber nur im Einvernehmen mit den Eigentümern und Pächtern der Teiche. Die Verwaltung wird sich unter Einbeziehung der Unteren Wasserbehörde der Angelegenheit verstärkt annehmen.“ Das öffentliche Interesse des Hochwasserschutzes stehe eindeutig über den Interessen der Eigentümer und Pächter.

Tautenhainer bleibt skeptisch

Diesen Satz kann Gottfried Herbst nur unterstreichen. Aufgrund seiner Erfahrungen bleibt er skeptisch. Millionen Euro seien in Sachsen in den vergangenen Jahren in die Beseitigung von Flutschäden investiert worden, weitere Förder-Millionen aber gar nicht abgerufen worden. Um das Rückhaltebecken in Terpitz werde seit vielen Jahren gerungen, weil vermeintliche Naturschutz-Interessen über die Schutzinteressen der Menschen gestellt würden. „Was da geschieht oder unterbleibt, das ist keinem mehr zu vermitteln.“

Von Ekkehard Schulreich

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Geithain Ersterwähnung vor 650 Jahren - Ballendorf treiben Kuh durch den Ort

Mit einem spektakulären Umzug wollen die Bewohner im Bad Lausicker Ortsteil Ballendorf die Ersterwähnung vor 650 Jahren feiern. Der Verein KuH steckt in den Vorbereitungen. Der geschichtsträchtige Tross soll aber nicht durchs Dorf führen. Er soll eine Arena mit Hunderten Menschen füllen.

05.07.2018

Das Bedauern über die Schließung der Steinbacher Grundschule hält bis heute an. Mit dem letzten Tag vor den Sommerferien im Juli 1998 wurde die Bildungseinrichtung im Steinbacher Herrenhaus aufgegeben.

05.07.2018

Rund 250 kleine Besucher waren am Mittwoch beim Kinderfest im Frohburger Freibad. Das zählte seit der Saisoneröffnung Mitte Mai bislang fast 5000 Gäste. Es könnten durchaus mehr sein.

04.07.2018
Anzeige