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Geithain Tautenhain ehrt seinen Künstler: Tafel an Felixmüllers Wandbild wird enthüllt
Region Geithain Tautenhain ehrt seinen Künstler: Tafel an Felixmüllers Wandbild wird enthüllt
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09:54 20.05.2016
Ein frohes Bild des Frühlings und des Aufbruchs schenkte Conrad Felixmüller vor Jahrzehnten dem Kindergarten seiner vorübergehenden Heimat Tautenhain. Quelle: Jens Paul Taubert
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Frohburg/Tautenhain

Ein auf eine Wand gemaltes Bild abzunehmen, ohne es zu zerstören, und es in ein neues Haus zu integrieren: Eine solche Arbeit ist selbst für Diplom-Restaurator Michael Lange und seinen Sohn Marcus etwas Besonderes. Umso mehr, wenn es sich bei dem 2,50 mal 1,40 Meter großen Bild um ein Werk von Conrad Felixmüller handelt. Der renommierte Holzschneider, Maler und Grafiker fand fast zwei Jahrzehnte lang in Tautenhain eine Wahl-Heimat. Das Frühlingsbild mit Reiter und Kindern, das er in den Fünfzigerjahren für den Kindergarten schuf, zog 2012/14 in den Neubau um. Die Bürgerbewegung Eulatal sorgt dank zahlreicher Unterstützer jetzt dafür, dass eine Tafel die bewegte Geschichte dieses Kunstwerks erzählt. Im Rahmen einer Feierstunde wird sie am 21. Mai enthüllt, dem 119. Geburtstag Felixmüllers.

Unscheinbar und klein, beherbergte das Haus Am Kirchberg 13 in den vergangenen Jahrzehnten Kindergarten, Bibliothek, Arzt-Sprechzimmer, zuletzt – ehe es abgerissen wurde – nur noch Wohnungen. Und besagtes Bild, das der Künstler vor weit mehr als einem halben Jahrhundert direkt auf den Putz gemalt hatte. Vor allem dem Gemeinde- und Stadtrat Thomas Kratz sei es zu danken, dass das Bild gerettet worden ist, sagt Gottfried Herbst, Vorsitzender der Bürgerbewegung. Eingesetzt dafür hätten sich auch Rainer Schott und Schmiedemeister Heinz Junghans. Die Stadt Frohburg habe schließlich das Atelier für Restaurierungen Schloss Kaufungen GmbH mit der Abnahme und Restaurierung des Bildes, das 2010 unter Denkmalschutz gestellt wurde, beauftragt. Das geschah 2012 und war Voraussetzung der Denkmalbehörden, dem Abriss zuzustimmen.

„Ein gewisses Risiko lässt sich niemals ganz ausschließen, doch das Bild hat das Ganze relativ gut überstanden“, blickt Marcus Lange zurück. In erster Linie kümmere man sich um die Restaurierung von Kirchen und Schlössern. Man habe das Bild, mit Mull und einem Gel speziell gesichert, samt Mauerwerk („Halbe Ziegelstärke!“) herausgelöst und erst in der Kaufungener Werkstatt die Rückseite bis beinahe auf den Bildgrund entfernt. Risse im Untergrund wurden verschlossen, Fehlstellen behutsam ergänzt. In einem Aluminiumrahmen gefasst und stabilisiert, habe man es 2014 schließlich im Neubau der Kindereinrichtung erneut in den Putz eingefügt.

„Dort kommt es richtig gut zur Geltung“, sagt Thomas Kratz, der sich erinnert, als Schüler im Speiseraum das Bild gern im Blick gehabt zu haben. Es zu bewahren, sei ihm schon Anliegen gewesen, als die noch selbstständige Gemeinde Eulatal das Haus habe verkaufen wollen. Schließlich sei es das einzige Wandgemälde Felixmüllers – und selbst Kunstexperten hätten von seiner Existenz lange nichts gewusst.

„Das Bild war ein Geschenk Felixmüllers an die Kinder – so wie er vielen Leuten in Tautenhain Skizzen oder Gemälde überließ“, sagt Herbst, der – 1938 in Tautenhain geboren – sich noch gut an den Künstler und seine Frau Londa erinnert. Zu einem runden Geburtstag Londas habe er mit dem Kirchenchor ein Ständchen gebracht. Felixmüller, Expressionist und später namhafter Vertreter der Neuen Sachlichkeit, wurde 1944 in Berlin ausgebombt. Bis 1961 lebte und arbeitete er in Tautenhain: „Ein ganz volkstümlicher, einfacher Mensch. Einer von uns.“

Er soll im Mittelpunkt stehen, wenn die Bürgerbewegung Eulatal am Sonnabend, 14 Uhr, alle Interessenten an die neue Tautenhainer Kindertagesstätte, die Felixmüllers Namen trägt, einlädt. Dann wird die Tafel neben dem Bild enthüllt. Im Gemeinderaum des Pfarrhauses erzählt Alexander Junghans ab 16 Uhr, wie das Bild gerettet und restauriert wurde. Nach einem Kaffeetrinken und Gesprächen geht es 17.30 Uhr hinüber in die Jakobuskirche, die mit Felixmüller-Gemälden an Empore und Chor einen besonderen Schatz birgt – kunstgeschichtlich wertvoll, aber auch für die Dorfgemeinschaft, hat der Künstler doch zahlreiche Menschen von hier in seinen Tafeln widergespiegelt. Davon erzählen die Pfarrer Sven Petry und Markus Helbig, ehe die Veranstaltung ausklingt.

Von Ekkehard Schulreich

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