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Theusdorfer fürchten die nächste Flut

Theusdorfer fürchten die nächste Flut

In großer Sorge sind Theusdorfer angesichts des geplanten Ausbaus ihrer Dorfstraße, die beim Hochwasser letztes Jahr im Juni stark beschädigt worden war. Das haben sie in der Einwohnerfragestunde der Geithainer Ratssitzung deutlich gemacht.

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Der Theusdorfer Reiner Voigt zeigt, bis wohin das Hochwasser auf seinem Grundstück gestanden hat.

Quelle: Jens Paul Taubert

Theusdorf. Von Theusdorfer Seite gäbe es teils schwerwiegende Bedenken zu dem Projekt, erklärte Raphael Karte in der Einwohnerfragestunde. "Wir hätten uns gewünscht, dass mit den Anwohnern gesprochen wird, bevor der Stadtrat solche Entscheidungen trifft", betonte Marco Wild. Wenn die Straße tatsächlich teilweise höher gelegt werden soll, könne er einen Schlauchbootverleih aufmachen, sagte Reiner Voigt.

 

 

Bis in seinen Fahrradladen ist das Wasser gelaufen, das der Ossabach beim Hochwasser im Juni des Vorjahres mitbrachte, erzählte Voigt beim Termin vor Ort. Außerdem seien aber Wassermassen von den Feldern hinter den Häusern gekommen, berichtete der Theusdorfer, der seit 1956 im Dorf lebt. 2013 habe für den Geithainer Ortsteil das bislang schlimmste Hochwasser gebracht, schlimmer als 2002. Nie zuvor habe Wasser in seinem Laden gestanden, der etwas höher liegt, berichtete der Inhaber.

 

 

Reiner Voigt und sein Nachbar Raphael Karte waren am schlimmsten von der Flut betroffen. Karte, 2010 in das kleine Dorf gezogen, hatte die braune Brühe 15 Zentimeter hoch in der Küche stehen. Der Wasserstand des Ossabaches sei etwa zwei Meter höher als normal gewesen, berichtete Hans-Dieter Jahn, auf dessen Grundstück der Gas-Tank hochgeschwemmt worden war."Gut, dass die Straße in Ordnung gebracht wird, aber wir brauchen keine Rennbahn", erklären alle drei.

 

 

Geschäftsführer Arndt Uhlmann vom gleichnamigen Markkleeberger Planungsbüro hatte den Stadträten das geplante Projekt vorgestellt. Vorgesehen ist, wie berichtet, eine Mischverkehrsfläche von fünf Metern Breite mit Asphaltbelag und ohne separaten Fußweg. Die Fahrbahn soll außerdem teilweise angehoben werden, um die Gefahr einer Überflutung der Straße zu reduzieren. "Wie kommt das Wasser von den Feldern dann in den Bach?", fragte Raphael Karte im Gespräch mit der LVZ. Von einer Anhebung um 30 Zentimeter sei die Rede gewesen, in den Planungsunterlagen würden sogar 40 bis 60 Zentimeter stehen, berichtete er. Das könnte wie eine Mauer wirken, und das Wasser stünde noch länger auf den Grundstücken, fürchten die Theusdorfer.

 

 

Es sei "eine große Aufgabe, genügend Durchlässe zu bringen, um das Wasser abzuleiten", hatte Uhlmann in der Ratssitzung auf Nachfrage von Gabriele Sporbert (CDU) erklärt, die selber in Theusdorf wohnt. Auf Durchlässe zu setzen, da haben die Anwohner beträchtliche Bedenken. Sie fürchten, dass die Durchlässe sich zusetzen und dann ihre Funktion nicht mehr erfüllen. Karte: "Das Risiko ist zu hoch." Der Bach selber müsse erst einmal durchlässig gemacht werden, betonte Jahn. "Das Bachbett muss tiefer und breiter werden, forderte er. Karte kritisierte, das Hochwasserschutz bei dem ganzen Projekt kein Thema sei. "Symptome werden behandelt, nicht die Ursache."

Die Hauptsorge der Theusdorfer gilt der Hochwassergefahr für ihre Grundstücke, die ihrer Ansicht nach durch die Straßenanhebung beträchtlich wächst.Doch auch die Verbreiterung und der Ausbau der Fahrbahn bereitet ihnen Sorge. In einer Einwohnerversammlung hatten sie sich, wie berichtet, bereits gegen einen - ebenfalls möglichen - noch breiteren Ausbau mit einem separaten Fußweg ausgesprochen. Doch immer noch erscheint das Projekt vielen im Dorf überdimensioniert. "Fünf Meter sind immer noch zu viel", erklärte Hans-Dieter Jahn. Zumal die Anschlussstraßen nur 4,50 Meter breit seien. Das sei einfach nicht nötig, bekräftigte auch Karte. Begegnungsverkehr finde in Theusdorf fast nicht statt, punktuelle Ausweichstellen würden völlig ausreichen.

 

 

Vor allem besteht aber die Befürchtung, dass die Straße zur Rennbahn wird, wenn sie breit und neu ist, und dass deutlich mehr Kraftfahrer die geplante Trasse dann als Verbindung von Kohren zur Autobahnauffahrt sowie zurück entdecken. Noch hält sich das in Grenzen, bislang geht es in Theusdorf eher gemächlich zu. Radfahrer und Reiter nutzen die Dorfstraße gern. "Viele junge Familien mit Kindern sind hergezogen, das ist unser Plus", erzählte Jahn. Dazu gehört auch Familie Karte, ihre Kinder sind jetzt fünf beziehungsweise ein halbes Jahr alt. "Noch trauen wir uns, mit ihnen auf der Straße zu laufen", erzählte ihr Vater, der befürchtet, dass künftig wohl das Tor zur Straße zugemacht werden muss. Dass sich viele Verkehrsteilnehmer auf einer gut ausgebauten Straße nicht an vorgeschriebene 30 Stundenkilometer halten, ist kein Geheimnis."Man muss bedarfsgerecht bauen", sagte Karte, und Jahn bezeichnete die Dimension des angedachten Projektes als "Verschleuderung staatlicher Mittel."

 

 

Etwas anderes vermissen die Theusdorfer an dem großen Projekt hingegen: Es wäre doch sinnvoll, den Bau mit Vorbereitungsarbeiten für Breitband-Kabel zu verbinden. "Das ist zwingend erforderlich", forderte Raphael Karte. Mit schnellem Internet würde es für manchen auch eine Option sein, von zu Hause aus zu arbeiten.

 

 

Zahlreiche Vorschläge und Bedenken haben die Theusdorfer bereits schriftlich im Rathaus eingereicht. Man nehme das "sehr, sehr ernst", betonte Bürgermeisterin Romy Bauer (parteilos) in der Ratssitzung. "Ich denke, dass wir eine vernünftige Lösung für Theusdorf finden werden", erklärte sie. Sobald der Planer Mitte September aus dem Urlaub zurück ist, will die Verwaltung mit ihm beraten.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 09.09.2014
Inge Engelhardt

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