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Tischler - seit mehr als 60 Jahren

Tischler - seit mehr als 60 Jahren

In seiner Holzwerkstatt ist Gerhard Gesell in seinem Element. Deshalb freut sich der 75-Jährige, dass er jetzt für das Fachwerkhaus, das seine Tochter Grit Kuhnitzsch in Kohren-Sahlis restauriert, erneut einige Fenster originalgetreu wieder herstellen kann.

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Möbeltischler Gerhard Gesell (75) im Unruhestand. Er baut für seine Tochter Fenster für ihr altes Haus im Hobbyraum der früher seine Werkstatt war.

Quelle: Jens Paul Taubert

Denn Gesell ist Bau- und Möbeltischler, steht seit mehr als sechs Jahrzehnten im Beruf - und liebt ihn und das Holz nach wie vor. "Ich bin jeden Tag hier hinne. Anders geht es nicht - es sei denn, ich bin am Wasser." Das Ufer des Harthsees ist von der Werkstatt, die er sich in den achtziger Jahren aufbaute, nur wenige Schritte entfernt und ein ebenso geschätzter Ort in freien Stunden.

Besonders langlebige russische Taiga-Lärche hat Gerhard Gesell ausgewählt für die Fenster, "schmale Rahmen und mit Sprossen, so wie es früher war". Die Hölzer, zugeschnitten und bearbeitet auf durchaus historisch zu nennenden Maschinen, sind zusammengefügt. Die Verschlüsse müssen noch dran, Firniss drauf; dann werden die Scheiben eingesetzt und die Fenster auf der Hofseite des Fachwerkgebäudes in der Kohrener Töpferstraße montiert. "In einem so alten Haus ist vieles zu machen, das man am Anfang gar nicht sieht", sagt er. Inzwischen seien Front und Giebel behutsam erneuert. "Auch das Fachwerk machen wir wieder, wie es früher war", sagt Gesell. Und freut sich, dass seine Handwerkskunst gefragt ist, denn: "Ich habe mit 13 Jahren angefangen zu lernen, und ich habe mein Leben lang in diesem Beruf gearbeitet. Etwas anderes kann ich mir gar nicht vorstellen."

Dabei war die Lehrzeit Anfang der fünfziger Jahre in Borna alles andere als ein Spaziergang; sie war hart, doch sie stattete den jungen Mann mit dem nötigen Rüstzeug aus. Es spezialisierte sich als Gestellbauer, als einer, der das Skelett von Sesseln und Sofas zusammenfügt, arbeitete viele Jahre beim Frohburger Möbelhersteller Pamaf, wechselte zur Bautischlerei - um zu Möbeln zurückzukehren und sich ab 1980 in Nenkersdorf eine eigene Werkstatt einzurichten. "Begonnen habe ich mit einer selbst gebauten Fräse, mit einer 100 Jahre alten Abrichte, einer alten Hobelmaschine", blickt er zurück. Doch Stück für Stück gelang es, den Maschinenpark für den Gestellbau zu komplettieren. Die Polstereien der Kreise Geithain und Borna waren seine Abnehmer. Und nach Feierabend blieb Zeit, mal ein paar Fenster, eine Haustür, ein Garagentor zu fertigen.

Die politische und wirtschaftliche Wende 1990 traf Gerhard Gesell auf der Höhe seiner Leistungskraft: Die Werkstatt entsprach allen Erfordernissen, doch plötzlich war, was er produzierte, nicht mehr gefragt. Das Lager war voll Gestelle, die über Nacht niemand mehr abnahm. "Gemeinsam mit meinem Sohn habe ich ein halbes Jahr umsonst gearbeitet", erinnert er sich. Das Meiste zersägte er, fütterte den Ofen damit. Und versuchte, mit dem Einbau von Fenstern und Türen sich noch einmal neu zu orientieren. Sternstunden der Jahre bis zur Rente 2001 waren für ihn, dass er bei der Sanierung des Frohburger Schlosses herangezogen wurde, dass er hin und wieder historische Fenster und Türen nachbaute, dass er große alte Hofeinfahrten an Leipziger Mietshäusern restaurieren konnte. Rentner nun, arbeitet Gesell im eigenen Auftrag - und er genießt es: "Die Kinder haben immer etwas zu tun, und ich freue mich, wenn ich in meiner Werkstatt sein kann." Denn ihm wird hier niemand folgen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 10.09.2015

Ekkehard Schulreich

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