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Tourismusvereine: Viel erreicht – dennoch nicht in Feierlaune zum Jubiläum

Fremdenverkehr Tourismusvereine: Viel erreicht – dennoch nicht in Feierlaune zum Jubiläum

Neu strukturiert und zum Teil völlig neu aufgebaut wurden Tourismus und Fremdenverkehr nach der Wende. Die Gründung des Vereins Sächsisches Burgen- und Heideland im Frühjahr 1991 war eine Initialzündung für weitere.

Die Sommerrodelbahn in Kohren-Sahlis gehört zu den Projekten, die entstanden sind.

Quelle: Andreas Döring

Kohren-Sahlis. Das Sächsische Burgen- und Heideland ist längst ein Begriff. Maßgeblichen Anteil daran hat der gleichnamige Tourismusverband, der sich 1991 gründete. Er steht für die Identitätsfindung im regionalen Tourismus der unmittelbaren Nachwendezeit und für die Herausbildung neuer, tragfähiger Strukturen. Kein Zufall ist es, dass in diesen Wochen und Monaten mit dem Fremdenverkehrsverband (FVV) Kohrener Land, dem Heimat- und Verkehrsverein Rochlitz, dem Kur- und Verkehrsverein Bad Lausick vor Ort denselben Zielen verpflichtete Institutionen entstanden – zeitgleich zur Formierung des sächsischen Landestourismusverbandes.

Ein Vierteljahrhundert später stehen den meisten Vereinen Jubiläen ins Haus. Allerdings werden die nicht allerorts mit derselben Intensität gefeiert, denn die im Freistaat angestrebte Schaffung großer, national und international wettbewerbsfähiger Strukturen bringt kleine wie den FVV Kohrener Land in Nöte. Die Verbände Burgen- und Heideland und Rochlitz begehen am 13. April mit Mitgliederversammlungen die Gründungsjubiläen.

„Wir hatten schnell gelernt, dass Tourismus und Fremdenverkehr Wirtschaftsfaktoren sind und dass wir entsprechende Instrumente schaffen müssen“, blickt der Frohburger Eberhard Kupfer zurück. 1991 nahm er für den Kreis Geithain an der Gründung des Vereins Sächsisches Burgen- und Heideland (damals noch FVV Mittelsachsen) teil. Es sei klar gewesen, dass die Braunkohlenindustrie im Leipziger Südraum keinen Bestand würde haben können. „Wir wollten und mussten jeden Strohhalm nutzen, und wir brauchten die Verbindung zu all jenen, die sich im Tourismus engagieren wollten.“

Dass im selben Jahr der FVV Kohrener Land als Gremium unmittelbar für die Region entstand und später dem Burgen- und Heideland beitrat, sei folgerichtig gewesen, so Kupfer, auch hier Mitbegründer und später viele Jahre Vorsitzender. „Unsere Arbeit hat sich gelohnt, auch wenn die Konstellationen inzwischen andere sind“, sagt er. Auch wenn der Freistaat heute in großen Einheiten denke, wäre es fatal, die etablierten kleinteiligen Strukturen gänzlich aufzugeben. Veränderungen ja, aber das Substanzielle sichern: „Die Erfolge sind nicht zuletzt in der Förderregion Land des Roten Porphyrs ablesbar.“ Eine Region, die der FVV Kohrener Land und der Heimat- und Verkehrsverein Rochlitz gemeinsam betreuen.

„Wir mussten damals den Fuß reinstellen in die Tür, um das Kohrener Land erneut ins Gespräch zu bringen“, resümiert Inge Steitmann, die als Kohrener Stadträtin mit Kulturbund-Mandat 1991 an der Gründung des Burgenland-Verbandes teilnahm. Diese Strategie habe sich als richtig erwiesen, wie die Entwicklung des Tourismus in der Region belege. Und die sei nur bedingt vergleichbar mit anderen Gegenden, denn: „Bei uns hier ist alles ein bisschen beschaulicher.“ Dem müsse Rechnung getragen werden auch in Zukunft. Dafür brauche es den Fremdenverkehrsverband Kohrener Land weiter, vor allem „um den kleinen Anbietern eine Chance zu eröffnen, sich einzubringen“.

Das Einzugsgebiet des Sächsischen Burgen- und Heidelandes reicht von der Dahlener Heide bis zum Ballungsraum Chemnitz, vom Osterland bis Nossen. Gab es hier 1993 lediglich 108 größere Beherbergungsbetriebe mit 5300 Betten, sind es gut zwei Jahrzehnte später 268 Einrichtungen mit 12 500 Betten. Beispielzahlen für den Erfolg der vor einem Vierteljahrhundert begründeten Strukturen, sagt Regina Heinze, Leiterin der Geschäftsstelle des FVV Kohrener Land: „Die Gründung war bahnbrechend. Damals ist vieles geschaffen worden.“ Von der Sommerrodelbahn in Kohren-Sahlis bis zum Kletterwald an der Kriebstein-Talsperre, von einer Ausschilderung vieler Rad und Wanderwege bis zur Etablierung attraktiver Gastronomie, Hotellerie und musealer Einrichtungen.

Heute sind Heideland, Burgenland und Leipziger Neuseenland drei Säulen der großen Tourismus-Destination Leipzig Region. Über den Platz, den der FVV Kohrener Land und seine Mitgliedskommunen von Borna bis Geithain unter dieser neuen Konstellation finden und einnehmen wollen, wird in den Parlamenten und im Verein zurzeit intensiv gestritten.

Der Kur- und Verkehrsverein Bad Lausick wählte bald schon einen anderen Weg. „Es reifte die Idee, ein Kur- und Freizeitbad zu errichten“, blickt Henry Heibutzki, Geschäftsführer der Kur GmbH, zurück. Als Bauherr und Betreiber habe man sich für eine GmbH entschieden; der Verein habe deshalb bald seine Aufgaben übertragen und sich aufgelöst.

Von Ekkehard Schulreich

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