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Über 300 Zuhörer bei der Lesung von Guntram Vesper in Frohburg

Roman „Frohburg“ Über 300 Zuhörer bei der Lesung von Guntram Vesper in Frohburg

Guntram Vesper hat in Frohburg vor weit mehr als 300, vielleicht 400 Zuhörern aus seinem Roman „Frohburg“ gelesen. Die Veranstaltung fand in Graichens Werkhalle statt, in der Stunden zuvor noch Möbel und Innenausbauten gefertigt wurden – das passte in die Ketten von Assoziationen, die der fast 75-jährige Autor liebt und die sein Tausend-Seiten-Buch ausmachen.

Großer Andrang herrscht in Frohburg, als Guntram Vesper sein Buch signiert, Roswitha Mohaupt (M.) war die erste.

Quelle: Jens Paul Taubert

Frohburg. „Möbel. Zimmerwände. Tür. Der lange schmale Korridor. Braunes Linoleum. Halbdunkel. Widerhall der Schritte.“ – So beginnt Guntram Vespers hoch geschätzter und auf der Leipziger Buchmesse ausgezeichneter Roman „Frohburg“ – und so begann der Autor seine Frohburger Lesung vor weit mehr als 300, vielleicht 400 Zuhörern. Dass die stattfand in Graichens Werkhalle, in der Stunden zuvor noch Möbel und Innenausbauten gefertigt wurden und tags darauf erneut, passte in die Ketten von Assoziationen, die der fast 75-jährige Autor liebt und die, dicht verflochten, sein Tausend-Seiten-Buch ausmachen.

„Für etwaige Zweifler also sei es Roman!“, dieses Zitat Theodor Fontanes, dem Buch voran gestellt, griff Guntram Vesper gleich zu Beginn der Veranstaltung auf, wohl wissend, auf welch sicher-unsicheres Terrain er, der nach Jahrzehnten literarisch mit Vehemenz Heimgekehrte, sich am Freitagabend begab: „Ich bin sicher, dass es 1000 Frohburg-Romane gibt. Ich habe meinen nur veröffentlicht.“ Ob er ihn hätte schreiben können, wäre er 1957, mit 16, nicht den Eltern in den Westen gefolgt? – Diese Frage von Claudius Nießen, der als Chef des Leipziger Literaturinstitutes den Abend moderierte, verneinte Vesper: Er habe Frohburg verlieren müssen, um die Stadt wiederzufinden. Für das Buch habe er, was Frohburg unmittelbar betreffe, folglich wenig Recherche betrieben: „Das ist ein Teil von mir.“

Den er teilte, zwei Stunden lesend, erzählend, wägend, vom Podium herab, und später in ungezählten individuellen Gesprächen. Er verstand es, Zweiflern plausibel zu machen, dass „Frohburg“ zweifellos Frohburg ist, gleichzeitig vor allem auch das: Literatur, ein Kosmos, der sich über Gräfenhainichen oder Duderstadt in einer ähnlichen Weise rundet.

„Er hat uns neugierig gemacht, das Buch zu lesen“, sagten Elke und Wolfgang Jurich aus Benndorf. Die Art zu erzählen – mit Rückblicken und Perspektivwechseln – sei interessant. Und deshalb keine leichte Abendlektüre, sondern anspruchsvoll, bestätigte Grit Kaube, ursprünglich Geithain, jetzt Crimmitschau: „Bisher kannte ich nur eine Leseprobe. Vespers Humor hat mich überrascht.“ Überrascht zeigte sich Wahl-Rodaerin Andrea Laschinsky darüber, „was hier alles passiert ist“, was der Autor zu erzählen wisse.

„Er ist ein anderer Jahrgang als ich. Für mich ist vieles Geschichte“, meinte Dirk Hennemann aus Frohburg und reihte sich nach der Lesung ein, den Roman signieren zu lassen. Von einem „Zeitdokument, das die Region zwischen Leipzig und Chemnitz erlebbar macht“, sprach Gastgeber Matthias Graichen. Bürgermeister Wolfgang Hiensch (BuW) nannte das Buch ein Meisterwerk, dessen Lektüre er erst am Abend zuvor vollendet habe.

Nicht an das Vergessen verlieren, was geschah, was gewesen ist. Zeugnis ablegen, so lange die Kraft reicht. Für Guntram Vesper eine spätestens in der Mitte des Lebens gereifte Erkenntnis, ja Verantwortung, weit vor dem Tod der Eltern – elementare Gesprächspartner, nicht nur, was Frohburg anging: „Wenn ich tot bin, ist plötzlich alles weg. Vor diesem Hintergrund habe ich versucht, eine Bestandsaufnahme zu machen.“ Inventur also in Frohburg, auch wenn Verleger Klaus Schöffling dem Roman nur gut 1000 Seiten erlaubte, mehrere Hundert weitere zurückstehen mussten nicht zuletzt der Beherrschbarkeit wegen für den Leser.

Die fünfte „Frohburg“-Auflage in Arbeit, werde es nach diesem Buch weitere gemeinsame Bücher geben, so ein angesichts des Erfolges und der herzlichen Aufnahme an der Wyhra erfreuter Verleger: „Wir treffen uns in Kürze und werden die Zukunft planen.“

Von Ekkehard Schulreich

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