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Überall Baustellen: Kohrener Land im Dornröschenschlaf

Überall Baustellen: Kohrener Land im Dornröschenschlaf

Kohren-Sahlis/Gnandstein. Wenn die Finger beider Hände reichen, um die Besucher eines ganzen Sommerferien-Tages im Märchengarten zu zählen, läuft etwas gewaltig schief: Nicht nur Petra Sporbert, die das Kinderparadies am Fuße der Gnandsteiner Burg betreibt, hadert mit der Vollsperrung der Ortsdurchfahrt zur besten Ausflugszeit.

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Sperrung und Baustelle Gnandstein - die Strassenschilder nach Gnandstein werden jetzt mit Mülltüten zugeklebt damit man sich ja nicht nach Gandstein verirrt - gesehen in Dolsenhain

Quelle: Jens Paul Taubert

. Besucherflaute herrscht ebenso im "Tonkrug" gegenüber, in Gotthardts Eiscafé, im Burgmuseum. Problematisch ist das Abgeschnittensein des Dorfes aus Richtung Westen gleichermaßen für Reißes Bäckerei und für Matthias Linder mit seinem Kohrener Landexpress. Durch Baustellen erheblich eingeschränkte Erreichbarkeit über viele Monate erleben die Gnandsteiner Unternehmer seit Jahren immer wieder. Sie wirtschaftlich zu überleben, wird immer schwerer.

"Die Leute kurven durch die Landschaft, und wenn sie uns endlich erreichen, dann sind sie genervt", sagt Petra Sporbert, die in sieben Jahren fünf Sperrungen erduldete: "So schlecht wie dieses Mal war die Feriensaison noch nie." Der Grund: Abwasserzweckverband Wyhratal und Versorgungsverband Grimma-Geithain erneuern in einem Teil der Kreisstraße Abwasserkanäle und Wasserleitungen. Die Kreisstraße aus Richtung Altmörbitz ist dicht.

Dass in Gnandstein kein Durchkommen ist, verkünden Schilder im gesamten Umkreis, etwa auf der alten B 95 (jetzt Staatsstraße 51), einer Haupteinflugschneise für Tagestouristen. Dabei gibt es für PKW-Fahrer durchaus Wege, um ohne große Mühe ans Ziel zu kommen, etwa über eine kleine Straße, die am Gnandsteiner Friedhof ein Stück in Richtung Wüstenhain. Sporbert: "Warum wird darauf nicht hingewiesen?" Selbst in Kohren-Sahlis, von wo aus Gnandstein wie gewohnt erreichbar ist, stehen wenig präzise Sackgassen-Schilder, die irritieren und abschrecken.

"Du kämpfst jedes Mal neu ums Überleben", fasst Hartmut Grunwald die Situation zusammen. Seit 20 Jahren betreibt der Gastronom das "Wirtshaus zum Tonkrug" und trägt Verantwortung auch für seine Mitarbeiter, die er über die umsatzschwachen Wintermonate bringen will. Dafür müsste es im Sommer brummen. Doch was brummt, sind Baumaschinen. Ohnehin habe das Kohrener Land als Ausflugsregion einen zunehmend schweren Stand, sagt Grunwald: "Das Neuseenland filtert viele Ausflügler raus, die früher zu uns gekommen sind." Was ihn besonders ärgert: Die Sperrschilder standen diesmal schon am Wochenende vor dem Baubeginn, was zusätzlichen Ausfall brachte.

Für Matthias Lindner, der mit seinem Express Besucher durch das Kohrener Land fährt, liegt allerhand im Argen. Das betreffe auch die Kommunikation. Lindner spricht von einer "großen Verunsicherung" - die wiederkehrenden Sperrungen seien da nur ein Detail, wenn auch ein gewichtiges.

"Man kriegt den Eindruck, dass ganz Gnandstein abgeschnitten ist. Dem ist aber nicht so", macht Annett Mäder von der Bäckerei Reiße deutlich. Einbußen beschere das Baugeschehen dennoch, denn der Durchgangsverkehr gen Altenburg fehle. Eine präzisere Ausschilderung würde den Autofahrern helfen, passable Wege ins Dorf zu finden.

"Wer fährt denn schon eine große Umleitung?", fragt Eiscafé-Inhaber Reiner Gotthardt: "Die Leute bleiben in der Gaststätte, die sie gut erreichen können." In Gnandstein dagegen sitze man wieder mal wie auf einer Insel, das sei eine Katastrophe. Außerdem: "Bei der enormen Hitze bleiben die Älteren ohnehin lieber zu Hause, und die Jungen zieht es ans Wasser." Und das finde sich inzwischen überall südlich von Leipzig. Gotthardts Fazit: "Die touristische Attraktivität des Südraums macht uns hier seit Längerem schon zu schaffen. Viele, die früher zu uns kamen, haben das Vergnügen doch heute vor der Haustür."

"Dass gebaut werden muss, ist zu verstehen. Ärgerlich aber ist, dass das genau in der Hauptsaison im August beginnt", sagt Regina Heinze vom Fremdenverkehrsverband Kohrener Land. Fehlen würden nun vor allem die Ausflügler aus Pahna und Altenburg. Das schlage sich nieder.

© Kommentar

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 07.08.2015
Ekkehard Schulreich

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