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Geithain Urgewalt tobt durch Wickershain
Region Geithain Urgewalt tobt durch Wickershain
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21:06 09.04.2018
Hochwasser in Wickershain am 8. Juni um 17.36 Uhr: Blick von Familie Schnabels Grundstück in Richtung Geithain. Quelle: Familie Schnabel

"Viele sagen aber, jetzt ist es viel schlimmer gewesen", erklärt Jürgen Schnabel. Er und seine Frau Margit erzählen, mit welcher Urgewalt das Wasser durch den Ort geschossen ist (die LVZ berichtete) und haben auch beeindruckende Fotos gemacht.

30 Jahre wohnt das Ehepaar in seinem Eigenheim und noch nie war Hochwasser ein Problem - am 8. Juni stand Schlammwasser 1,10 Meter in dem als Wohnbereich genutzten Keller. Nach 16 Uhr hatte plötzlich starker Hagel vermischt mit Regen eingesetzt. 16.50 Uhr kam eine erste Schlammlawine von den Feldern, kurz vor 17 Uhr trat die Eula über ihre Ufer und überflutete alles.

Margit Schnabel war gerade im Kellerbereich, als das Wasser die dortige Tür aufdrückte, mit einem Nachbarn versuchte sie, sich dagegenzustemmen, vergeblich. "Das war Horror." Bis zur Hüfte stand die 63-Jährige plötzlich im Wasser, ein großer dreitüriger Schrank krachte hinter ihr zusammen, sie konnte nicht mehr zurück. "Das Wasser rauschte, es war irre." Eine Treppe höher stand der fünfjährige Enkel Louie und rief: "Oma, ich hab Angst!" "Bleib oben!", beschworen ihn die Großeltern.

Jürgen Schnabel war gerade an der Garage und hatte das Auto im letzten Moment gerettet, der 64-Jährige riss ein Garagenfenster heraus, holte seine Frau und ermöglichte ihr mit Hilfe des Nachbarn den Weg ins Freie. "Wir wussten ja nicht, wie hoch es noch wird." Durch die Haustür, gelangte sie zum Enkel, schaltete auch den Strom ab.

Der Sohn aus Richtung Geithain kam, - genau wie alle anderen Helfer - schon kurz nach 17 Uhr nicht mehr durch: Die Dorfstraße war zu einem reißenden Fluss geworden, die Gaststätte zu einer Insel. Nach einer Stunde ging das Wasser langsam zurück, abends war die Dorfstraße wieder frei und die Wickershainer begannen aufzuräumen.

Fünf Stunden stand das Wasser in Schnabels Haus, vier Pumpen haben es herausbefördert. Bis nachts um 2 Uhr haben Margit und Jürgen Schnabel am Tag der Flut gearbeitet - mit Unterstützung vieler Helfer. Nicht nur der Sohn und seine künftige Frau sowie weitere Verwandte haben zugepackt, sondern auch Freunde, Nachbarn und sogar Fremde. Sonntag früh waren alle wieder da. Fünf Leute waschen immer noch Wäsche für Schnabels. "Wir hätten das nie erwartet, sind ganz gerührt und beeindruckt", erklären die beiden und bedanken sich bei allen Unterstützern.

Heizung, Waschmaschine und fast die komplette Einrichtung der unteren Wohnräume sind hin. "Wir haben noch Glück gehabt", sagt Jürgen Schnabel aber, der nun versucht, wenigstens ein paar der historischen Möbel zu restaurieren.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 19.06.2013

INGE ENGELHARDT

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