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Ute Dreßler webt zum Geithainer Stadtfest

Ute Dreßler webt zum Geithainer Stadtfest

Geithain. Ein Webstuhl steht zum Jubiläumsfest in Geithains Heimatmuseum. Die Geithainerin Ute Dreßler wird an ihm weben. Sie kennt jedes seiner Einzelteile, hat sie doch einst Handweberei in der PGH Kunsthandwerk in Kohren-Sahlis gelernt, später dort Muster entworfen.

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Tischdecken, Tischläufer, Platzdeckchen, Servietten, Kissenhüllen entstanden auf Leistung unter den geschickten Händen der PGH-Mitarbeiter, fast alles Frauen. Die Kohrener Handweberei war nicht so bekannt, wie die Töpferei. Doch DDR-Bürger schickten auch ihre Produkte gern als Geschenke in den Westen. Die PGH hatte insgesamt 24 Handwebstühle, davon einen für Muster und einen Lehrlingswebstuhl.

Auch Ute Dreßler hat dort Handweberin gelernt. Dann studierte sie Ingenieurin Textiltechnik/Designer in Reichenbach. Anschließend entwarf sie in der Kohrener Handweberei Muster, setzte sie um, bereitete den Webstuhl entsprechend vor, webte die ersten Entwürfe.

Es war ihr Traumberuf. „Ich denke, das ist mir auch ganz gut gelungen, das war ein sehr kreativer Job, ich hab ihn gern gemacht", blickt die heute 50-Jährige zurück. Sogar im Berliner Palast der Republik hat sie zu den Tagen des Bezirkes Leipzig einst gewebt. Zur 800-Jahr-Feier Geithains nahm sie mit einem Webstuhl am Festumzug teil.

Später bekam sie zwei Kinder, im August 1990 wurde die PGH aufgelöst. Ute Dreßler hat nach der Wende noch eine kaufmännische Ausbildung gemacht, ist derzeit arbeitssuchend. „Wir wollen ein Bild vom alten Handwerk an künftige Generationen vermitteln", ist der Geithainerin wichtig. Die Leineweber gehören zu Geithains Geschichte.

Ute Dreßler wusste, dass einer der über 100 Jahre alten Webstühle auf dem Boden des Geithainer Heimatmuseums lagert. Mit drei kräftigen Männern hat sie ihn heruntergeholt und aufgebaut. Das Bauzentrum Teichmann stellte ihr zeitweilig einen Raum zur Verfügung. Nach über 20 Jahren sitzt Ute Dreßler wieder am Webstuhl, als hätte es keine Pause gegeben. „Die Handgriffe sind wie eingebrannt, das ist meine Welt", sagt sie glücklich. Zwei geschärte Kettbäume waren mit eingelagert, das sind große Rollen mit den senkrechten Fäden für das Weben. Mit Hilfe des „Schützen", von manchem auch Weberschiffchen genannt, wird der Querfaden eingeschossen. Jedes Mal, wenn er die senkrechten Fäden passiert hat, zieht Ute Dreßler die Lade heran. Muster entstehen über vier Tritte, die mit den Füßen bedient werden. Je nach Breite, Muster und Garnstärke webt Ute Dreßler rund einen Meter Stoff pro Stunde. „Der Beruf ist anstrengend, aber auch sehr schön", sagt sie.

Ab 28. Mai bis Ende Juni wird der Handwebstuhl im Museum stehen. Ute Dreßler freut sich, dass er zum Jubiläumsfest Publikum hat. Ihr großer Wunsch: Dass sich dann ein geeigneter Raum findet, wo das alte Handwerk auch weiter gezeigt werden kann. Sogar gewebte Geithain-Souvenirs könnte sie sich vorstellen. Wer Interesse an der Handweberei hat, sich austauschen möchte beziehungsweise noch Zubehör oder Material zur Verfügung stellen könnte, kann über dressler.ute@t-online.de per E-Mail Kontakt aufnehmen.

Inge Engelhardt

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