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Versorgungsverband: Keine Entscheidung über Benutzungszwang und -befreiung

Versorgungsverband: Keine Entscheidung über Benutzungszwang und -befreiung

Braucht es eine präzisere Richtlinie oder vielmehr politisch neue, gar visionäre Weichenstellungen? Die Frage blieb am Mittwoch offen, als die Bürgermeister in der Runde des Versorgungsverbandes Grimma-Geithain über ein Papier diskutierten, das vom Anschluss- und Benutzerzwang des Trinkwassernetzes befreien soll.

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Grimma/Geithain. Der geplante Beschluss wurde abgesetzt. 

Sind die Anschlusskosten unvertretbar hoch oder wird das auf einem Grundstück benötigte Nass überwiegend als Brauchwasser verwendet, entfällt der Zwang, das Grundstück an das öffentliche Netz anzuschließen. So steht es im Entwurf einer Richtlinie, die die Verbandsversammlung gestern wider Erwarten nicht beschloss. Das Papier soll auch Wege ebnen, um den Nutzungszwang der Wasserleitung einzuschränken. Für jene etwa, die das Regenwasser auffangen und in Haus und Garten einsetzen. Oder andere, die über einen Brunnen verfügen, der zur Bewässerung des Gartens dient – um Beispiele zu nennen.

Für Matthias Berger (parteilos), den Grimmaer Oberbürgermeister, geht das Feilen an Richtlinien-Details am Kern vorbei. „Wir brauchen einen klaren Paradigmen-Wechsel", sagte er. Nur vier Prozent des aufwendig her- und bereitgestellten Trinkwassers würden für die Ernährung genutzt. Das jedenfalls hat der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft ermittelt. Andererseits gebe es immer mehr Initiativen – in Bernbruch etwa –, die vor Ort vollbiologisch gereinigtes Wasser als Brauchwasser in den Kreislauf zurückführen wollten statt in mehrfacher Hinsicht kostbares Trinkwasser zu vertun. „Die Zukunft liegt im Dezentralen", sagte Berger. Was heute auf dem Energiesektor praktiziert werde – die Bildung kleinteiligerer Strukturen der Erzeugung und des Verbrauchs –, das sei hinsichtlich des Schatzes Wasser in wenigen Jahren ebenso gang und gäbe. Darüber sei zu reden, und darüber werde in Grimma und den Ortsteilen zurzeit intensiv diskutiert.

Wasser, das vor Ort anfalle, auch dort zu nutzen, sei sinnvoll, pflichtete der Frohburger Bürgermeister Wolfgang Hiensch (BuW) bei. Es müsse aber sichergestellt sein, dass etwa für die Ernährung einwandfreies Wasser – Trinkwasser aus der Leitung eben – genutzt werde. Denn wer stehe dafür gerade, wenn minderwertiges Wasser gesundheitliche Schäden verursache?

Ordentliches Wasser zu haben, das aus dem Wasserhahn fließe, sei ein Luxus, für viele aber ein nicht hoch genug geschätztes Gut, sagte der Colditzer Bürgermeister Matthias Schmiedel (parteilos): „Wir sollten diesen Luxus nicht kleinreden. Niemand möchte mit Afrika tauschen." Man möge sich an doch die Anstrengungen vieler Dörfler erinnern, die vor wenigen Jahrzehnten Waserleitungen verlegten, um auf die anfälligen Brunnen endlich verzichten zu können.

Über wie viele Kunden, die sich dem Benutzerzwang verweigerten, rede man eigentlich, wollte der Bad Lausicker Bürgermeister Josef Eisenmann (CDU) wissen. Über vielleicht 100 „Nullverbräucher", sagte Verbandsgeschäftsführer Lutz Kunath. Ein Bruchteil angesichts der 22 000 Wasserzähler im Verbandsgebiet. Gegen einige dieser Verweigerer habe man bereits Ordnungsstrafen erwirkt. Kunath erläuterte die einer Befreiung zugrunde liegende Rechtslage: Mindestens ein Drittel des Bedarfs müsse ein Grundstückseigentümer aus der Leitung nehmen; das habe das Oberverwaltungsgericht in Bautzen entschieden. Daran komme man nicht vorbei. Vorschläge aus Bad Lausick, nicht nur die Nutzung von Regenwasser in Hof und Garten zu akzeptieren, sondern auch die eines Brunnens, hatte Kunath bereits im Richtlinien-Entwurf ergänzt.

Dafür hatte auch der Ebersbacher Andreas Steiner geworben. Hobby- und Kleintierhaltung und die Bewirtschaftung mehrerer Tausend Quadratmeter großer Gärten müssten Berücksichtigung finden: Anderenfalls „entsteht ein völlig falsches Bild des Trinkwasser-Verbrauchs auf dem Land". Wann die Richtlinie erneut Thema in der Verbandsversammlung ist, blieb offen.

Ekkehard Schulreich

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