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Viele Patienten in Geithain stehen ab Neujahr ohne Augenarzt da

Viele Patienten in Geithain stehen ab Neujahr ohne Augenarzt da


Geithain. 1800 Patienten in Geithain haben keinen Augenarzt mehr, wenn Dr. Barbara Wunderlich zum Jahresende in den Ruhestand geht.

. Bislang hat sie trotz intensiven Bemühens keinen Nachfolger für ihre gut gehende Praxis im Geithainer Ärztehaus gefunden. Dass andere Augenärzte sich mit um all diese Patienten kümmern könnten, wie die Kassenärztliche Vereinigung offensichtlich hofft, scheint ausgeschlossen. Die Übergabe ihrer Praxis an einen Nachfolger, der sich genauso engagiert um die Patienten kümmert wie sie – das ist der größte Wunsch der 72-jährigen Medizinerin. Seit rund 50 Jahren betreut sie Patienten, seit vier Jahrzehnten im Geithainer Ärztehaus. „Ich bin sehr gerne Ärztin, kann mir nichts anderes vorstellen und das Augenlicht ist das wichtigste Sinnesorgan des Menschen", begründet sie ihr Engagement.

Schon lange hat sie sich um einen Nachfolger bemüht, arbeitet seit anderthalb Jahren intensiv dafür. Sie schrieb zehn Leiter von Augenkliniken an, schaltete Anzeigen, bezog private Vermittler ein, machte Aushänge, suchte den Kontakt mit Fachkollegen, bat die Will GmbH des Landkreises um Hilfe. Patienten sammelten Unterschriften, allein 804 übersandten die Geithainer Werner Juhlemann und Margarete Schulz an die Kassenärztliche Vereinigung, auch Geithains Bürgermeisterin wollte sich dorthin wenden. Alle Bemühungen blieben bislang ohne Erfolg. Am 28. Dezember ist die letzte Sprechstunde in der Praxis, die beiden Sprechstundenhilfen haben sich bereits arbeitslos gemeldet. Wo die 1800 Patienten von Dr. Wunderlich künftig Hilfe erhalten, ist ungewiss.

„Da derzeit kein Arzt sein Interesse an der Praxisübernahme oder eine Anstellung bekundet hat, steht außer den bereits tätigen Augenärzten keine weiterer zur Verfügung", erklärt auf LVZ-Nachfrage Ingo Mohn, Pressesprecher der Landesgeschäftsstelle Sachsen der Kassenärztlichen Vereinigung (KV). Diese habe alle umliegenden Praxen über die Situation in Geithain informiert und um Mitteilung gebeten, ob und wie viele Patienten übernommen werden können. Mohn: „Das Ergebnis der Umfrage zeigt, dass entsprechend den bislang eingegangenen Rückmeldungen ein Großteil der Patienten von diesen Praxen versorgt werden können."

Das kann sich Dr. Thomas Arnold, der die Fäden im Geithainer Ärztehaus zusammenhält, schwer vorstellen. Die Augenarztpraxen in der Region seien schon jetzt an ihrer Leistungsgrenze. deshalb erwartet er große Probleme für die Geithainer Patienten, woanders unterzukommen. Besonders gefährlich werde die Situation dann für rund 600 Bürger mit grünem Star, die unbedingt regelmäßig betreut werden müssen, da sie sonst erblinden könnten. „Der Wegfall der Augenarztpraxis ist eine Katastrophe", so Arnold.

Dabei handele es sich um eine gut gehende Praxis als tragfähige Existenzgrundlage, schuldenfrei und mit Entwicklungspotenzial. Ein Augenarzt, der Dr. Wunderlichs Patienten künftig komplett betreuen würde, ohne gleichzeitig den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen – auch das wäre offensichtlich eine Variante. Ein Mediziner in Grimma wäre bereit, die Geithainer Praxis mit zu übernehmen und einen Facharzt oder einen Arzt in Weiterbildung für Geithain einzustellen. „Bei Anstellung eines Arztes würde auch die Zuweisung eines entsprechenden Regelleistungsvolumens erfolgen", sagt die Kassenärztliche Vereinigung auf LVZ-Nachfrage zu. Das heißt der betreffende Arzt könnte die Betreuung der Geithainer Patienten auch entsprechend abrechnen. Leider existiert dieser entsprechende Arzt noch nicht.

„Es ist wichtig, dass die Augenarztpraxis im Ärztehaus bleibt – für die Patienten, aber auch, damit die Gemeinschaft der verschiedenen Ärzte im Haus weiter besteht", betont Bürgermeisterin Romy Bauer. Noch hoffen alle auf ein Wunder, auf den erlösenden Anruf eines Interessenten. „Vielleicht kennt jemand einen Augenarzt, den er ansprechen könnte", fragt sich Dr. Arnold. 

Den Kontakt zu halten zu jungen Leuten aus der Stadt und Region, die Medizin studieren, erscheint ihm als einzige Lösung für die Zukunft der medizinischen Versorgung in der Region. Auch der Geithainer schwärmt geradezu von seinem Arbeitsplatz. „Hier gibt es überwiegend freundliche Patienten, die Arbeit als Arzt ist rundum angenehm." Er hebt die wunderschöne Landschaft hervor, die Geithain schon immer hat. Borna habe sich nun schon lange von der Braunkohle verabschiedet. Nicht zuletzt lobt er die Lage zwischen zwei schnell erreichbaren Großstädten mit guter Anbindung.

Inge Engelhardt

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