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Vier Familien gründen Verein, um Prießnitzer Bauernrathaus zu retten

Frohburg Vier Familien gründen Verein, um Prießnitzer Bauernrathaus zu retten

Das 300 Jahre alte Prießnitzer Bauernrathaus sollte nicht in private Hand und damit unter Verschluss gelangen: Dafür setzt sich ein neu gegründeter Verein ein. Er möchte den einzigartigen Fachwerkbau für das Dorf erhalten und befindet sich in Gesprächen mit der Stadt Frohburg. Zum Denkmal-Tag im September will er Einblicke geben.

Ein neu gegründeter Verein möchte dem Prießnitzer Bauernrathaus jetzt eine Zukunft geben.

Quelle: Jens Paul Taubert

Frohburg/Prießnitz. Mehr als 300 Jahre alt ist das Bauernrathaus in Prießnitz. Doch seine historische Funktion hat das 1712 errichtete Umgebindehaus längst verloren. Seine Zukunft ist offen. Ein neu gegründeter Verein möchte nun für das kulturgeschichtlich wertvolle wie dorfbildprägende Bauwerk eine gesicherte Perspektive aufzeigen. Der Eigentümer Stadt Frohburg ist entschlossen, sich von der denkmalgeschützten Immobilie zu trennen, da sie keine öffentliche Verwendung dafür hat und deshalb für den Erhalt kein Geld erübrigen kann.

Die Verkaufsabsicht, in Prießnitz kontrovers diskutiert, rief jene auf den Plan, die sich für eine Sicherung des einzigartigen Fachwerkbaus für die Dorfgemeinschaft engagieren wollen. Letztlich waren es vier Familien, die den Verein Prießnitzer Bauernrathaus gründeten; ein Verein, der im Frühsommer eingetragen wurde. Zum Tag des offenen Denkmals am 11. September will er erstmals in die Öffentlichkeit treten, in das Bauernrathaus einladen und über seine Konzeptideen informieren.

„Wir haben uns gesagt: Lasst uns darüber nachdenken, wie wir unser Rathaus für das Dorf erhalten können“, spricht Jessica Böttcher-Ebers, die Vereinsvorsitzende, über die Intentionen. Über Jahrzehnte und Jahrhunderte war das Gebäude, nahe der Zufahrt zu Schloss und Rittergut gelegen, eine wesentliche Adresse für das Dorf. Zuletzt wurde die markante Bohlenstube im Erdgeschoss unter anderem für Veranstaltungen genutzt; das Obergeschoss ist vermietet. Frohburgs Bürgermeister Wolfgang Hiensch (BuW) hatte im Herbst vergangenen Jahres erneut klargestellt, dass sich die Stadt bei der Sanierung der umfangreichen Denkmalsubstanz in der Kernstadt und den Ortsteilen zwangsläufig konzentrieren müsse. Gerade Prießnitz sei seit Jahren schon Profiteur dieses Engagements und werde es auch in den nächsten Jahren sein; mehrere Millionen Euro an Förderung und Eigenkapital investiert Frohburg in die Wiederherstellung und Wiederbelegung von Rittergutskomplex und Schloss. „Dass die Stadt finanziell nicht in der Lage ist, angesichts dessen auch noch das Bauernrathaus zu erhalten, leuchtet ein“, sagt Böttcher-Ebers. Man müsse die im Dorf laufenden Investitionen zweifelsohne im Kontext mit dem Bedarf der anderen Dörfer sehen. Umso wichtiger sei das private Engagement unter dem Dach des Vereins.

Die Priorität lautet: Das Haus erhalten und wieder für Veranstaltungen, Feiern, Ausstellungen (…) öffnen. „Zu diesem Ziel zu kommen, gibt es verschiedene Optionen“, so die Vereinsvorsitzende. Man befinde sich darüber in Gesprächen mit der Stadt und wolle denen nicht vorgreifen. An dem bestehenden Mietverhältnis werde sich nichts ändern. Der Verein erarbeite ein Nutzungskonzept und schaue sich an, was im und am Haus am dringlichsten gemacht werden müsse. Um künftig wieder Veranstaltungen durchführen zu könne, müsse man zum Beispiel in die Küche und den Sanitärbereich investieren. Sei die Eigentumsfrage geklärt, gehe es um die Sicherung der Bausubstanz: „Es gibt einen Sanierungsstau, so viel scheint klar.“ Über Konzeptideen möchten die Mitglieder des Vereins am Denkmal-Tag mit allen Interessierten sprechen und möchten ihnen das Kleinod bäuerlicher Architektur und Kultur zeigen. Interessiert ist der Verein an alten Fotografien und Ansichten des Rathauses. Er bittet darum, solche Bilder leihweise zur Verfügung zu stellen.

Der Frohburger Stadtrat hatte im vergangenen Jahr bei zwei Enthaltungen einen Grundsatzbescheid zum Verkauf des Prießnitzer Bauernrathauses getroffen. Im Gespräch war die Veräußerung damals schon einige Zeit. Der Heimatverein Prießnitz/Trebishain, rühriger Betreiber des Museums im Rittergut, hatte es abgelehnt, auch noch die Regie über dieses Gebäude zu übernehmen. Dafür, so hieß es, reichten die Kräfte nicht; man konzentriere sich auf die eigene Sammlung, die selbst eine Sisyphos-Arbeit sei.

Von Ekkehard Schulreich

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