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Vierstimmiger Männerchor Germania Benndorf: Fast 100 und in bester Verfassung

Frohburg Vierstimmiger Männerchor Germania Benndorf: Fast 100 und in bester Verfassung

Fast Hundert und kein bisschen leise: Der vierstimmige Männerchor Germania Benndorf trotzt dem allgemeinen Trend, dass der Chorgesang immer weniger Mitstreiter findet. 20 aktive Sänger, die bis auf einen alle in dem 400-Seelen-Dorf zu Hause sind, ist zweifelsohne bemerkenswert.

Der Benndorfer Chor stand kürzlich beim „Singenden Südraum“ im Stadtkulturhaus Borna auf der Bühne.

Quelle: Picasa

Frohburg/Benndorf. Fast Hundert und kein bisschen leise: Der vierstimmige Männerchor Germania Benndorf trotzt dem allgemeinen Trend, dass der Chorgesang immer weniger Mitstreiter findet. 20 aktive Sänger, die bis auf einen alle in dem 400-Seelen-Dorf zu Hause sind, ist zweifelsohne bemerkenswert. Einmal in der Woche, und zwar donnerstags, 20 Uhr, wird im Gemeindezentrum geprobt. „Immer zwei Stunden. Da ziehen wir richtig durch“, sagt Eric Holzhausen, Vorstandsmitglied und mit 32 Jahren der jüngste in der Runde. Dass er zu Germania stieß, war familiär vorgezeichnet; auch andere Familien sind über Generationen hinweg schon sängerisch aktiv. Schließlich gibt es den Chor seit 1921, seit 96 Jahren also. Und er gefällt sich nicht nur im miteinander Singen, sondern richtet Jahr für Jahr zahlreiche Konzerte aus oder beteiligt sich an Veranstaltungen zum Teil weit über Benndorf und Frohburg hinaus.

„Fußballspielen konnte und wollte ich nicht. Eine Feuerwehr gibt es schon lange nicht mehr im Dorf. Da blieb nur noch der Chor“, flachst Eberhard Kulpe. Singen verbinde, sei ein Stück Kultur und Tradition, und „das ist was, das das Leben in so einem kleinen Ort ein bisschen pulsieren lässt“. Dagobert von Diemar, der den Verein leitet, kann das nur unterstützen: „Wir freuen uns, dass wir gemeinsam singen können und dass wir ein so agiles Ensemble sind.“ Ein Ensemble, das die Gestandenen und Jüngere gleichermaßen vereine – vom 32. Lebensjahr bis zum 86., das Oskar Jürke Ende April vollendet.

Jahrzehnte von Rolf Zetzsche künstlerisch betreut, danach unter anderem von Steffi Gerber (Frauenchor Kitzscher), drohte die Benndorfer Tradition vor zwei Jahren plötzlich abzubrechen – nicht mangels Personal, sondern mangels Chorleitung. Sehr froh waren die Benndorfer, als sie in dieser Situation Jörg Burghardt gewinnen konnten. Der leitete unter anderem den Leipziger Polizeichor und den Frauenchor Kitzscher; neben Germania kümmert er sich aktuell um den deutlich größeren Volkschor Eilenburg. „Ein Chor ist nicht nur dafür da, im stillen Kämmerlein zu proben“, lautet seine Maxime: Ein Chor braucht Publikum.

So waren die Benndorfer kürzlich beim „Singenden Südraum“ in Borna zu erleben. Beim Konzert mehrerer Frohburger Chöre in der Michaeliskirche am 5. Mai sind sie dabei, ebenso beim Tag des Liedes, der am 18. Juni auf der „Schmetterling“-Bühne im Bad Lausicker Kurpark gefeiert wird, und beim Passagen-Singen am 23. September in der Leipziger Innenstadt. Wenn am 1. Juli kreisweit zur Nacht der offenen Dorfkirche geladen wird, lädt der Verein in die Benndorfer Kirche ein. Dass sie ein ganz besonderer Konzert-Ort ist, wurde deutlich beim Singen zur 800-Jahr-Feier anno 2016. „Da war unsere Kirche viel zu klein, konnte gar nicht alle fassen, die zuhören wollten“, erinnert sich Kulpe. Im Rahmen des Benndorfer Parkfestes am 2. September soll das Konzert deshalb eine Neuauflage erfahren. Und das sind nicht einmal alle Termine.

Der nächst liegende ist das Maibaumsetzen diesmal am 28. April, das der Verein seit vielen Jahren organisiert und zu dem erfahrungsgemäß 250 bis 300 Besucher kommen. Am Pfingstmontag ist Germania im benachbarten Wyhra zu Gast, um an der Neuholländermühle gemeinsam mit dem Männerchor Zedtlitz zu singen – der aufgrund Überalterung am Ende seiner Vereinsgeschichte angekommen zu sein scheint.

Die Benndorfer schätzten sich glücklich, dass sie in besserer Verfassung seien, sagt Rudolf Müller, mit 52 Jahren Zugehörigkeit einer der dienstältesten Sänger. Und derjenige, der mit der Historie des Ensembles bestens vertraut ist. Die Wurzeln gemeinsamer kultureller Betätigung der Benndorfer reichen nämlich zurück bis 1854 (!), als sich ein Theaterverein konstituierte, aus dem nach dem Ersten Weltkrieg Germania hervorging.

Von Ekkehard Schulreich

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