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Vollbiologie: Thierbaumer müssen eigene Investitionspläne begraben

Vollbiologie: Thierbaumer müssen eigene Investitionspläne begraben

Eine vollbiologische Abwasser-Reinigung für (fast) das gesamte Dorf, und das unabhängig vom Versorgungsverband Grimma-Geithain: Dieser Traum, den viele Thierbaumer träumten, ist seit Montagabend ausgeträumt.

Die Thierbaumer Entscheidung wird im Bad Lausicker Rathaus bedauert.

Quelle: Jens Paul Taubert

Thierbaum. Angesichts der gesunkenen Zahl derer, die sich beteiligen möchten, vor allem aber wegen der Kostenentwicklung zog der Ortschaftsrat die Reißleine.

Die Sache, an der die Thierbaumer seit mindestens zwei Jahren tüfteln, war weit gediehen: Am Mittwoch hätte sich der Verwaltungsrat des Versorgungsverbandes Grimma-Geithain mit dem Antrag des Bad Lausicker Ortsteiles beschäftigen sollen, den Verband zu verlassen. Die Thierbaumer wollten, wenn sie schon zur Umstellung der Abwasserreinigung auf Vollbiologie bis Ende 2012 gezwungen würden, selber handeln. Eine gemeinschaftliche Anlage für beinahe alle Grundstücke des Dorfes sollte es sein, selbst gebaut und durch ein Fachunternehmen betrieben, unabhängig von der Gebührenpolitik des Verbandes. Planungen gab es, die Stadt Bad Lausick wäre bereit gewesen, ein Grundstück für die Anlage zur Verfügung zu stellen. Doch daraus wird nun nichts.

„Wir haben aufgegeben", sagte Ortsvorsteher Gerhard Köpping mit Blick auf die Sitzung des Gremiums, bei der das Für und Wider ausgiebig diskutiert worden war. 26 Grundstückseigentümer hatten sich verbindlich bereit erklärt, sich zu beteiligen, drei weniger als bei einer Befragung vor anderthalb Jahren. „Drei Mann sind bei einem so kleinen Ort wie dem unseren sehr viel", sagt Köpping. 5500 bis 6500 Euro hätte jeden Anschlussnehmer das Vorhaben gekostet. Schlössen sich andererseits drei Familien zusammen und bauten eine Gruppenanlage, stünden dem nur rund 6000 Euro gegenüber - geteilt durch drei. Der Grund: Privatleute erhalten eine Förderung, die Dorfgemeinschaft, die eine Anlage für mehr als 50 Einwohner baut, aber nicht. „Ohne Förderung ist für ein kleines Dorf eine eigenständige Anlage nicht zu finanzieren", so Köppings Fazit.

„Der Haken ist, dass der Freistaat solche Anlagen wie in Thierbaum nicht will", bestätigt der Bad Lausicker Bürgermeister Josef Eisenmann. Der Versorgungsverband seinerseits könne auf Förderung zurückgreifen, und er könne seine Investitionen zudem über die Grundgebühr, die alle zahlten, refinanzieren. Dass Thierbaum von seinem ambitionierten Vorhaben Abstand nehme, sei „wirklich schade". Auf andere Ortsteile sei das Modell nicht übertragbar gewesen. In Glasten etwa überlege man, eine Verbandsanlage für die Anlieger von Schönbacher und Lausicker Straße zu errichten.

Für die Thierbaumer Grundstückseigentümer ist nun zu entscheiden, ob sie ihre Klärgrube auf dem Hof erneuern oder ob sich mehrere Nachbarn zum Bau einer gemeinschaftlichen Anlage entschließen. Dafür können sie zwar auf Fördermittel hoffen, haben aber jährliche Betriebskosten, die deutlich höher liegen dürften als bei einer autarken Dorfkläranlage, und verbleiben in den Gebührenstrukturen des Verbandes. Die Verunsicherung vieler sei zuletzt hoch gewesen, konstatiert Gerhard Köpping: „Wir mussten einen Schlussstrich ziehen. Lieber so als anders."

Ekkehard Schulreich

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