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Geithain Vom Kanarienvogel zum Kaninchen: Bad Lausicker züchten seit 120 Jahren Tiere
Region Geithain Vom Kanarienvogel zum Kaninchen: Bad Lausicker züchten seit 120 Jahren Tiere
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18:08 15.02.2017
Jessica Hähle (r.) mit ihrem zwergwidder, der von Mercedes Brauße gestreichelt wird. Quelle: Jens Paul Taubert
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Bad Lausick

Mit – wohlgemerkt – Kanarien begann vor 120 Jahren die Geschichte des Kaninchenzüchtervereins Bad Lausick. Kaninchen rückten erst sechs Jahre später im Vereinsstatut an die Seite der exotischen Vögel. Der 1896 gegründete Verein begeht am Wochenende 18./19. Februar ein Doppel-Jubiläum: Die 50. Rassekaninchenschau ist zugleich die etwas verspätete Geburtstagsparty - und das größte Geschenk an die Züchter, denn: Nicht nur die Rassegeflügelzüchter sind in der Ausstellungssaison 2016/17 wegen Tierseuchen gehandicapt. Der Virus RHD2 bringt auch Kaninchenzüchter in die Bredouille.

„Wir können mehr als 400 Tiere zeigen. Das ist hervorragend und sogar leicht über unserem Durchschnitt“, freut sich Inka Hähle, die den Bad Lausicker Verein seit drei Jahren leitet. 69 Züchter aus der Leipziger Region und dem Muldental, aus Ostthüringen und aus Sachsen-Anhalt zeigen in der Grundschul-Turnhalle im Neubaugebiet ihre schönsten Tiere. Die Bad Lausicker Schau zählt traditionell zu den letzten in der Region. Der hohe Zuspruch liegt gewiss auch darin begründet, dass einige Vereine virusbedingt ihre Ausstellungen hatten ausfallen lassen müssen. „Die Züchter kommen gern zu uns, um Tiere zu verkaufen, dieses Jahr bestimmt noch intensiver als sonst.“

19 Mitglieder, unter ihnen drei Jugendliche, zählt der Bad Lausicker Verein aktuell. In seinen besten Zeiten in den zwanziger Jahren waren es mehr als zehnmal so viele, und auch in den Jahrzehnten der DDR war die Kaninchenzucht deutlich stärker ausgeprägt. Lediglich zwei der Züchter sind noch in Bad Lausick zu Hause, Roland Kreißig und Wolfgang Hecht. Letzterer stand 18 Jahre an der Vereinsspitze, ehe er im Sinne des Generationswechsels die Verantwortung an Inka Hähle übergab. „Ich bin mit 84 gewissermaßen der Oldtimer“, sagt Hecht und lacht. Nicht in der Jugendzeit wie viele andere, erst in der Mitte des Lebens kam er zur Kaninchenzucht, spezialisierte sich auf Kalifornier. Heute gibt es im Verein eine große Vielfalt an Rassen und Farbenschlägen, die sich auch auf der 50. Schau widerspiegeln wird.

Vereinsgeschichte

1896 gegründet „zum Schutz der Vögel im Allgemeinen sowie zur Förderung der Zucht der Kanarienvögel im Besonderen“.

1902 wird protokolliert, dass einige Kanarienzüchter auch Kaninchen halten. Die Satzung wird ergänzt.

1919 hat der Verein rund 200 Mitglieder. Die Fleischerzeugung rückt in den Vordergrund.

Nach 1945 fasste die Angorazucht Raum, denn die Wolle war begehrt. Es gab es Pelznähgruppe.

1959 zählte die Bezirksschau mehr als 800 Tiere Nach der Wende formierte sich der Verein neu. Mitglieder sind seither auf zahlreichen Schauen deutschland- und europaweit erfolgreich.

Eine der Bad Lausicker Ausstellungen gab vor Jahren den Ausschlag dafür, dass Inka Hähle überhaupt den Weg zur Zucht fand. Jessica, die Tochter der Hopfgartenerin, hatte als Siebenjährige bei der Tombola einen Zwergwidder gewonnen. Der sollte nicht allein bleiben in seinem Stall. Die Familie begann sich mit Kaninchen zu beschäftigen, entdeckte die Zucht im Bad Lausicker verein als attraktives Hobby für sich. Ein Beispiel, das - wenn man so sagen darf - alte Hasen wie Wolfgang Hecht freut: „Ist unser Verein auch relativ klein, mit drei Jugendzüchtern haben wir einen sehr guten Durchschnitt.“ Deshalb ist es ihm um die Zukunft der Zucht, mancher Widrigkeit zu Trotz, nicht bange, zumal der Bad Lausicker Verein weit über die Grenzen der Stadt hinaus strahlt und Mitstreiter um sich schart. Und die braucht es auch, wenn es gilt, die alljährliche Schau zu gestalten. Seit die Stadt die alte Halle an der Oberschule abreißen ließ, war der Verein mit seiner Ausstellung in Tautenhain und Flößberg auf Wanderschaft, ehe er schließlich - wie die Rassegeflügelzüchter auch - in der Grundschulhalle das passende neue Domizil fand. „Hier sind wir jetzt zum zweiten Mal. Die Bedingungen stimmen“, sagt Inka Hähle. Ein großes Plus: Da die Besucher ihre Autos auf dem Schulhof abstellten dürfen, gibt es keine Parkplatz-Not.

Die Ausstellung in der Halle im Bad Lausicker Neubaugebiet ist am 18. Februar von 9 bis 17 Uhr und am 19. Februar von 9 bis 14 Uhr geöffnet. Die Züchterfrauen sorgen für das leibliche Wohl der Gäste. Es gibt eine Tombola und einen Verkauf von Zuchttieren.

Von Ekkehard Schulreich

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