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Geithain Von Bad Lausick zum Rochlitzer Gymnasium nur noch mit Umsteigen
Region Geithain Von Bad Lausick zum Rochlitzer Gymnasium nur noch mit Umsteigen
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14:09 19.07.2012
Bad Lausicker Gymnasiasten, die nach Rochlitz fahren, müssen sich nach dem Sommer umstellen. Quelle: Ekkehard Schulreich
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Bad Lausick

Sie sollen zwischen Bad Lausick und Geithain den Zug und dann den Linienbus benutzen. Erfahren haben das die Eltern der rund 30 betroffenen Mädchen und Jungen offiziell nicht – erst am Mittwoch trafen die ersten Bescheide ein. Das allerdings verstärkt ihre Befürchtungen und formiert den Protest.

„Das Rochlitzer Gymnasium hat in den vergangenen Jahren Werbung damit gemacht, dass es eine direkte Busverbindung aus unserem Landkreis gibt", sagt Thomas Schacht. Nach dem Sommer sei das aber offenbar nicht mehr der Fall. Statt dessen müssten die Schüler aus Bad Lausick – Tochter Vanessa Kirschnik besucht dann die 7. Klasse – mit dem Zug fahren und in Geithain umsteigen. „Dieses Umsteigen ist für uns der Knackpunkt", sagt Schacht. Zum anderen wüssten die Eltern nicht, ob sich in Rochlitz bis zur Abfahrt der Busse ein Pädagoge um die Sprösslinge kümmere.

„Rochlitz hat massiv um uns geworben, und jetzt lassen sie uns hängen", formuliert es Frank Dathe, dessen Kinder Paula und Jonas betroffen sind, und das Gros der 30 betroffenen Familien aus Bad Lausick, Glasten, Etzoldshain, Ballendorf sieht es offenbar ebenso. Mit dem Gymnasium selbst sei man sehr zufrieden, doch der Schulweg habe bisher mitunter schon bis zu 90 Minuten pro Strecke betragen. Schon dieser Zustand sei unhaltbar. Und jetzt müsse man befürchten, dass es den Kindern noch schwerer gemacht werde, das Gymnasium zu erreichen.

„Wir sind der Ansicht, dass Einsparungen auf dem Gebiet der Schulpolitik sich zu ungunsten unserer Kinder auswirken. Unsere Kinder sind bereits jetzt durch die Ausdünnung des Schulnetzes in Sachsen benachteiligt und dürfen nicht noch durch schlechte Schülerbeförderungsbedingungen bestraft werden", heißt es in einem geharnischten Brief, den Bad Lausicker Eltern an den Landkreis Mittelsachsen, an den Verkehrsverbund Mittelsachsen und an das Rochlitzer Gymnasium schickten. Sie fordern klare Aussagen, wie der Transport künftig abgewickelt werden soll. Und sie äußern Bedenken: überfüllte Züge, Warten bei Wind und Wetter auf dem Geithainer Bahnhof. Was die Eltern vor allem erbose, sagt Frank Dathe, sei die fehlende Kommunikation: „Man muss doch wenigstens im Vorfeld mit uns reden."

Am vorvorletzten Schultag trafen die ersten Bescheide in Bad Lausick ein. „Die Kosten für die direkten Busse sind deutlich höher als die Nutzung des vorhandenen ÖPNV", sagt Silke Dinger, Sprecherin des Verkehrsverbundes Mittelsachsen (VMS). Der Verband organisiert im Auftrag des Landkreises den Schülertransport. Für den Kreis bestehe „ein Kostendruck, so dass eine finanzierbare und praktikable Lösung gefunden wurde". Die so aussieht: Schüler aus dem Stadtgebiet Bad Lausick fahren mit dem Zug nach Geithain. Dort steigen sie um in den Linienverkehr nach Rochlitz. Schüler aus den Bad Lausicker Ortsteilen werden mit dem Bus bis Geithain gebracht. Alle erhalten eine Schülerverbundkarte, die im gesamten VMS-Gebiet gültig ist; Zugfahrer zudem ein Zwei-Zonen-MDV-Ticket. „Diese Tickets können auch in der Freizeit genutzt werden", so Dinger.

„Wir als Schule sind erst mal froh, dass eine Lösung gefunden wurde, noch dazu zu den bisherigen finanziellen Bedingungen", sagt Gymnasiumsleiter Dr. Thomas Lohmann. Die Busse zwischen dem Geithainer Bahnhof und der Schule verkehrten zuverlässig; Verstärkerbusse würden eingesetzt: „Kommt es zu Zugverspätungen, wartet der Bus." Die Abfahrtszeiten am Nachmittag seien auf das Unterrichtsende abgestimmt. „Wir betreuen die Schüler so lange in der Schule, bis der erste Bus zurückfährt. Das ist bei uns Standard", so Lohmann.

Die Eltern überzeugt das, was sie bisher erfuhren, keineswegs: „Wir fordern eine verbindliche Aussage, auf welcher Basis die Schülerbeförderung im neuen und den folgenden Schuljahren erfolgen soll." Denn es könne niemand ernsthaft wollen, sagt Frank Dathe, dass die Kurstadt-Gymnasiasten – die sich wegen der Schließung des Bad Lausicker Friedrich-Schiller-Gymnasiums schon einmal in der Bredouille sahen, erneut die Bildungseinrichtung wechselten, weil der Transport unzulänglich sei.

Ekkehard Schulreich

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