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Von der Kunst des Bügelns erzählt neue Sonderschau im Bad Lausicker Museum

Kur- und Stadtmuseum Von der Kunst des Bügelns erzählt neue Sonderschau im Bad Lausicker Museum

Noch gar nicht so lange her ist es, da war Bügeln eine Kunst und eine Knochenarbeit. Davon erzählt die neue Sonderausstellung im Bad Lausicker Kur- und Stadtmuseum, die am 21. September eröffnet wird. Sammler Wolfgang Hecht hat dafür tief in seinen Fundus gegriffen – und er geht weit in die Geschichte zurück.

Wenn die Hose eine scharfe Bügelfalte brauchte, kam in den Siebzigerjahren dieses Gerät zum Einsatz.

Quelle: Jens Paul Taubert

Bad Lausick. Plätten sagen die einen, bügeln sagen andere. Sie meinen dasselbe – und dennoch eine Tätigkeit, die so viele Facetten wie Werkzeuge hat. Einblicke in die vermutlich mehr als 2000 Jahre alte Geschichte des Gewebe-Glättens gibt eine neue Sonderausstellung im Kur- und Stadtmuseum Bad Lausick. Eröffnet wird sie am 21. September und vereint – nicht nur im Erdgeschoss, sondern auch im ersten Stock – bis zum 6. November rund 280 Exponate. Der Sammler und Experte Wolfgang Hecht aus Zschortau ist zur Vernissage am Eröffnungstag, 19 Uhr, zugegen. Und wird manch Interessantes zu erzählen wissen, was selbst jene, die im Umgang mit dem Bügeleisen (noch) versiert sind, zum Staunen bringt.

Vom Glättstein anno 1740, der eher an einen Handschmeichler aus exotischen Fernen denken lässt, über diverse Formen der Kohle- und Spiritus-Bügeleisen bis hin zu jenen mit Dampfbetrieb – auch hier liegen Welten zwischen den Exponaten – spannt Hecht den Bogen. Er erzählt, da die Exponate mit aufschlussreichen Informationen versehen sind, rund 300 Jahre Bügel-Geschichte, die es in sich hat. Dabei hatte der Mann in den vier Jahrzehnten seines Berufslebens kaum mit Eisen zu tun: Im Leichtmetallwerk Rackwitz war er in der Abteilung Forschung und Entwicklung beschäftigt. Um faltenfreie gestärkte Hemdbrüste ging es dort nicht.

Seine Begeisterung für die kulturhistorisch so aufschlussreichen alten Eisen weckte 1968 der Fund auf einem Schrottplatz: ein Well- oder Delfin-Eisen; die markante Schwanzflosse war zum Griff ausgeformt. Objekt Nummer zwei ließ nicht lange auf sich warten: ein Dampfbügeleisen, „eines der ersten seiner Art“. Ein westdeutsches Produkt; der Wassertank und das per Strom erhitzte Eisen wurden einfach aneinander geklemmt – fertig war die Neuheit, die textilschonendes Bügeln ermöglichte. Dampfbügeleisen in einem etwas anderen Sinn gab es aber auch schon ein halbes Jahrhundert zuvor. Hecht zeigt eines, das um 1900 in einer Wäscherei eingesetzt wurde. Da es dort aufgrund der Turbine ausreichend Dampf gab, wurde der mittels Schläuchen durch das Gerät hindurchgeleitet.

„Bügeln war harte Arbeit, und es war eine Kunst“, sagt der 69-Jährige. Im 18. Jahrhundert habe allein der Reibungsdruck der Glättsteine – in der Schau ist auch ein sehenswertes Exemplar aus Glas zu sehen – die Wäsche in Form gebracht. Später habe die durch glühende Kohlen erzeugte Hitze ein hohes Maß an Professionalität erfordert. Brandlöcher oder Ruß aus jenen mit kleinem Schornstein versehenen Exponaten konnten, hatte die Büglerin Pech, den Erfolg eines langen Waschtages egalisieren.

Wer die Bad Lausicker Ausstellung durchstreift und sich in die gut aufbereitete Materie vertieft, wird dafür wohl einige Zeit benötigen. Dabei hat sich Hecht, der auch Gerätschaften wie Bügelkissen und -bretter sowie Mangeln zeigt, bei der Auswahl ausgesprochen konzentriert. Zu Hause, wo er Freunde und Bekannte gern durch sein privates Museum führt, reihen sich die Eisen dicht an dicht. Wie viele er besitzt? „Bei 2000 habe ich aufgehört zu zählen“, sagt er. Endgültig abgeschlossen sei die Sammelei bei allem Bemühen um Vernunft natürlich nicht: „Manchmal sehe ich auf Märkten doch noch etwas, was ich nicht habe...“ Allerdings – und das bremst ihn – sei offen, was später einmal aus seiner großen Sammlung werde. Aus der Familie stehe keiner bereit, diese Leidenschaft fortzuführen.

Von Ekkehard Schulreich

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