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Geithain Wahl-Bad Lausicker Viktor Vetter lebt für seine Chöre und die Musik
Region Geithain Wahl-Bad Lausicker Viktor Vetter lebt für seine Chöre und die Musik
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14:04 20.03.2012
Viktor Vetter hat am selben Tag wie Johann Sebastian Bach Geburtstag: am 21. März. Quelle: Ekkehard Schulreich
Bad Lausick

„Ich habe in Deutschland viel mehr erreicht als in Russland. Wirklich entfalten konnte ich mich erst hier", sagt der Mann mit deutschen Wurzeln, der gemeinsam mit Frau und drei Kindern und seinen Eltern 1994 Moskau verließ, um im Land seiner Ahnen eine Heimat zu finden, auch eine künstlerische.

„Als ich ankam, habe ich zuerst Sprachkurse besucht. Da konnte ich mir noch gar keine Arbeit suchen", blickt Vetter auf das Jahr 1995 zurück, als er in Bad Lausick Fuß zu fassen begann. Der Gemischte Chor Neukieritzsch, auf der Suche nach einem versierten künstlerischen Leiter, hatte in der Zeitung eine Konzert-Rezension gelesen und fragte an, ob Vetter nicht zur Verfügung stünde. „Ich habe gezögert, denn dieses Feld war mir neu. Aber dann habe ich mitgelernt. Wir sind gemeinsam gewachsen."

Viktor Vetter hatte am renommierten Moskauer Konservatorium studiert, später dann an der pädagogischen Hochschule und an einer Musikschule Klavier unterrichtet. Das Klavier baute eine Brücke zu einer neuen Existenz in Deutschland: Zwei Jahre arbeitete er beim namhaften Klavierhersteller Blüthner und machte sich später selbstständig: als Klavierstimmer, als Pädagoge. Nach einem Fernstudium an der Hochschule für Kirchenmusik in Dresden konnte er zudem eine Teilzeit-Stelle als Kantor in Pomßen übernehmen. Parallel dazu wuchs das Engagement für die Chöre: den Neukieritzscher, den Männerchor Bad Lausick, den Kirchenchor Gerichshain/Althen, über ein kleines Honorar abgeholten, im Grunde halb ehrenamtlich. „Diese Arbeit ist mir auch menschlich sehr wichtig", sagt er. Und bedauert, dass der gemeinsame Gesang nur noch geringen Stellenwert hat: „Früher, da kamen die Kinder und Enkel der Sänger ganz selbstverständlich mit in den Chor. Doch das funktioniert nicht mehr."

Dass Viktor Vetter am selben Tag wie Altmeister Johann Sebastian Bach Geburtstag hat, das wurde ihm erst in Deutschland bewusst: „Als wir nach Leipzig kamen und uns intensiv mit der Musiktradition zu befassen begannen." Vergleichen möchte er sich mit dem Thomaskantor nicht im Mindesten. Seine kompositorische Arbeit beschränke sich auf das Schreiben von Chorsätzen für seine Ensembles. Nur manchmal, da jucke es ihm in den Fingern, und er schreibe Eigenes: „Lustige Stücke, nichts zum Veröffentlichen." Parodien auf bekannte Werke oder Variationen auf den Flohwalzer. „Zum Neujahrsempfang in Neukieritzsch ist das gut angekommen", sagt er.

Dass die Familie längst Wurzeln schlagen konnte in der Region, daran hat auch seine Frau Christine Anteil. Sie ist schon zwei Jahrzehnte Vorsitzende des Gemischen Chores „und hält ihn praktisch zusammen". Viktor Vetters Kinder sind längst aus dem Haus, arbeiten als Diplomingenieur, auf einen Fischkutter vor Norwegen, selbstständig in Chemnitz. Anders als in der zerfallenden Sowjetunion, wo er das Gros seines Lebens verbrachte, habe er Deutschland als ein offenes Land kennen und schätzen gelernt. Als ein Land, das viele Möglichkeiten biete. „Klar ist aber auch: Ohne konsequente Arbeit kann man nichts erreichen."

Ekkehard Schulreich

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