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Wassermangel in den EschefelderTeichen - die Katastrophe geht weiter

Wassermangel in den EschefelderTeichen - die Katastrophe geht weiter

Auch der zu Ende gehende Winter brachte nicht das nötige Nass. Und eine Pumpleitung ist weiter außer Betrieb. Dass der Sprecher des sächsischen Umweltministeriums in der LVZ von einem "bereits deutlich angestiegenen Wasserstand" sprach und das Erreichen des "Sollwasserstandes" in den nächsten Tagen als realistisch betrachtet - für Wolf unfassbar.

Extremes Niedrigwasser herrscht in den Eschefelder Teichen - hier zeigt Fischer Wolf die Höhe des eigentlichen Wasserstandes im Neuteich an.

Quelle: Jens Paul Taubert

"Das hat eingeschlagen wie eine Bombe", sagt er. Das Vogelschutzgebiet sei in höchster Gefahr, die Fischwirtschaft stehe in den Sternen. Doch die Behörden, allen voran das Ministerium, stritten um Verantwortlichkeiten: "Penetrantes Nichtstun ist das."

Bis zur Brust würden Udo Wolf die Fluten des Neuteichs reichen, wäre der gefüllt, wie es nötig sei. Doch so braucht der Unternehmer kaum Gummistiefel, denn 1,30 Meter liegt der Spiegel unter dem Soll. Weite Flächen des Teichs, der Schilfgürtel und eine Brutinsel liegen gänzlich trocken. Im Ziegelteich und im Großteich dasselbe Bild. Lediglich der Straßenteich an der alten B 95 ist nutzbar. "In vier Wochen müssten alle auf natürliche Weise gefüllt sein", sagt Udo Wolf. Dann nämlich beginne die Brutsaison für die Wasservögel. Viele geschützte Arten haben üblicherweise im Teichgebiet einen Rückzugsraum, als besonders wertvoll gelten Schwarzhalstaucher und Schwarzkopfmöwe.

Spätestens Mitte März bräuchte Wolf das Wasser auch, um mit seiner Fischzucht Geld zu verdienen: "Dann müssen die Setzfische rein. Ich kann ja das Abfischen in Kleinbeucha nicht ewig hinausschieben." Um wenigstens Neu- und Ziegelteich nutzen zu können, würde er gern das bisschen Wasser des Großteichs dorthin leiten. "Doch das darf ich nicht. Dagegen steht ein Erlass aus Dresden, der liegt im Landratsamt."

Die Kreisbehörde sieht sich an besagten Erlass gebunden. Doch Katrin Land, Sachgebietsleiterin Natur- und Landschaftsschutz, verhehlt nicht, dass sie ihn für wenig praktikabel hält, weil damit nicht die Gesamtproblematik betrachtet werde. Der Freistaat habe angekündigt, 2015 den Großteich vom Schlamm zu befreien. Der derzeitige Wasserstand, so Experten aus der Region, genüge nicht für die Fischzucht. Der Wasserstand reiche ebenso wenig aus für ein gesicherten Brut- und Aufzuchterfolg für geschützte Vogelarten. Den Großteich trockenzulegen, käme dem Ziel der Entschlammung entgegen und würde gleichzeitig dem Pächter helfen, eine Bewirtschaftung in den unteren Teichen vornehmen zu können. Ohne Wasser oder bei sehr geringem Wasserstand würden die Teiche noch schneller zuwachsen als im vergangenen Jahr der Großteich. Da reiche ein teures Mulchen des Teichgrundes nicht, sagt Land: "Ohne ordentliche Bewirtschaftung existiert das Vogelschutzgebiet nicht. Das hängt miteinander zusammen." Es sei am Freistaat, der Eigentümer ist, endlich eine Strategie zu erarbeiten: "Doch es liegen uns keine Ergebnisse vor." Das Landratsamt dränge immer wieder darauf, so Land: "Wenn es so bleibt, wie es ist, dann ist alles verloren."

Eine Sicht, die Udo Wolf teilt. "Wenn sie uns als Bewirtschafter loswerden wollen, sollen sie es sagen", meint er, der Teiche unter anderem in Kleinbeucha, Borna und zahlreichen Dörfern bewirtschaftet, außerdem das Schutzgebiet Rohrbacher Teiche, wo es ebenso an Wasser fehle. Seit 2008 hat er die Eschefelder Teichlandschaft in Pacht. Da den Teichen ein Zufluss fehle, sei schon in den dreißiger Jahren eine Leitung gebaut worden, um bei Bedarf Wasser von der Wyhra herüberzupumpen. Vor wenigen Jahren habe das Land sie sanieren lassen; nutzbar sei sie nicht, so Wolf. Die SIB, das Sächsische Immobilien- und Baumanagement, hatte im vergangenen Jahr in der LVZ dementiert, besagte Leitung bereits instandgesetzt zu haben. Und der damalige Umweltminister Frank Kupfer (CDU) hatte im Landtag offen gelassen, ob das überhaupt erfolgen sollte.

Auf mindestens 60 000 Euro schätzt Wolf den Umsatzverlust, den er im vergangenen Jahr erlitt. Und in diesem Jahr werde es keinesfalls besser. In Dresden sieht man das offenbar ganz anders und deshalb entspannt. Trockenperioden gebe es mitunter und blieben sie vereinzelt, komme die Natur damit zurecht, meint Frank Meyer, Sprecher des Umweltministeriums: Deshalb könne "die Brutsaison 2015 aus Perspektive des Wasserstandes ohne Beeinträchtigungen stattfinden".

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 24.02.2015
Ekkehard Schulreich

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