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Wehr stemmt in Geithain 70 Einsätze in acht Tagen

Wehr stemmt in Geithain 70 Einsätze in acht Tagen

Geithain. 70 Einsätze mit 1129 Stunden haben Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehren Geithain und Niedergräfenhain in der Hochwasserzeit vom 2. bis 9. Juni geleistet.

Sonst gibt es für die Geithainer Kameraden in einem ganzen Jahr etwa 30 Alarmierungen, laufen von Januar bis Dezember rund 460 Einsatzstunden auf. So gefordert waren die beiden Wehren wohl noch nie zuvor. Schwerpunkte in der Heimatstadt waren Wickershain, Niedergräfenhain, Theusdorf, die Bruchheimer Straße und der Bereich Oberfürstenteich, das Altdorf und der Stadionbereich sowie Syhra.

 

 

Die Hochwassereinsätze liegen nun fast vier Wochen zurück, doch immer noch sind die Feuerwehrleute in ihrer Freizeit dabei, die Geräte wieder herzurichten, Pumpen und Schläuche zu überprüfen und zu reinigen. Eine kleine Bilanz soll vorstellbar machen, was die 30 Geithainer und Niedergräfenhainer in dieser Zeit geleistet haben.

Der Einsatzleitwagen  des Funktrupps Süd vom Katastrophenschutz ist in Geithain stationiert und wurde am 1. Juni, 10.20 Uhr, nach Pegau alarmiert. Bis zum 8. Juni, 18.45 Uhr, als sein Einsatz in Geithain nahtlos weiterging, war er ununterbrochen mit zwei Geithainer Kameraden im Schichtbetrieb besetzt. "Eine sehr lange Zeit", sagt Holger Gwozdz, der stellvertretende Stadtwehrleiter. In Pegau galt es, die Kommunikation zwischen der Leitung des Einsatzabschnittes und der Technischen Einsatzleitung in Grimma sicherzustellen.

 

 

Der erste Hochwasseralarm in Geithain selber kam am 2. Juni, 13.28 Uhr. Geithainer Kameraden brachten Sandsäcke an gefährdete Häuser in Theusdorf, im Stadtgebiet, in Wickershain und Nauenhain. Die Niedergräfenhainer Wehr sicherte neuralgische Stellen in ihrem Ort ab, an zehn Einsatzstellen erfolgten technische Hilfeleistungen beziehungsweise wurden umgestürzte Bäume beseitigt. Insgesamt waren Feuerwehrleute an diesem Tag bis 23.20 Uhr im Einsatz.

 

 

Dann kam die Flut vom 8. Juni. Um 16.53 Uhr begann für die Geithainer Feuerwehr das größte zusammenhängende Einsatzgeschehen ihrer bisherigen Geschichte. 27 Einsatzstellen arbeitete sie bis früh um 2.06 Uhr ab. Sieben Minuten vor 17 Uhr kamen aus Wickershain die ersten Notrufe über die Rettungsleitstelle. Doch als die Feuerwehrfahrzeuge wenige Minuten später vor Ort waren, konnten sie bereits nicht mehr nach Wickershain hineinfahren. An der Brücke des ehemaligen Norma-Parkplatzes war Schluss, weil sich die Dorfstraße bereits in einen reißenden Strom verwandelt hatte.

 

 

Dann trafen Notrufe aus den verschiedensten Teilen der Stadt im Minutentakt ein. "Das waren hier keine steigenden Pegelstände, auf die man sich vorbereiten konnte, das ging ganz plötzlich ohne Vorwarnung los", erinnert Geithains Stadtwehrleiter Jens Krznaric. "Die Lage war zunächst unübersichtlich, da viele Mitteilungen, die zu uns gelangten, Fehlinformationen waren. Auch Gerüchte machten die Runde", erklärt Gwozdz.

 

 

So herrschte zunächst die Annahme, der Landkreis habe für Geithain und Umgebung Katastrophenalarm ausgelöst. Das hätte bedeutet, die Stadt wäre ein Einsatzabschnitt unter Führung der Technischen Einsatzleitung, Kräfte, die eventuell hinzugezogen werden, arbeiten dann auf Rechnung des Landkreises. Als sich klärte, dass das Landratsamt den Einsatzabschnitt Geithain nicht bildet, wurde gegen 18.30 Uhr für das Stadtgebiet eine örtliche Einsatzleitung im Feuerwehrgerätehaus aufgebaut, gemeinsam mit Vertretern der Polizei, des Rettungsdienstes und der Kommune. Das hatte es in Geithain bislang so noch nie gegeben. Die Führung hatten Hauptbrandmeister Holger Gwozdz beziehungsweise Oberbrandmeister Marco Christen inne.

 

 

Wie die Lage im Stadtgebiet und den Ortsteilen sich darstellt, dieses Bild ergab sich für die Feuerwehrleute lediglich aus den Notrufen und aus dem, was sie mit eigenen Augen sahen. Oberste Priorität hatte die Rettung von Menschen. Evakuierungen waren nicht erforderlich, wurden jedoch vorsorglich vorbereitet. Kameraden geleiteten Bewohner in höher gelegene Etagen. Direkt vor dem Ertrinken zu retten, brauchten sie niemanden. Aus Wickershain waren Ersuche auf Rettung eingegangen, in der Bruchheimer Straße sollen Menschen auf dem Dach eines Hauses um Hilfe gerufen haben, im Altdorf waren Bürger wohl zunächst im Garten von Wasser eingeschlossen. Traf die Feuerwehr ein, hatten sie sich bereits aus eigener Kraft oder mit Hilfe anderer in Sicherheit bringen können. "Wir konnten eine sehr starke nachbarschaftliche Hilfe beobachten, ein starkes Zusammenrücken vor allem auch in den Ortsteilen", so Christen.

 

 

Für die Bürger sei es wichtig, in so einer Ausnahmesituation die Ruhe zu bewahren, betont Krznaric. Hunderte Anrufe seien über die 112 gleichzeitig bei der Rettungsleitstelle eingegangen, Anrufer müssten sich in so einem Fall in der Warteschleife gedulden, erklärt der Oberbrandinspektor. Ist der Notruf gemeldet, müssen die Einsatzkräfte Prioritäten setzen und es kann durchaus länger dauern, bis die Feuerwehr eintrifft. "Dafür müssen alle Betroffenen Verständnis aufbringen. Personell und technisch sind auch uns in solchen Situationen Grenzen gesetzt", erklärt der 44-Jährige.

Alle Notrufe wurden bis nachts um 2 Uhr abgearbeitet, die Kameraden prüften an allen Einsatzstellen zumindest, ob ihre Hilfe noch benötigt wird, erzählt Marco Christen. In der Bruchheimer Straße war Gasgeruch gemeldet, eine direkte Ursache konnte die Feuerwehr nicht finden, wahrscheinlich handelte es sich um den Geruch von ausgelaufenem Heizöl. Mehrere aufgeschwemmte Heizöltanks in Kellern wurden gesichert. Kurz nach 2 Uhr in der Nacht verordnete die Einsatzleitung allen Feuerwehrleuten eine Ruhezeit.

 

 

Veitshöchheims Feuerwehr bot Sonnabendabend dankenswerterweise an, in die Partnerkommune zu kommen, um zu helfen. Da sich die akute Gefahrenlage allmählich entspannte, verzichtete man aber auf das Angebot. Für die Geithainer Kameraden ging es am Sonntag ab 7 Uhr weiter, eine Krisensitzung im Rathaus fand 9 Uhr statt. Ab diesem Zeitpunkt gingen auch neue Meldungen ein, war das Gerätehaus voll besetzt. Wegen eines Ölfilms auf der Eula in Niedergräfenhain wurde das Umweltamt verständigt. Angestautes Treibgut galt es an der Brücke im Ossaer Weg zu entfernen, ein Gastank in einem Vorgarten in Theusdorf war zu sichern, und es war in Zusammenarbeit mit dem Energieversorger zu klären, wieweit der Strom gefahrlos zugeschaltet werden kann. Sein Ausfall hatte die Situation zusätzlich verschärft, das Gerätehaus war davon jedoch nicht betroffen. Gegen 12 Uhr lag Energie überall im Stadtgebiet wieder an.

 

 

16.39 Uhr gab es erneut kompletten Alarm für die Geithainer Wehr - als tragischen Höhepunkt dieses Wochenendes hatte wahrscheinlich Blitzschlag eine Scheune in Wickershain in Brand gesetzt, eine tiefschwarze Rauchsäule erhob sich über dem Brandort. Die Scheune mit Heu und Stroh stand schon komplett in Flammen und brannte nieder, Menschen und Tiere seien nicht gefährdet gewesen. Bis 21 Uhr kämpfte die Feuerwehr gegen die Flammen.

Seit jenem 9. Juni rückte sie "nur" zu zwei Fehlalarmen aus. Den Container, den die Flut, wie berichtet, in die Gartenanlage "Alte Heimat gespült hatte, beförderten Feuerwehrleute später an einen von schwerer Technik erreichbaren Ort.

 

 

Nun ist Gelegenheit, Bilanz zu ziehen. Tadellos funktioniert habe die Zusammenarbeit mit dem Rathaus und dem Bauhof, hebt Krznaric hervor. "Wir konnten die Alarm- und Einsatzpläne auf Praxistauglichkeit prüfen", so der Stadtwehrleiter. Dabei habe sich gezeigt, wo die Ausstattung ergänzt werden müsste. "Ein Dank an die Arbeitgeber, die ihre angestellten Kameraden freigestellt haben", betont Gwozdz. Das habe reibungslos geklappt, so der 37-Jährige.

 

 

Gut angekommen war am 2. Juni die Versorgung durch Marcel Bäßler, Wirt der Geithainer Gaststätte "Invino", sowie durch die Fleischerei Schuhknecht in Geithain, die Feuerwehrleute an beiden Wochenenden mit Essen versorgte.

"In den Tagen des Hochwassers sind viele Kameraden an ihre Grenzen gestoßen", sagt Christen, zumal persönlich von der Flut betroffene Feuerwehrleute nicht zur Verfügung standen. Der 36-Jährige hebt das sehr positive Feedback hervor, dass die Feuerwehr in den zurückliegenden Tagen und Wochen nach der Flut bekommen hätte. Dankschreiben auch von Bürgern, die gar nicht selbst vom Hochwasser betroffen waren, seien eingegangen, erzählt auch der Stadtwehrleiter. Gerade diese Extremsituationen hätten gezeigt, dass die ehrenamtlichen Helfer hier personell und technisch doch an ihre Grenzen kommen. "Vielleicht entschließt sich gerade jetzt jemand, die Reihen zu verstärken", hofft der Stadtwehrleiter. Wer sich informieren will, kann einfach einmal zum Dienst am Feuerwehrgerätehaus kommen - donnerstags, 20 Uhr, aller 14 Tage. Nächster Termin ist der 11. Juli. 

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 06.07.2013

Inge Engelhardt

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