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Geithain Weihnachten in der Puppen-Stube
Region Geithain Weihnachten in der Puppen-Stube
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11:47 23.12.2009
Steinbach

Am Heiligabend dürfen einige Puppen in die Stube mit dem Lichterbaum.

Ein gutes Hundert lebensechte Puppen wohnt mit ihnen unter demselben Dach, die meisten im Baby- und Kleinkindalter. Und natürlich dürfen einige von ihnen in die Stube, wenn heute Nachmittag unter dem Lichterbaum Bescherung ist.

„Die hier habe ich schön angezogen. Die dürfen am Heiligabend mit dabei sein“, sagt Erika Löser und lacht. Drei Puppenaugen-Paare schauen durch das Fensterglas hinaus in den winterlichen Garten. Unter der Treppe hat ein Junge seine Ski untergeschnallt, im Flur warten Kinder angespannt auf den Weihnachtsmann. Ganz zu schweigen von den Dutzenden Puppen, die auf dem ehemaligen Strohboden in ihrem Bettchen liegen, musizierend in einer Runde sitzen oder am gedeckten Tisch. Lebendig wirken die Mädchen und Jungen; Spielzeug sind sie nicht.

„Ich habe mir einen Kindheitstraum erfüllt. Damals, als ich Kind war, gab es nur wenig – jetzt können wir uns das leisten“, sagt Löser. In Leipzig wuchs die heute 59-Jährige auf, fünf Brüder hatte sie und vier Schwestern. Ihre erste Puppe bekam sie mit sechs, sieben Jahren: „Die war aus Pappmachee und wie Rotkäppchen angezogen.“

Erika und ihre Geschwister spielten mit Puppenstuben, die ihr geschickter Vater aus Holz baute und die die Mädchen mit Papier und Stoff weiter ausstaffierten. „Meine Eltern haben sich gerade zu Weihnachten große Mühe gegeben“, erinnert sich die Wahl-Steinbacherin. Die Kinder standen ihnen nicht nach. Aus Sperrholz sägten die zehnjährige Erika und ihre Geschwister mit dem Fuchsschwanz für ihre Mutter einen Couchtisch, der heute noch in der Familie genutzt wird; er steht in der Bad Lausicker Wohnung der Tochter. Das handwerkliche Geschick hat sich Erika Löser bewahrt. Sie braucht es, um historische Puppen- und Kinderwagen ihrer Sammlung zu restaurieren.

Oder wenn sie für ihre Puppenkinder etwas strickt, einen weißen Mantel zum Beispiel mit einer Tannenbaum-Applikation. Ihr Mann Gerold steht ihr kaum nach: Er hat den alten Strohboden als Heimstatt für die Puppen ausgebaut. „Außerdem habe ich meine Garteneisenbahn“, sagt er. Doch die ist jetzt über den Winter eingemottet. Die Mädchen und Jungen der Steinbacher Kindertagesstätte „Waldwichtel“ steuern bei ihren Spaziergängen im Dezember gern die Straße des Friedens an. Dann stehen sie an Lösers Zaun und stauen: Aus allen Fenstern schauen engelsgleich Puppen.

Vor dem Haus hat der Weihnachtsmann den Esel eingeschirrt. Die Begeisterung der Kleinen ist kaum anders als die der Älteren, die Lösers regelmäßig in den Heimen in Frohburg, Borna und Regis-Breitingen besuchen, 35 Puppen und vier Wagen im Gepäck. „Die freuen sich so und vergessen darüber alles“, sagt Erika Löser. Eine Sonderschau im Kitzscheraner Museum zählte binnen vier Wochen 1400 Besucher.

Die Löser’sche Puppen-Familie ist in den zwei Jahrzehnten seit der Wende beinahe sprunghaft gewachsen. Vor allem auf Trödelmärkten werden Schätze gehoben. Zudem fahren Lösers einmal im Jahr nach Eschwege, wo sich Puppenkünstler aus Deutschland und darüber hinaus treffen. Paul heißt die neueste Errungenschaft, ist im zarten Alter eines Viermonatskindes. Anna mit der Gitarre ist mit 1,14 Metern die Größte. Die älteste Puppe aber wurde vor 90 Jahren hergestellt. Viele Puppen haben echtes Haar, manche Augen aus Lauschaer Glas. Mehrere Kleiderschränke auf dem Boden sind mit Kinderkleidung gefüllt; schließlich werden alle im Wechsel der Jahreszeiten eingekleidet.

Erika und Gerold Löser leben mit ihren Puppen und für sie. Jahrzehnte haben sie im LPG-Stall hart gearbeitet. Die Puppen sind ihre Welt, sind ein Ausgleich. Die Freude daran mit anderen zu teilen, macht sie reich. Manchmal aber wird es Gerold Löser beim Einkaufen dann doch ein bisschen bunt: „Wenn meine Frau stundenlang nach Babysachen guckt.“

Ekkehard Schulreich

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