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Weiter schlechte Luft im "Wirbelwind": Wut der Eltern in Geithain wächst

Weiter schlechte Luft im "Wirbelwind": Wut der Eltern in Geithain wächst

Die Turbulenzen um die Geithainer Kindertagesstätte "Wirbelwind" halten an: Die Mädchen und Jungen konnten zu Monatsbeginn nicht wie geplant in ihr angestammtes Domizil am Paul-Guenther-Platz zurückkehren (die LVZ berichtete).

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Skeptischer Blick auf das Messgerät: Bereits zum vierten Mal ist am Montag in der Kindertagesstätte "Wirbelwind" in Geithain die Luft auf Naphthalin getestet worden. Der Stoff gilt als gesundheitsschädlich. Mit einem Gasprobennehmer mit Aktivkohle prüft Benjamin Georgi (27) von der Landesuntersuchungsanstalt für Gesundheits- und Veterinärwesen Sachsen die Luft im Raum der Wichtelkinder, links die Leiterin der Einrichtung Romy Hempel (37).

Quelle: Andreas Döring

Geithain. Trotz baulicher Eingriffe liegt die Konzentration von Naphtalin in der Luft weiter über dem Grenzwert. Eine Situation, die für den Bornaer Verband der Volkssolidarität als Träger unbefriedigend ist, denn ein Ende des Malheurs lässt sich kaum prognostizieren.

Naphthalin, das am charakteristischen Geruch von Mottenkugeln oder Teer zu erkennen ist, gilt als gesundheitsgefährdend. Beim Einatmen kann es zu starken Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen führen. Bei Einnahme sind Atemlähmungen möglich. Selbst eine krebserregende Wirkung wird vermutet.

Bei den betroffenen Eltern wächst inzwischen die Wut über die Art des Krisen-Managements. Ihre Kritik richtet sich nicht nur gegen den Träger, sondern auch gegen die Stadt und nicht zuletzt das Integrationswerk Westsachsen gGmbH (IWS), deren Geithainer Einrichtung "Little Stars" die Mädchen und Jungen vorübergehend aufnahm.

Seit Pfingsten schon dauert der Ausnahmezustand an. Möglich, dass die Luftmessungen, die die Landesuntersuchungsanstaltung und das Gesundheitsamt des Landkreises am Montag im "Wirbelwind" nahmen, eine Rückkehr zum Regelbetrieb zulassen. Ergebnisse aber liegen erst in ein paar Tagen vor.

Es könnte sich aber auch hinziehen, bis zum Ende der Sommerferien oder gar in den September hinein. Bei vielen Eltern liegen nach Wochen der Interimslösungen die Nerven blank. Seit Anfang August nutzen sie nicht mehr die Möglichkeit, ihre Sprösslinge bei den "Little Stars" betreuen zu lassen. Sie kümmern sich selbst, helfen sich untereinander. "Für die Größeren ist das ganz lustig, doch für die Kleineren ist das Stress pur", sagt Elternsprecherin Anette Kyber. Das halte man vielleicht noch diese Woche durch oder eine nächste, doch dann?

"Für uns alle ist das eine sehr schwierige Situation. Wir sind alle mehr oder weniger berufstätig", bestätigt Arnd Heinicke. Dass die Einrichtung "Little Stars" nicht mehr genutzt werde, hänge mit vom IWS vorgelegten Betreuungsverträgen zusammen, die eine mehrwöchige Kündigungsfrist vorsehen. "Wir wollen aber sofort, wenn es möglich ist, unsere Kinder wieder in den ,Wirbelwind' bringen", sagt Heinicke. Er sieht sich im Einklang mit dem Geithainer Rathaus, das laut einer Mail vom 31. Juli auf Verträge, die "jederzeit gekündigt werden" könnten, setzt.

"Zuerst war die Kommunikation in Ordnung. Doch als die Bauarbeiten begannen, um die Ursache der Geruchsbelästigung zu beseitigen, wurde sie faktisch eingestellt", ärgert sich Jörg Nöbel. Dass neben "Little Stars" jetzt auch die Ebersbacher Einrichtung "Buntspecht" und die "Kleinen Hirten" Niedergräfenhain als zeitweilige Alternativen offerierten würden, gehe am Problem vorbei: "Jedes Mal neue Gruppen, jedes Mal neue Erzieher - das ist doch auf die Dauer nicht förderlich für unsere Kinder."

Dass Volkssolidarität und Stadt nach dem 31. Juli keinen Plan B hatten, hält Marco Reske für fahrlässig. Zudem habe in den Tagen vor diesem Termin niemand mit den Eltern über die Lage gesprochen. Für ihn war das ein Grund, von der Stadt eine sofortige Lösung einzufordern, gestützt auf den Rechtsanspruch eines Betreuungsplatzes. Damit prallte er allerdings ab; Bürgermeisterin Romy Bauer (parteilos) verwies auf die Volkssolidarität als Träger. Der trage die Verantwortung. Die Stadt kümmere sich aber nach Kräften, die Situation zu entspannen.

"Wir haben in den vergangenen Wochen sehr viel Eigeninitiative entwickelt, haben uns selbst an Entscheidungsträger gewandt, haben die Volkssolidarität unterstützt", sagt Arnd Heinicke. Inzwischen aber mache sich Ernüchterung breit; schließlich brauche man endlich wieder Verlässlichkeit. Sich auf Dauer eine andere Kindereinrichtung zu suchen, sei doch nicht die Lösung: "Wir sind mit dem ,Wirbelwind" und dem Konzept zufrieden, sonst würden wir ja nicht so kämpfen."

© Kommentar

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 12.08.2015
Ekkehard Schulreich

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