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Wernsdorfer Familienbetrieb ist weltweit gut im Geschäft mit der Abwasserreinigung

Generationswechsel Wernsdorfer Familienbetrieb ist weltweit gut im Geschäft mit der Abwasserreinigung

Generationswechsel bei Bergmann Beton: Junior Lars Bergmann und Jens Ilian führen seit Monatsbeginn gemeinsam das mittelständige Umwelttechnik-Unternehmen aus Penig. Martin Bergmann, der den von seinem Vater gegründeten Betrieb 1991 reprivatisierte, konzentriert sich nun auf seine Tätigkeit als Honorarkonsul für Slowenien.

Lars Bergmann (li.) hat das operative Geschäft von seinem Vater Martin Bergmann (re.) übernommen.

Quelle: privat

Penig/Wernsdorf. „Aktionstage Unternehmensnachfolge“ veranstaltet das sächsische Wirtschaftsministerium Ende Mai. Die in Wernsdorf nördlich von Penig ansässige Bergmann AG hat die entscheidende Nachfolge-Frage geklärt: Lars Bergmann übernahm zu Monatsbeginn von seinem Vater Martin Bergmann das operative Geschäft. Als Vorstandsvorsitzender und Geschäftsführer steht der 38-Jährige damit gemeinsam mit Vorstand Jens Ilian (39) an der Spitze des 1929 gegründeten Familienunternehmens. Eine Feier ist erst am 28. Juni geplant: Dann steht die Re-Privatisierung der Firma vor 25 Jahren im Mittelpunkt. Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) hat sein Kommen signalisiert. In seiner Begleitung wird Marta Kos Marko sein, die Botschafterin des seit 1991 unabhängigen Sloweniens in Deutschland – denn Martin Bergmann ist seit 2012 slowenischer Honorarkonsul.

„Viele, die in der Nachwende-Zeit die in der DDR verstaatlichten Betriebe reprivatisierten, waren so alt wie mein Vater, Anfang 40. Sie scheiden jetzt nach und nach aus den Unternehmen aus. Das will gut vorbereitet sein“, sagt Lars Bergmann. Die Bergmann AG habe diesen Schritt, eher ein Prozess, über Jahre vorbereitet. Sohn Lars, der an der Technischen Universität Dresden studierte, wechselte nach dem Abschluss ins väterliche Unternehmen, lernte es von Grund auf kennen, konzentrierte sich über Jahre auf den Vertrieb, baute vor allem das internationale Geschäft auf. Jetzt fand der Generationenwechsel, der aktuell zahlreiche kleinere Betriebe nicht nur im Freistaat vor Probleme und eine ungewisse Zukunft stellt, bei Bergmanns seinen Abschluss: „Für die nächsten Jahre und Jahrzehnte sind wir gut aufgestellt.“

Mit vier Mitarbeitern hatte Martin Bergmann 1991 den Neuanfang gemacht und die Sand- und Betonwerke Friedrich Bergmann GmbH neugegründet. Damals noch in Lunzenau verortet, entstand 1994 im Wernsdorfer Gewerbegebiet ein neues Werk. Es konzentrierte sich nicht allein auf Betonfertigteile und Beton, sondern stieg schon Mitte der Neunzigerjahre mit der Entwicklung und dem Bau von Kläranlagen in die Umwelttechnik ein. Heute beschäftigt die AG insgesamt 55 Mitarbeiter, Kerngeschäft ist die Abwasserreinigung. 50 000 Kläranlagen in 24 Ländern haben das Unternehmen und internationale Lizenznehmer inzwischen errichtet. Schwerpunkte seien Skandinavien, Nordamerika, die Mongolei, sagt Lars Bergmann: „Jetzt geht es weiter Richtung China.“ Man verfüge über ein stabiles Grundprodukt. Das gelte es, weiterzuentwickeln – Stichpunkt Digitalisierung, und man werde neue Märkte erschließen.

Was einen Vorsprung verschaffe, sei die im eigenen Haus entwickelte Fernwirktechnologie: Die Anlagen werden nicht nur via Internet auch über Tausende Kilometer hinweg gewartet, sondern auch gesteuert. Der Aufwand sinke auf diese Weise erheblich – für den Eigenheimbesitzer, der eine vollbiologische Kleinkläranlage unterhalte, ebenso wie für die Wartungsunternehmen. „Ein Monteur weltweit kann sich über das Netz mit Penig verbinden und per Videoschalte mit uns kommunizieren“, erläutert Bergmann. 5000 Anlagen habe man so im Blick, beispielsweise die einer großen Autobahn-Raststätte in Kanada: „In diesem Segment sind wir Weltmarkt-Führer.“ Darüber hinaus vergesse man den heimischen Markt nicht. Denn wenn auch in Sachsen ein Großteil der Kläranlagen inzwischen auf Vollbiologie umgestellt sei, stünden diese Investitionen im benachbarten Thüringen erst bevor: „Unser Brot-und-Buttergeschäft liegt weiter in Mitteldeutschland.“

Die Anfänge von Lars‘ Großvater Friedrich Bergmann 1929 waren nicht nur bescheidener; sie lagen auch auf einem anderen Feld, dem der Logistik mit den aufkommenden LKW. Später schwenkte er auf Torfsteine um, entschied sich schließlich für Baustoffe und Betonteile; 1970 erfolgte die Verstaatlichung.

„Dass es nun auch offiziell in der dritten Generation weitergeht, ist eine gute Nachricht für die Familie“, sagt Lars Bergmann. Sein Vater, Ende April 65 geworden, stehe dem Management weiter „mit Rat und Tat zur Seite, das ist unabdingbar“. Er könne sich jetzt aber noch stärker auf seine Tätigkeit als slowenischer Honorarkonsul für Sachsen und Sachsen-Anhalt konzentrieren. „Es geht vor allem um die beiderseitige Förderung von Wirtschaft, Kultur, Sport. Das ist in erster Linie Netzwerk-Arbeit, und davon profitieren wir als Unternehmen natürlich auch.“ Denn die wirtschaftlichen Kontakte, die die Bergmann-Gruppe in die Republik an der Adria aufgebaut hatte, gaben den Ausschlag, Martin Bergmann 2012 in diplomatische Dienste zu nehmen.

Wenn am 28. Juni zahlreiche Vertreter aus Wirtschaft und Politik nach Wernsdorf kämen, wolle man nicht nur zurückschauen und Bilanz ziehen, so der Vorstandsvorsitzende: „Wir schauen auch nach vorn und thematisieren das wichtige Feld Unternehmens-Nachfolge in einer Podiomsdiskussion.“ Immerhin könne man wertvolle Erfahrungen in diese Debatte einbringen.

Von Ekkehard Schulreich

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