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Westberlin-Visite im August 1961 hatte für Albrecht Bemmann harsche Konsequenzen

Westberlin-Visite im August 1961 hatte für Albrecht Bemmann harsche Konsequenzen

Es war ein Laune, vielleicht ein bisschen Renitenz, keinesfalls aber politisch motiviert: Ins Kino wollten Albrecht Bemmann und ein Freund in jenem August 1961. Vom Zelten auf Usedom kamen die Bad Lausicker, wollten einen Stopp einlegen in Berlin, West-Berlin.

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Albrecht Bemman in seinem Garten: Die Wunde von damals schmerzt bis heute.

Quelle: Jens Paul Taubert

Bad Lausick. Statt Nachtleben eine Nacht im Polizeirevier Mitte, ein die Freiheit weiter beschneidender Ausweis PM 12, letztlich elf Monate Bau. Ein halbes Jahrhundert später schmerzt das Erinnern, doch der 71-Jährige stellt klar: Ein Held war er nicht; er hatte - Pech.

Es sollte ein schöner Abschluss des Camping-Urlaubs werden, in jenem politisch durchaus heißen August 1961 in Berlin, in der in Ost und West geteilten Stadt. Albrecht Bemmann und ein Freund stiegen, von Bansin kommend, in Berlin von ihren MZ-Motorrädern um in eine S-Bahn Richtung Westen. Einen Film anschauen in einem der Grenzkinos vielleicht, vor allem aber jenen Schuh, mit dem der Sowjet-Chef Nikita Chruschtschow kurz vorher bei der UN-Vollversammlung so demonstrativ auf das Pult geklopft hatte: „Das Schuhhaus Leiser am Kuhdamm stellte den aus. Den wollten wir sehen, auch wenn es bestimmt nicht wirklich Chrustschows Schuh war", feixt Bemmann. Do so weit kamen die beiden, gerade Anfang zwanzig, nicht; am Bahnhof Friedrichstraße wurden die vermeintlichen Republikflüchtigen aus dem Waggon geholt, eine Nacht verhört, dann per Zug abgeschoben nach Bad Lausick. Die Motorräder reisten mit der Bahn nach. Die Personalausweise beider blieben in der Berlin; statt dessen gab es den PM 12, ein vorläufiges Dokument mit rotem Querbalken: „Damit durften wir nun auch nicht mehr nach Ostberlin."

Dazu hatte Bemmann ohnehin keine Gelegenheit. Vier Tage nach der folgenreichen Berlin-Visite schrieb er an einen alten Klassenkameraden, der nach Frankfurt am Mai gegangen war, einen Brief, ließ seiner Frustration freien Lauf, bat, er möge sich doch schon mal nach einer Stelle für ihn umschauen: „Ich hatte einfach den Kanal voll." Kaum lag der Brief - vorsorglich mit falschem Absender - im Kasten, schloss sich die Mauer. Der Brief wurde abgefangen, sein Schreiber binnen einer Woche ermittelt. Die Anklage: staatsfeindliche Hetze. Die Revanche der Machthaber: elf Monate. Bei einem Forum zum Mauerbau

erzählte er im Bornaer Café „Offenkundig" davon.

„Ich war damals nicht wirklich bereit, den Schritt in Richtung Westen zu tun", erzählt Albrecht Bemmann ohne Bitterkeit. Er sei ein heimatverbundener Mensch, und danach sei das Leben unspektakulär verlaufen, seinen Gang eben, den sozialistischen. Von Politik und Partei hielt er sich fern, wurde Lehrausbilder, später Berufsschullehrer. Er fand als Moderator und Humorist sein Refugium. Ein großer Freundeskreis schafft für ihn und seine Frau Helga, die er 1962 kennenlernt, Geborgenheit. Bis heute wirkt er als Sänger im Männerchor Bad Lausick mit. Und nimmt, seiner Profession treu bleibend, für die Handwerkskammer jungen Malern und Lackierern die Prüfung ab.

Was der Mann, den seine Freunde „Bemme" nennen vor 50 Jahren erhielt, war ein Dämpfer, ist eine nie ganz verschwindende Wunde. Aber den Wind aus den Segeln ließ er, der aus einer Arbeiterfamilie stammt, sich nicht nehmen. „Ich habe mein Leben lang nie in einer anderen Liga gespielt", sagt er. Und so sammelt er, wie kürzlich, in Bad Lausick Spenden für die Kinder eines Waisenhauses in Ghana, wo seine Enkelin Sophie zurzeit ehrenamtlich tätig ist. 650 Euro kamen so zusammen, sagt Bemmann und lacht: „Das Soziale ist mir wichtig. Da kann ich nicht aus meiner Haut."

Ekkehard Schulreich

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