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„Wie eine Familie“: 150 Bergleute aus Bockwitz und Borna-Ost feiern Wiedersehen

Bergbau „Wie eine Familie“: 150 Bergleute aus Bockwitz und Borna-Ost feiern Wiedersehen

25 Jahre nach dem letzten Kohlezug aus dem Tagebau Bockwitz/Borna-Ost feierten die Bergleute von einst ihr großes Wiedersehen im Gasthof Bubendorf. 150 Kohlekumpel ließen alte Geschichten aufleben und blätterten in Fotoalben. „Wir waren eine große Familie“, sagen sie heute.

Bergarbeitertreff im Gasthof Bubendorf: Gertraud Ullmann (82), Hildegard Kaiser (85) und Ruth Goldmann (83) erinnern sich gerne an ihre ehemalige Arbeitsstelle.

Quelle: Andreas Döring

Frohburg/Bubendorf/Borna. Für ein paar Stunden war am Sonnabend alles wie früher: die Kollegen, die alten Geschichten, der Zusammenhalt. Im Gasthof Bubendorf feierten 150 Bergleute aus dem ehemaligen Tagebau Bockwitz/Borna-Ost ihr großes Wiedersehen – 25 Jahre nach der Ausfuhr des letzten Kohlezuges. Manfred Müller (81) ist einer der Organisatoren des Kumpeltreffens. 40 Jahre lang hat der Bornaer in der Kohle gearbeitet, erst als Baggerfahrer, dann als Schichtmeister. „Wir haben den Tagebau mit aufgeschlossen“, erinnert er sich, „aber 1989 bin ich hier raus. Es war eine schöne Zeit. Wir haben viel mit den Kollegen unternommen, Ausfahrten und Brigadefeiern“.

„Tagebautreffen ist eine schöne Sache“

15 Jahre lang war Erika Zötzsche (87) Sicherheitsposten in der Tagesbrigade. „Bei Wind und Wetter ging es raus und wenn es geregnet hatte, mussten wir im Schlamm laufen. Ich hatte es manchmal satt, aber es gab auch schöne Tage. Meine Mädchen sagen heute noch: ,Mutti, ehe du mal frierst...’ Die Arbeit hat uns wirklich abgehärtet.“ Das Tagebautreffen in Bubendorf findet die Bornaerin eine schöne Sache, war auch schon bei der Premiere vor zwei Jahren mit dabei. Manfred Müller kennt die Kollegin noch von früher: „Sie war meine Kalfaktor und hat mir immer Kaffee gekocht“.

Ruth Goldmann (83) aus Borna, Hildegard Kaiser (85) aus Deutzen und Gertraud Ullmann (82) aus Schönau haben es sich an der langen Tafel gemütlich gemacht und blättern in einem Fotokalender mit Bergbaumotiven – ein Geschenk für jeden Gast. Von 1972 bis 1990 arbeitete Gertraud Ullmann als Kalfaktor in der Grube. „Wir hatten immer viel Spaß, auch wenn es viel Arbeit gab. Wir wären gerne noch länger geblieben, aber es war ja zu Ende.“ Bis zum Schluss waren Hildegard Kaiser und ihr Sohn Thomas (59) dabei, beide E-Lok- beziehungsweise Revierfahrer im Dreischichtbetrieb. „Ich bin manchmal bis zum Roten Ochsen gefahren“, erinnert sich der Deutzener an den Kohlebagger mit der markanten roten Farbe in Witznitz. „Es war eine schöne Zeit, ich denke gerne daran zurück“. Als Elektrikerinnen arbeiteten Dagmar Gründel (62) aus Rohrbach und die Frohburgerin Bärbel Graichen (51) in Bockwitz/Borna-Ost. „Wir mussten manchmal auf den Bagger oder hatten drin zu tun, was gerade so anfiel“, erzählt die Jüngere. Für beide war es eine gute Zeit. „Wir waren wie eine Familie“, so Graichen. Nach 1990 fand sie keine neue Anstellung als Elektrikerin, schulte um und arbeitet heute als Buchhalterin in Leipzig.

„Zusammenhalt war stark“

An die Tagebaue Bockwitz und Borna-Ost hat Rudolf Lehmann nur beste Erinnerungen. „Der Zusammenhalt war hier besonders stark ausgeprägt, es ging sehr familiär zu.“ Dabei war Bockwitz für den Werksdirektor nur ein Kind von vielen. „Ich war für sechs Tagebaue, acht Brikettfabriken und kleinere Kraftwerke verantwortlich“, zählt der Bergbau-Ingenieur auf, der mit Zehn-Stunden-Arbeitstagen selten hinkam. 1990 zum Bergwerksdirektor ernannt, gestaltete Lehmann bis Ende 2000 als Länderbereichsleiter Westsachsen-Thüringen der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbauverwaltung (LMBV) eine Reihe von Restlöchern in Badeseen um.

„Ich liebe meinen Beruf bis heute und ich halte es für falsch, dass man ständig und völlig überzogen über die Einstellung der Kohlewirtschaft diskutiert. Kohle wird immer gefördert und bleibt auch in Zukunft von Bedeutung.“ Sagt einer, der mit seiner Familie in Magdeborn lebte und sich damit selbst überbaggert hat. Die Erinnerungen lebendig zu halten, hat sich Rudolf Lehmann bis heute zur Aufgabe gemacht.

„Das Treffen war wieder ein großer Erfolg“, zieht der Neukirchener Thomas Berger zufrieden Bilanz und stellt sogar ein drittes Treffen in Aussicht. „Wer noch Fotos und Videos aus dem Tagebau hat, kann sich gerne jederzeit an mich wenden.“

Von Kathrin Haase

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