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Geithain Windrad abgebrannt: Tautenhainer Unternehmer schätzt eine Million Schaden
Region Geithain Windrad abgebrannt: Tautenhainer Unternehmer schätzt eine Million Schaden
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13:35 12.04.2018
Brennende Windkraftanlage. Quelle: Mirko Fischer, http://flugbilder-sachsen.de
Frohburg/Tautenhain

 Fünf Windkraftanlagen stehen auf dem Höhenzug zwischen Ebersbach und Tautenhain. Sie sind seit den neunziger Jahren so etwas wie eine Landmarke. Vier der Rotoren ruhen am Donnerstagmorgen. Die großen Flügel des Tautenhain am nächsten stehenden Windrades fehlen. Sie sind abgefallen, verbrannt wie der Generator in 70 Metern Höhe. Ein Blitzschlag hatte am späten Mittwochnachmittag das Generatorhaus in Brand gesetzt. Das sich daraus binnen einer Viertelstunde entwickelnde Feuer hatte die Anlage komplett zerstört. Der Betreiber schätzt den Schaden auf rund eine Million Euro.

Durch einen Blitzeinschlag ist am Mittwoch ein Windrad zwischen Tautenhain und Ebersbach in Flammen aufgegangen.

Brandherd für Feuerwehr unerreichbar

Die Rauchfahne war am Mittwoch weithin sichtbar. Sie sorgte für einen Menschenauflauf. Ebersbacher Anwohner berichteten, dass ein Blitz gegen 16.40 Uhr einschlug. Zu dieser Zeit ging ein kurzes, aber schweres Gewitter über der Region nieder. Die Freiwilligen Feuerwehren aus Tautenhain, Frankenhain und Frohburg waren binnen Kurzem vor Ort. Aufgrund der Turmhöhe sahen sich die Kameraden aber außer Stande, an den Brandherd überhaupt heranzukommen.

Rotorblätter aus Kunststoff brennen lichterloh

„Wir bildeten einen Sperrkreis und standen in Bereitschaft, um herabfallende Teile sofort zu löschen“, sagte Einsatzleiter Christopher Martin, Leiter der Frankenhainer Wehr und zugleich stellvertretender Stadtwehrleiter von Frohburg. Nach einiger Zeit hätten sich die drei Rotorblätter, aus einem Faserkunstoff bestehend, gelöst und seien brennend und qualmend in die Tiefe gestürzt. Dort kümmerten sich die Einsatzkräfte darum, die Flammen zu ersticken.

Kameraden der Feuerwehr sichern Brandort

Dass selbst die Feuerwehr bei einem Brand erst einmal kaum mehr machen könne als zuschauen, das sei schon eine ungewohnte Situation, sagte Stadtwehrleiter Heiko Mühling. Mit Hilfe einer 30 Meter ausfahrbaren Drehleiter hätte man nicht einmal die Hälfte der Distanz bis zur brennenden Gondel überbrücken können, ganz abgesehen von der Gefahr durch die sich lösenden Rotorblätter. „Alles in allem war das für uns ein sehr ungewöhnlicher Einsatz.“ Die Polizei sicherte den Brandort und verhinderte, dass ihm Unbefugte zu nahe kamen.

Dichter Schaumteppich rund um die Windkraftanlage

„Für die Ortslage Ebersbach gab es am Abend zeitweise eine massive Rauch- und auch Geruchsbelästigung“, sagte der Einsatzleiter. Bis weit nach Mitternacht waren die Feuerwehrleute vor Ort. Sie legten einen dichten Schaumteppich, um ein erneutes Aufflackern zu verhindern. Da in der Nacht der Wind aufgefrischt habe, sei das nicht in Gänze gelungen, resümierte Martin, der mit den Frankenhainern erst 1.30 Uhr eingerückt war, am Donnerstagfrüh. 4.30 Uhr nämlich wurde die Tautenhainer Wehr in Marsch gesetzt, weil es erneut zu einer Rauchentwicklung am Boden kam. „Ein wirkliches Brennen war das nicht“, so Martin. Eine neue Lage Schaum habe dem ein Ende gesetzt.

Flammendes Windrad Quelle: Katharina Wolf

Die wie eine Fackel lodernde Anlage hatte am Mittwochabend zahlreiche Schaulustige angelockt, die das Geschehen vor allem vom Ebersbacher Dorfrand und von den vorbeiführenden Straßen aus verfolgten. In die Rolle des Zuschauers sah sich letztlich auch Peter Hennemann, Tautenhainer Unternehmer und Eigentümer der fünf Anlagen, gedrängt. „Das Feuer griff vom Motorhaus schnell auf die Flügel über. Da war nichts zu machen“, sagte er.

Betreiber der Anlage gehört zu den Pionieren der Region

Peter Hennemann betreibt in Tautenhain einen Holzbau-Betrieb Quelle: Jens Paul Taubert

Die zerstörte Anlage, erst vor gut einem halben Jahrzehnt montiert, ersetzte eine ältere; sie brachte eine Leistung von 800 Kilowatt. Der Windstrom-Erzeuger, der sich neben seinem Holzbau-Betrieb seit einem Vierteljahrhundert mit erneuerbaren Energien befasst und damit 1994 zu den ersten in der Region gehörte, muss von einem Totalschaden ausgehen. Seine Anlagen speisen insgesamt rund 4,1 Megawatt Energie ins Netz ein. Allein die jetzt ausgebrannte Anlage konnte 300 Haushalte mit Strom versorgen.

„Ich habe die Anlage damals beim Weltmarktführer Enercon bestellt, und ich gehe davon aus, dass er dafür sorgt, dass sie schnell ersetzt wird und wieder ins Laufen kommt“, sagte Hennemann der LVZ am Tag danach. Dass am Vormittag sämtliche Anlagen ruhten, begründete er mit notwendigen Umschaltungen: „Die vier, die nicht betroffen sind, gehen in den nächsten Stunden wieder ans Netz.“ Alle Anlagen seien mit Blitzschutztechnik ausgestattet, sagte der Unternehmer. Doch die könne nicht vor jeglichen Risiken bewahren: „Das ist im Grunde nicht anders als bei einem Haus, das einen Blitzableiter hat. Passieren kann auch dort etwas.“

Von Ekkehard Schulreich

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