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Geithain "Wir brauchen Fachkräfte"
Region Geithain "Wir brauchen Fachkräfte"
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13:52 19.05.2015
Landrat Gerhard Gey gestern im Tautenhainer Unternehmen Hennemann Holzbau im Gespräch mit Geschäftsführer Peter Hennemann. Quelle: Jens Paul Taubert

Gar nicht lange nachfragen brauchte der Kreischef bei Geschäftsführer Peter Hennemann, ob er Sorgen habe. Die vor fast 23 Jahren gegründete Zimmerei hat 18 Mitarbeiter, von denen 80 Prozent über 50 Jahre alt sind. "Wir brauchen Fachkräfte, kriegen aber keine", brachte der 54-jährige Firmenchef das Dilemma auf den Punkt. Man würde sofort einstellen, bestätigte seine gleichaltrige Ehefrau Kathrin. Sie kümmert sich um die Buchhaltung, beide haben das Unternehmen gemeinsam aufgebaut.

Einen Kranfahrer suchen Hennemanns beispielsweise bereits seit drei Monaten vergeblich. Zwei große Autokräne gehören zum Maschinenpark. 25 Lehrlinge sind in der Firma ausgebildet worden, drei arbeiten noch hier. Geeignete Bewerber für eine Ausbildung seien heute nicht mehr zu finden, erklärte Peter Hennemann. In anderen Unternehmen sei es nicht anders, bekräftigte der Bürgermeister. "Die Politik müsste begreifen, dass wir viel mehr normale Handwerker brauchen. Aber sie begreift es nicht", kommentierte er. Der Weg könne nicht sein, alle zu überzeugen, dass sie Abitur machen. "Was können wir auf kommunaler Ebene machen?", fragte der Landrat. Er höre immer wieder, dass Jugendliche zu wenig Energie und Durchhaltevermögen für eine Ausbildung mitbringen. "Wir haben immer weniger junge Leute, aber auch viele, wo das Interesse fehlt", erklärte der Kreischef. Doch man könne auf keinen verzichten. Der einzige Weg führt aus seiner Sicht über eine stärkere Vernetzung zwischen Schule und Wirtschaft. Hennemann reagierte skeptisch - er habe Kontakt zu Schulen gehabt, Schüler seien da gewesen... Der Wille zu körperlicher Arbeit gehe gegen Null. Der Unternehmer sieht derzeit keinen Lösungsansatz. Gey verwies auf Vorteile, die das Leben im ländlichen Raum bietet, beispielsweise, dass man hier ein Haus bauen kann. "Uns fehlen Arbeitsplätze, wo du früh ins Werktor reingehst und nachmittags wieder rauskommst", erklärte Hiensch.

Ein Job bei Hennemann Holzbau ist davon weit entfernt. Bis zu 95 Prozent ihrer Arbeitszeit sind die Beschäftigten auf Montage. Um das zu vermeiden, würden potenzielle Mitarbeiter auch einen geringeren Lohn in einem anderen Unternehmen akzeptieren, so die Erfahrung des Firmenchefs. Bis vor rund drei Jahren mischte das Tautenhainer Unternehmen auch weltweit mit, Portugal, Rumänien, Frankreich, Schweden, Serbien zählt Hennemann unter anderem auf. Solche Aufträge gäbe es aufgrund der schlechteren konjunkturellen Entwicklung derzeit nicht mehr. Deutschlandweit sind die Mitarbeiter des Unternehmens jetzt zwischen Bodensee und Rügen unterwegs. Die Auftragslage sei sehr gut, aber immer ausgesprochen saisonbedingt, erklärte Hennemann. Das Unternehmen mache zwei bis drei Millionen Euro Umsatz im Jahr, vor allem mit Montagearbeiten.

Weiteres Standbein sind eine Fotovoltaikanlage mit einer installierten Leistung von über 500 Kilowatt Peak und Windkraftanlagen von vier Megawatt. Gestern trieb eine Brise die Rotoren kräftig an, doch die Wind-Erträge seien in den letzten drei bis vier Jahren schlecht gewesen, erzählte Peter Hennemann zum Erstaunen von Gerhard Gey.

Besuche standen gestern ebenfalls in drei weiteren Frohburger GmbHs an - den Graichen Bau- und Möbelwerkstätten, bei Pamaf Polstermöbel in Streitwald sowie der Firma Arlt Bauunternehmen in Frankenhain.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 15.11.2014
Inge Engelhardt

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