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"Wir haben aus den Körpern keine Ware gemacht"

"Wir haben aus den Körpern keine Ware gemacht"

 


Bad Lausick. „Ich musste Akte fotografieren. Ich wollte natürlich auch.“ Bei der Eröffnung seiner Ausstellung „Akt in der DDR“ in der Bad Lausicker „Riff“-Galerie plauderte der Grimmaer Fotograf Gerhard Weber augenzwinkernd über ein Thema, das den zahlreichen Gästen auf wunderbare Art am Herzen lag.

Besagte Pflicht bezog sich auf dessen Studienzeit an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst in den späten sechziger Jahren – zu einer Zeit, da Akt-Fotografie in vieler Augen unter ein moralisches Verdikt fiel. Als Weber in der Fachzeitschrift „Fotografie“ 1976 und 1978 Grimmaer Frauen hüllenlos veröffentliche, „lagen die Hefte überall aus in der Stadt. Aber es war ein Skandal“, erinnerte sich der Siebzigjährige: „Heute lachen wir drüber, aber so verspießert waren manche Leute.“ Und – um die Sache auf die Spitze zu treiben –: „Stellt euch vor, ich hätte eine Lehrerin fotografiert oder einen Bürgermeister!“ Immerhin, bei Aktfoto-Urlauben mit Berufskollegen entstand unter anderem ein Akt in einem Klassenzimmer. Die unvermeidliche Wandzeitung zum „Tag der Republik“ im Hintergrund, ist dieses Bild eine von 40 Fotografien, die seit Mittwochabend in der Bad Lausicker „Riff“-Galerie zu sehen sind. 19 dieser Arbeiten, gefertigt in den siebziger und achtziger Jahren, sind unveröffentlicht. Letztere Fotos verschafften Olaf Härtig aus Grimma am Mittwoch ein Aha-Erlebnis. Der heute 47-Jährige war vor mehr als zwei Jahrzehnten allein und mit seiner damaligen Freundin vor Webers Kamera. Heute betrachtet er diese Bilder „amüsiert und respektvoll“, und er fügte an: „Ich hätte gern die Figur von damals wieder.“ An Webers Arbeit schätzt er das Ungekünstelte, das Menschen in ihrem sozialen Umfeld zeigt. „Gerhard ist ein sehr sensibler Fotograf“, bestätigte Eva Mielke, die mit ihrem Mann Hans-Joachim zur Vernissage gekommen war. 1967 hatte der Student Weber sie angesprochen und Porträts von ihr gemacht. Zu Akt-Fotos habe er sie nicht überzeugen können, erzählte sie lachend. Was ihren Mann zu dem launigen Kommentar hinriss: „Mir fehlen deshalb Aktfotos aus ihrer Jugendzeit.“ Nackte Körper all überall am Ostseestrand, aber Schwierigkeiten, Modelle – oder wie es in der DDR hieß: Mannequins – zu finden, auf diesen Widerspruch stieß die in Weißrussland aufgewachsene Tatsiana Hoppe. Dennoch war es so, meinte der Fotograf: „Für Fotos ausgezogen haben sich schon einige Mädels. Aber dass ich die Fotos veröffentlichen wollte, war für viele das Problem.“ Doch für die Schublade zu arbeiten, habe er grundsätzlich abgelehnt. Andere Gäste wollten erfahren, ob sich die Akt-Fotografie seit der Wende gewandelt habe. „Wir haben fotografiert, weil es uns ein Bedürfnis war. Wir haben aus den Körpern keine Ware gemacht“, sagte Weber. Er brach eine Lanze für „ehrliche Fotografie, wir haben niemanden verbraten“. Da konnte er der Zustimmung der vielen Fotografen-Freunde in der Runde sicher sein. Übrigens machte sich Gerhard Weber schon Mitte der siebziger Jahre mit seiner ersten Veröffentlichung einen Namen als Akt-Fotograf – zumindest bei einem Genussmenschen der Roten Armee: „Aus dem Präsidium des Kulturbundes erhielt ich einen Anruf. Ich sollte drei möglichst große Abzüge liefern. Ein General würde nach Hause nach Moskau fahren, und da wolle man gern...“ Wo diese Plakatformate heute aufgehängt sind, wer weiß. Fakt ist, die Weber’schen Akt-Fotografien in der Bad Lausicker „Riff“-Galerie sind bis zum 12. April während der Öffnungszeiten des Bades zu sehen.  

Ekkehard Schulreich

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