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Wirbel um "Wirbelwind": Stadtrat Geithain lehnt Container als Übergangs-Kita ab

Wirbel um "Wirbelwind": Stadtrat Geithain lehnt Container als Übergangs-Kita ab

Keine Container als Ausweichquartier für die Geithainer Kindertagesstätte "Wirbelwind": Diesen Beschluss fasste der Geithainer Stadtrat auf seiner Sondersitzung vorgestern Abend in seltener Einmütigkeit.

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Die Ergebnisse der jüngsten Messung in der Geithainer Kindertagesstätte "Wirbelwind" sollen am kommenden Mittwoch vorliegen. Vorgestern haben Experten die Luft im Gebäude mit so einem Gerät erneut auf deren Naphthalin-Gehalt geprüft.

Quelle: A. Döring

Geithain. Vor allem die hohen Kosten für einen solchen Interimsbau, große Unwägbarkeiten wie eine Verfügbarkeit erst in einigen Monaten, ungeklärte Genehmigungsfragen, aber auch die bezweifelte Betreuungsqualität in einem solchen Modul-Bau gaben den Ausschlag dafür. Der Saal des Rathauses war bis auf den letzten Platz gefüllt: Zahlreiche Eltern und Vertreter des Trägers Volkssolidaritäts-Kreisverband Borna verfolgten die Debatte.

Die Ausgangssituation: Seit Pfingsten ist die Kindereinrichtung am Paul-Guenther-Platz nicht nutzbar. Der Schadstoff Naphthalin wurde in der Luft nachgewiesen. Trotz inzwischen erneuerten Fußbodens, renovierter Zimmer, intensiven Lüftens und Filterns der Luft werden die Grenzwerte im Haus deutlich überschritten (die LVZ berichtete). Die betroffenen 21 Mädchen und Jungen werden - nach anderen Lösungen in der Vergangenheit - seit dieser Woche in Ebersbach und Königsfeld im Gruppenverband betreut, befristet bis Ende September. (Die separate Tagesgruppe soll vorübergehend in der ehemaligen Kirchschule in Niedergräfenhain unterkommen.)

Vorgestern nahm die Landesuntersuchungsanstalt im "Wirbelwind" erneut Proben, ebenso die Dekra; Ergebnisse liegen am Mittwoch vor. Wie sie ausfallen? Spekulation. "Es kann ihnen niemand sagen, ob Ende September die Freigabe des Hauses erfolgen kann", sagte Bürgermeisterin Romy Bauer (parteilos). Die Aufstellung von Containern würde den Eltern entgegenkommen, doch verfügbar wären sie frühestens im Oktober/November oder im Januar. Ein Baugenehmigungsverfahren sei nötig, das Landesjugendamt müsste das Interim gestatten. Große Unwägbarkeiten also neben den auf 58 000 Euro bezifferten Anschaffungskosten plus 4700 Euro monatlich für den Betrieb. Bauer nannte den Wunsch der Eltern "nicht unberechtigt", verwies aber darauf, dass dem Anspruch auf einen Betreuungsplatz innerhalb des Stadtgebietes auch ohne den "Wirbelwind" entsprochen werden könne - in Einrichtungen anderer Träger, die nicht ausgelastet seien.

"Für die Kinder tun wir - fast - alles", doch diese Kosten seien möglicherweise erheblicher als die Not der Eltern, wagte sich Udo Berger (UWG) als Erster aus der Deckung: "Ich tendiere zu Nein." Statt dessen solle die Stadt als Eigentümer der Immobilie alle Kraft darauf verwenden, das Haus wieder nutzbar zu machen, sagte Gabriele Sporbert (CDU). Bei allem Verständnis für die Eltern, meinte Silke Haferkamp (CDU): Container seien nicht wirklich eine attraktive Lösung auf Zeit.

Frank Rudolph (UWG), ab 2. September als Bürgermeister Nachfolger von Bauer, machte von der Besucherbank aus seinen Standpunkt deutlich: Die Kosten seien gewiss höher als veranschlagt. Als Stadtoberhaupt müsse er sein Veto einlegen gegen die Container-Lösung, "weil sie die Stadt an die finanzielle Grenze bringt". Er bat die Eltern um Geduld, "wir werden eine Lösung finden". Rudolph äußerte Kritik am Krisenmanagement der vergangenen Wochen, ausdrücklich auch am Verhalten des Integrationswerkes Westsachsen gGmbH, das in seiner Einrichtung "Little Stars" betroffene Kinder bis Ende Juli vorübergehend aufnahm; die Ausnahmegenehmigung des Landesjugendamtes dafür ende schließlich erst am 23. August, nicht früher.

"Eines Tages könnte Geithain ein topsanierte Einrichtung ohne Kinder haben", warnte Volkssolidaritäts-Geschäftsführer Daniel Lori. Die Eltern - erhielten sie keine klare Perspektive - würden sich neu orientieren. Lori bot an, ein, zwei frei werdende Erzieherinnen vorübergehend andernorts zu beschäftigen; diese Kostenersparnis für die Stadt entspräche in etwa den monatlichen Kosten für die Container. Loris Angebot konnte den Stadtrat nicht umstimmen. Die Beschaffung von Containern fand keinen einzigen Befürworter. Zehn Stadträte stimmten dagegen, vier enthielten sich. © Kommentar Seite 29

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 22.08.2015
Ekkehard Schulreich

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