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"Wollen das Geithainer Bad schnellstmöglich eröffnen"

"Wollen das Geithainer Bad schnellstmöglich eröffnen"

Bauleistungen im Geithainer Freibad will der Technische Ausschuss am Dienstag vergeben. Nach einer Havarie im Technikkeller muss die ursprünglich für heute geplante Saisoneröffnung deutlich nach hinten verschoben werden.

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Die Eröffnung des Geithainer Freibades verschiebt sich durch die Havarie deutlich nach hinten.

Quelle: LVZArchivJens Paul Taubert

Geithain. Das Bad soll nun so weit instand gesetzt werden, wie es für einen sicheren Betrieb notwendig ist. Bürger und Stadträte dringen darauf, dies bis zum Beginn der Sommerferien Mitte Juli zu schaffen. Das Rathaus betont, mit diesen Arbeiten in Vorleistung zu gehen - unabhängig von der Klärung der Havarieursache mit dem Betreiber des Bades, der Oewa Wasser und Abwasser GmbH. Die LVZ sprach mit Wolf-Thomas Hendrich, seit April 2012 Niederlassungsleiter des Unternehmens in Grimma.

 

 

Frage: Was ist aus Ihrer Sicht die Ursache der Havarie?

Wolf-Thomas Hendrich: Eingedrungen ist das Wasser in den Technikkeller durch ein Leerrohr, das eine Messleitung umhüllt, sie führt vom Pumpenkeller zu einem anderen Gebäude. Ursache dafür war ein hoher Grundwasserstand nach starkem Regen.

 

 

Welcher Schaden ist entstanden?

Als unser Mitarbeiter die Havarie am 8. Januar bei einer Routinekontrolle entdeckte, stand das Wasser rund 2,50 Meter hoch. Alle relevanten Anlagenteile, sämtliche Steuertechnik, Pumpen, die Dosierung für das Chlorgas - das ganze "Herzstück des Bades" war überflutet, sämtliche Elektronik mit Wasser und Verunreinigungen versetzt. Ähnliches hatten wir beim Hochwasser 2002 erlebt, als zum Beispiel die Kläranlage in Grimma überflutet war, die Pumpen- und Steuerungstechnik beider Anlagen ist vergleichbar. Wir führen diese Kontrollen außerhalb der Badesaison in Geithain wöchentlich durch, das Wasser muss also in den ersten Januartagen eingedrungen sein.

 

 

Hätte jemand die Gefahr erkennen können, das Wasser durch dieses Leerrohr eindringt?

Wir betreiben diese Anlage seit 2009 und haben sie in der Betriebsführung übernommen wie sie steht und liegt. So etwas war noch nie zuvor passiert und war offensichtlich dem hohen Grundwasserstand geschuldet. Die Elementarversicherung der Stadt, der das Bad gehört, hat den Schaden ja auch anerkannt.

 

 

Was ist mit Ihrer Versicherung? Stadträte haben immer wieder darauf verwiesen, dass der Betreibervertrag den Abschluss "aller nötigen Versicherungen" von der Oewa GmbH fordert.

Wir haben für die Betreibung des Geithainer Freibades eine Betriebshaftpflichtversicherung abgeschlossen, sie würde Schäden regulieren, die durch Fehler bei der Betreibung entstanden sind. Natürlich haben wir unserer Versicherung den Schaden ebenfalls gemeldet, weil das so üblich ist. Doch hier handelt es sich um ein Elementarereignis und nicht um einen Fehler des Betreibers.

 

 

Hätte die Oewa GmbH weitere Versicherungen für das Freibad abschließen müssen?

Nein. Bestandteil des Betreibervertrages sind die Verdingungsunterlagen, also ein Leistungsverzeichnis, und darin ist als Einziges diese im übrigen übliche Betriebshaftpflichtversicherung benannt. Im Zuge der Ausschreibung durch die Stadt Geithain im Jahre 2009 hatte unser Haus dazu noch einmal in der Stadtverwaltung nachgefragt, und ebenfalls diese Antwort bekommen. Das ist durch Schriftwechsel belegt.

 

 

Heißt das, die Oewa GmbH wird sich an den Kosten für die Behebung des Schadens nicht beteiligen?

Der Schaden ist durch ein Elementarereignis entstanden und demzufolge ein Versicherungsfall. Allerdings haben wir bereits kostenfrei vorbereitende Leistungen erbracht: Sofort nach Schadensfeststellung wurde fast 300 Kubikmeter Wasser abgepumpt und der Keller beräumt und gereinigt. Wir hatten dem Rathaus im April zudem zwei Vorschläge übermittelt, wie der Schaden aus unserer Sicht behoben werden könnte. Favorisiert haben wir die Variante, keine Reparatur vorzunehmen, sondern die Technik überwiegend zu ersetzen. Dann wäre es sinnvoll gewesen, das Freibad dieses Jahr nicht zu öffnen und wir wären bereit gewesen, einen Teil des Betriebsführungsentgeltes für 2013 in die neue Technik zu investieren. Die finanzielle Belastung der Stadt wäre so gering gewesen.

 

 

Denken Sie, es wäre den Bürgern zu vermitteln gewesen, das Freibad eine Saison lang gar nicht zu öffnen?

Ich bin selber Vater von drei Kindern, auch wir gehen im Sommer gern baden - ich kann die Bürger, die Stadträte und die Bürgermeisterin mit ihrem Wunsch nach schnellstmöglicher Öffnung verstehen. Doch ich denke, man hätte auch Wege finden können, den Ausfall einer Badesaison zu kommunizieren - mit der Maßgabe, das Bad kommendes Jahr auf einem vernünftigen technischen Stand und mit der erforderlichen Sicherheit zu eröffnen. Wir haben beispielsweise angeboten, einen Tag der offenen Tür durchzuführen, um den Badegästen den Stand der Arbeiten zu zeigen und transparent zu halten, warum diese Saison nicht stattfindet.

 

 

Was war Ihr anderer Vorschlag?

Ebenfalls eine weitgehende Erneuerung der Technik, aber mit der Maßgabe, das Bad im August zu eröffnen. Jedoch wären die Kosten für die Stadt bei dieser Variante deutlich höher gewesen. Gern hätten wir unsere Vorschläge auch öffentlich im Stadtrat vorgetragen.

 

 

Warum Erneuerung - kommt eine Reparatur aus ihrer Sicht nicht infrage?

Wenn in so einem Fall repariert wird, weiß man nie, ob das glückt. Das kann gut gehen, muss aber nicht. Selbst, wenn die Technik zunächst läuft, können später Defekte auftreten, es besteht ein großes Zeit- und Kostenrisiko. Hinzu kommt der für uns ganz wichtige Aspekt der Sicherheit für alle Badegäste, der stets Vorrang haben muss.

 

 

Die Stadt will die Schäden so weit beseitigen, wie es für einen sicheren Betrieb des Bades notwendig ist. Großes Ziel ist eine Eröffnung mit Beginn der Sommerferien, die Bürgermeisterin hat diesen Termin als "sehr sportlich" bezeichnet. Ein Eröffnungstermin steht somit noch nicht fest. Akzeptiert Ihr Unternehmen eine reduzierte Betreibergebühr, wenn die Saison kürzer ist?

Selbstverständlich stellen wir der Stadt nur die tatsächlich anfallenden Kosten in Rechnung. Zu bedenken ist aber: Die Vorbereitungsarbeiten nach dem Winter sind die selben - egal, ob wir das Bad im Juni oder im August eröffnen. Dazu kommt aufgrund der geschrumpften Vorbereitungszeit, dass wir mehr Leute einsetzen müssen.

 

 

Sehen Sie sich im Streit mit der Kommune?

Nein, wir akzeptieren die Entscheidung der Stadt und wollen im Schulterschluss mit ihr darauf hinwirken, das Freibad so schnell wie möglich zu eröffnen. Seit jenem 8. Januar stehen wir permanent mit dem Rathaus in Kontakt.

 

 

Gefährdet die spätere Öffnung Arbeitsplätze?

Wir gehen ja nun davon aus, die Saison durchzuführen. Der Geithainer Schwimmmeister ist Mitarbeiter unseres Unternehmens. Trotz der schwierigen Situation versuchen wir, ihn in anderen Bereichen einzusetzen, wenn im Bad keine Arbeiten anfallen, um den Arbeitsplatz zu erhalten.

 

 

Wie viele Besucher kommen durchschnittlich ins Geithainer Freibad?

Das hängt weitgehend vom Wetter ab. 2012 lief es mit rund 16 000 Besuchern relativ gut, nach nur 13 000 im Jahr zuvor. Jeweils rund 19 000 Gäste konnten wir in den Jahren 2009 und 2010 verzeichnen.

 

 

Kann im Bad jetzt schon etwas vorbereitet werden?

Arbeiten laufen beispielsweise an den Außenanlagen. Sobald ein Terminplan für die Arbeiten an der Technik vorliegt, werden wir parallel mitziehen, um die Vorbereitungszeit auf die Badesaison so kurz wie möglich zu halten. Allein die Beckenbefüllung mit Desinfektion dauert ja rund vier Wochen.

 

 

Welche Bäder betreibt die Oewa GmbH außer dem in Geithain?

Das Bad in Kleinbothen. Die Betreibung erfolgt konkret durch die Oewa Bädergesellschaft mbH, eine hundertprozentige Tochter der Oewa GmbH. Ich bin einer ihrer Geschäftsführer.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 01.06.2013

Inge Engelhardt

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