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Wunschliste des Lausicker Stadtchefs: „Mehr Gäste, neue Einwohner und sanierte Schule“

Interview mit Michael Hultsch Wunschliste des Lausicker Stadtchefs: „Mehr Gäste, neue Einwohner und sanierte Schule“

Dem Landkreis ein Grundstück für ein Containerdorf für Flüchtlinge anzubieten, nennt Michael Hultsch (parteilos) die schwerste Entscheidung in seinem ersten halben Jahr als Bad Lausicker Bürgermeister. Über die ersten sechs Monate im Amt und die Herausforderungen des Jahres 2016 sprach die LVZ mit ihm.

Bad Lausicks Bürgermeister Michael Hultsch im Gespräch mit der LVZ. (Archivfoto)
 

Quelle: Jens Paul Taubert

Bad Lausick.  Dem Landkreis ein Grundstück für ein Containerdorf für Flüchtlinge anzubieten, nennt Michael Hultsch (parteilos) die schwerste Entscheidung in seinem ersten halben Jahr als Bad Lausicker Bürgermeister. Der Stadtrat und er sehen sich in der Verantwortung, wohl wissend, dass viele Bürger der Asylpolitik kritisch gegenüber stehen. Über die ersten sechs Monate im Amt und die Herausforderungen des Jahres 2016 sprach die LVZ mit ihm.

Frage: Ein halbes Jahr liegt zurück, dass Sie die Leitung mehrerer Apotheken mit dem Chefsessel im Rathaus einer 8000-Einwohnerstadt tauschten? Wie schwer fiel das?

Michael Hultsch: Dieser Wechsel wurde mir leicht gemacht von meinen bisherigen Mitarbeitern wie von den neuen in der Stadtverwaltung. Ich bin angekommen im Rathaus, habe mich eingearbeitet.

Wo steht Bad Lausick? Ihre Bestandsaufnahme?

Die Stadt steht nicht schlecht da. 2015 ist die Zahl der Einwohner, die seit den neunziger Jahren stetig sank, erstmals konstant geblieben. Sie liegt bei 8057 Einwohnern. Knapp 80 Babys wurden geboren, so viele wie lange nicht. Die Verschuldung der Stadt könnte um 100 Euro pro Kopf gesenkt werden. Sie liegt bei 937 Euro pro Einwohner, Ende des Jahres soll es 832 sein. Dann liegen wir endlich wieder im Sachsen-Schnitt. Das Aufkommen an Gewerbesteuer ist stabil. Und beinahe täglich werden wir nach Grundstücken für Eigenheime gefragt. Wir können gar nicht jeden dieser Wünsche sofort erfüllen. Erfreulich auch das: Mehrere Unternehmen, die im Gewerbegebiet ansässig sind, wollen Kapazitäten ausbauen.

Und die Kur?

Die Auslastung der Kliniken ist gut. Das Riff hat stabil hohe Besucherzahlen. Was uns gelingen muss, ist, mehr selbst zahlende Kurgäste, Wellness-Urlauber und Touristen herzuholen. Deshalb ist es wichtig, dass das Ressort unmittelbar neben dem Riff gebaut wird. Ich hoffe, wir können noch 2016 starten.

Sechseinhalb Jahre als Bürgermeister liegen vor Ihnen. Wie wollen Sie die nutzen?

Mein Wunsch ist, dass die Einwohnerzahl weiter wächst. Dass mehr Gäste zu uns kommen. Dass wir dringende Infrastruktur-Projekte realisieren können: Straßen, Gehwege, Brücken, Beleuchtung. Die Sanierung der Grundschule muss in diesem Zeitraum unbedingt gelingen. Die Ortsteile müssen wir einbinden, mit den Nachbarkommunen kooperieren.

Der neue Bürgermeister hört zu, hieß es in den zurückliegenden Monaten. Die Erwartungshaltung ist nicht gering. Wie gehen Sie damit um?

Mit einem hohen Arbeitspensum. Das aktive Zuhören will ich fortsetzen, muss aber auch deutlich machen, dass manches nicht so oder nicht so schnell zu machen ist.

Ihre bisher schwerste Entscheidung?

Der Grundsatzbeschluss, für ein Containerdorf für Asylbewerber eine Fläche zur Verfügung zu stellen.

Was sagen Sie jenen Einwohnern, die diesen Schritt kritisieren?

Dass Bad Lausick nach dem geltenden Schlüssel zur Aufnahme von rund 200 Personen verpflichtet ist. Aktuell leben hier 25 in Wohnungen in der Kernstadt und in Steinbach. Ich kann die Ängste von Menschen verstehen, die Zweifel, dass so eine Unterkunft gut ist. Die Asylbewerber in Wohnungen unterzubringen, wäre der bessere Weg, der Integration erleichtern würde. Doch es gibt keine Bereitschaft, Wohnungen in dieser Zahl zu stellen.

Wann wird das Containerdorf aufgebaut - und wo?

Das ist zurzeit völlig offen. Es gibt keine näheren Gespräche mit dem Landkreis, keine Verträge, nur unseren Stadtratsbeschluss.

Mehr Aufgaben für die Kommunen und eine Finanzausstattung, die damit nicht Schritt hält: Wie wollen Sie Bad Lausick zukunftsfähig machen?

Wir müssen alle Fördermöglichkeiten, die es gibt, ausschöpfen. Steuererhöhungen, um die Eigenmitteln zu sichern, sind kein Thema für uns. Wir brauchen eine attraktive Stadt im Großen wie im Kleinen. Dazu gehören auch schnelle Datenwege, aber in die zu investieren, liegt nicht in unserer Hand.

Drei Schwerpunkte 2016?

Die Fertigstellung der Sporthalle. Der Ausbau der Heinrich-Heine-Straße. Der Baubeginn für das „Riff“-Ressort.

Die größte Herausforderung?

All das Genannte unter einen Hut zu bekommen – gemeinsam mit Stadtrat, Verwaltung und den Bad Lausickern selbst.

Von Ekkehard Schulreich

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