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Wyhra-Leitung für Eschefelder Teiche zum Kartoffelanbau genutzt – Protest

Naturschutzgebiet Wyhra-Leitung für Eschefelder Teiche zum Kartoffelanbau genutzt – Protest

Dank der neuen Leitung wird das Eschefelder Teichgebiet mit Wyhrawasser gespeist. Das führt zu einem deutlichen Anstieg der Pegel. Bei Bedarf und gegen Entgelt nutzt auch die Osterland Agrargesellschaft die Leitung, um ihre Kartoffelkulturen zu bewässern.

Auf der Insel im Großteich, der zu den Eschefelder Teichen gehört, brüten Wasservögel.

Quelle: Jens Paul Taubert

Frohburg. Wasser aus der Wyhra sorgt am Rande der Eschefelder Teiche für das Wachstum von Kartoffeln: Die Osterland Agrar GmbH nutzt in diesen Tagen die neu verlegte Leitung, die bei Trockenheit die Teiche des europäischen Vogelschutzgebietes zwischen Frohburg und Eschefeld mit Wasser aus der Wyhra versorgt. Der Landkreis Leipzig hatte als neuer Eigentümer vom Freistaat Sachsen die Verantwortung über die Teiche übernommen. Priorität hatte die Instandsetzung der Leitung, die im Frühjahr bereits genutzt wurde, um den Wasserspiegel der Teiche nach Jahren der Ebbe und der teilweisen Verlandung wieder zu heben.

Dass das in Frohburg ansässige Landwirtschaftsunternehmen diese Leitung zur Bewässerung von Felder nutzt, stößt bei Naturschützern durchaus auf Kritik. Von einem „einem fatalen Eingriff in den Lebensraum der Brutvögel“ spricht Peter Arnold aus Ballendorf, der das Geschehen im Naturschutzgebiet seit Jahren und Jahrzehnten kritisch begleitet. „Zudem bedeutet das, dass sich hier eine Branche Vorteil verschafft, die für den enormen Artenschwund in der umgebenden Feldflur und im Grünland des Teichgebiets mitverantwortlich ist.“ Besser wäre es doch, der Betrieb würde „außerhalb des Schutzgebietes Wasser entnehmen für Feldbewässerung, zum Beispiel aus einem separat versorgten Speicherbecken südlich des Straßen- oder Neuteichs“. Zurzeit mangele es aus Arnolds Sicht „an naturverträglicher und energiesparender Wasserhaltung“. Die Öffentlichkeit werde weitgehend im Unklaren gelassen über die wirkliche Situation im Eschefelder Teichgebiet. „Wir Naturschutzhelfer und Ornithologen werden beim Entwickeln von Maßnahmen im Naturschutzgebiet grundsätzlich nicht einbezogen, bleiben damit ohne Einfluss. So schwindet das Vertrauen.“

Dass die Pumpleitung mehrere Abnehmer nutzen – der Landkreis, Fischerei und Landwirtschaftsbetrieb –, sei doch sinnvoll, sagt Siegfried Runkwitz, Geschäftsführer der Osterland Agrar: „Für das, was für uns gebaut wurde, haben wir bezahlt. Und wir zahlen dem Kreis Geld für die Nutzung der Leitung. Das ist für beide Seiten vorteilhafter, als wenn wir selbst eine zweite, eine eigene Leitung gebaut hätten.“ Durch diese Einnahmen sei es dem Landkreis möglich, das eine oder andere im Naturschutzgebiet zu finanzieren. Schon 2009 – lange vor der Übergabe des Teichgebietes an den Landkreis – habe man mit dem Umweltministerium und mit dem Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien-Management (SIB) Gespräche geführt, um für die Fluren im Umfeld Wasser aus der Wyhra beziehen zu können. Osterland betreibe insgesamt acht solcher Entnahmestellen und besitze auch die Wasserrechte dafür. Die etwas südlicher bei Altmörbitz gelegene Talsperre Schömbach, sagt Runkwitz, diene schließlich nicht nur dem Hochwasserschutz, sondern auch der Brauchwasser-Versorgung. Über den vor Jahren neu gebauten Pegel Streitwald werde die Entnahme überwacht, und das teure Frohburger Schlossmühlenwehr habe so einen Sinn.

Zog in den DDR-Jahren die LPG „Florian Geyer“ Wasser aus dem Neuteich, um Gemüsekulturen zu versorgen, sind es heutzutage Kartoffeln, die oft zusätzliches Nass benötigen. In den vergangenen Jahren habe man mit einem erhöhten Risiko leben müssen, „doch es ist gut, wenn man dieses jetzt ausschließen kann“, so der Geschäftsführer. Die künstliche Bewässerung werde die Qualität der Kartoffeln heben, was wichtig sei für einen Betrieb, der sich unter anderem auf diese Knollen spezialisiert habe. Die Wasserentnahme kollidiere nicht mit der für die Teichbefüllung, denn beides finde in der Regel zu ganz anderen Zeiten statt. Und für den Fall, dass das Wasser in der Wyhra nicht reiche, leite man auch keines auf die Felder. An die Adresse der Kritiker sagt Siegfried Runkwitz: „Die Tür meines Büros steht offen.“ Peter Arnold aber habe noch nie das Gespräch mit ihm gesucht.

Der Landkreis bestätigt die Koopreration mit der Osterland Agrar bezüglich des Wassers. „Die neue Leitung des Landkreises weist mehrere Entnahmestellen auf, so dass das Unternehmen diese gegen eine Kostenerstattung mit nutzen kann“, sagt Behördensprecherin Brigitte Laux. Dies aber nur dann, „wenn wir selbst nicht pumpen“.

Von Ekkehard Schulreich

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