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Geithain Zehnjähriger im Bus eingesperrt: Thüsac-Chefin äußert sich
Region Geithain Zehnjähriger im Bus eingesperrt: Thüsac-Chefin äußert sich
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18:37 08.11.2018
Das Betriebsgelände der Thüsac Personennahverkehrsgesellschaft mbH in der Peniger Straße in Geithain. Quelle: Ekkehard Schulreich
Geithain

 Einen Tag nach Auffinden des als vermisst gemeldeten Frohburgers Jason W. in einem Bus der Thüsac, herrscht bei dem Verkehrsbetrieb noch immer Bestürzung. „Allen steckt der Schrecken noch in den Knochen“, berichtete Geschäftsführerin Tatjana Bonert Donnerstag Nachmittag. Der zehnjährige Förderschüler war am Dienstag auf dem Nachhauseweg von seiner Schule in Borna nicht an der Frohburger Haltestelle ausgestiegen, sondern im Schulbus sitzen geblieben – eventuell ist er eingeschlafen. Weil der Fahrer seinen Wagen nach Dienstende nicht kontrollierte, musste der Junge 13 Stunden im verschlossenen Bus auf dem Geithainer Betriebsgelände der Thüsac verbringen. Er wurde erst am nächsten Morgen vom selben Fahrer gefunden – unterkühlt, aber wohlauf.

Kontrolle des Busses ist vorgeschrieben

Bonert berichtet von gemischten Gefühlen innerhalb der Kollegenschaft: Alle seien vorrangig glücklich, dass dem Jungen nichts Schlimmeres passiert sei. Der betroffene Fahrer musste Donnerstag wie gewohnt Dienst schieben. „Für ihn war es natürlich besonders schwer, mit der Situation klarzukommen“, so Bonert. Der Sachverhalt sei einmalig und „im Normalfall unvorstellbar“. Alle Busfahrer seien angehalten, den Bus am Ende des Arbeitstages zu durchsuchen, etwa im Hinblick auf Fundsachen. Darauf würde auf den Schulungen, die drei bis viermal im Jahr für die Fahrer stattfinden, regelmäßig hingewiesen. „Es ist kein grundsätzliches Problem, sondern ein menschlicher Fehler“, ist sie sich sicher.

Thüsac plant Treffen mit Familie

Denn dass Personen nach Stopp an der Endhaltestelle nicht aussteigen, komme in der Regel nicht vor. Höchstens Schulkinder verpassten hin und wieder ihre Haltestelle oder seien unsicher, wo sie auszusteigen hätten. Das falle aber spätestens an der Endhaltestelle auf, sagte Bonert. Über die Einsatzzentrale würden dann die Eltern informiert und die Kinder von der Thüsac nach Hause gefahren.

Die Wirtschaftsingenieurin hat bereits am Mittwoch mit der Familie von Jason telefoniert und sich für das Fehlverhalten entschuldigt. Zeitnah solle nun ein Treffen mit den Erziehungsberechtigten stattfinden – vor allem dem Busfahrer sei es ein Anliegen, sich persönlich zu entschuldigen. „Wir alle können uns vorstellen, dass es für die Angehörigen eine furchtbare Nacht war“, sagte Bonert, selbst Mutter eines gleichaltrigen Kindes.

Unterschiede im Stadt- und Landverkehr

Die Konkurrenz im Busgeschäft ist ähnlich froh über den glücklichen Ausgang der Vermisstensuche. Thomas Fröhner, Pressesprecher von Regionalbus Leipzig, deren Busse ebenfalls im Landkreis unterwegs sind, erfuhr bereits am Mittwochabend auf LVZ.de von dem Vorfall. „Als ich Geithain gelesen habe, war mir gleich klar, dass es sich um die Thüsac handeln muss“, erzählte er. Und weiter: Eigentlich dürfe so etwas nicht passieren. Vergleichbares sei während seiner fünfjährigen Firmenzugehörigkeit nicht vorgekommen. Das Unternehmen mit Sitz in Deuben befördert in seinen Linienbussen täglich eine große Anzahl von Schülern, betreibt jedoch keine Schulbusse.

Sowas kommt eher in den Städten vor

Laut Fröhner komme es auf dem Land äußerst selten vor, dass jemand nach Fahrtende aus dem Bus gebeten werde muss. „Im städtischen Verkehr passiert das viel häufiger – gerade alkoholisierte Personen schlafen nachts mal auf ihrem Sitz ein“, weiß der ehemalige Tramfahrer. Wenn es dagegen tatsächlich einmal passieren sollte, dass ein Busfahrer des Unternehmens an der Endhaltestelle einen Fahrgast übersehen haben könnte, würde dieser spätestens bei der „Einrückkontrolle“ auf dem Bushof aufgespürt, schilderte Fröhner ausdrücklich im Konjunktiv. In dem Busdepot werde das Fahrzeug betankt, Kühlwasser aufgefüllt und es erfolgt eine abschließende Durchsicht des Wagens. „Aufgrund dieses Prozederes halte ich einen Vorfall wie diesen bei uns für nahezu ausgeschlossen.“

Bei der Thüsac müssen Fahrzeuge ebenfalls betankt und gereinigt werden. Dies geschehe allerdings nicht täglich, sonst wäre Jason von der Putzkolonne entdeckt worden, meint Tatjana Bonert. Zu den täglichen Pflichten gehöre aber ausdrücklich die Fundsachenkontrolle. Und spätestens da hätte der junge Fahrgast vom Fahrer entdeckt werden müssen.

Von Maximilian König

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