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Geithain Zeitige Ankunft: Storchendame nimmt Thränaer Horst in Beschlag
Region Geithain Zeitige Ankunft: Storchendame nimmt Thränaer Horst in Beschlag
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12:29 17.02.2016
Im Horst von Thräna hat sich bereits eine Storchendame niedergelassen. Quelle: Jens Paul Taubert
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Borna/Frohburg

Sie ist zurück. Mit stolzem Schritt schreitet die Storchendame auf den Mist im Hof von Jörg Spörl zu. Dort sucht sie mit ihrem langen Schnabel nach Essbarem. „Ein fremder Storch würde das nie tun“, ist sich der Thränaer sicher. Dieses Vertrauen hegt nur die Henne, die bereits seit zwei Jahren auf seinem Horst brütet. Obwohl das Tier nicht beringt ist, schließt der Experte einen Irrtum aus.

Ungewöhnlich zeitig sind die Störche bereits in diesem Jahr zurück. Die Henne, die sich im Thräner Horst niedergelassen hat, ist seit 11. Februar zurück, erzählt Spörl. Durch die Klimaveränderung würden viele Tiere in Spanien auf Deponien überwintern. Sobald es die Temperaturen zuließen, würden sie den kurzen Rückflug wagen. Während im harten Winter von 2010 die Tiere erst im März in der Region gesichtet worden waren, datierte die Ankunft in den zurückliegenden drei Jahren eher. Vor einem Jahr flog die Storchendame von Thräna bereits am 23. Februar ein, ihr damaliger Partner kam am 27. Februar an.

Spörl stellt der früher Bewohner im Horst vor ein handfestes Problem. Weil die Vögel nicht auf dem Rand, sondern auf der nah am Nest installierten Videokamera landen, hat sich das Gerät verstellt. Sturm und Unwetter hatten ihn bislang davon abgehalten, den Mast hinaufzuklettern und die Technik neu einzustellen. Jetzt liegt er auf der Lauer, um einen Zeitpunkt abzupassen, in dem Adebar auf Futtersuche ist. Mit Fleischstückchen auf dem Mist lockt er das Tier aus dem Nest. Die Kamera soll wieder flott gemacht werden. Denn der Einblick ins Nest gibt Aufschluss auf das Verhalten des Brutpaares. Im vorigen Jahr hatten die Störche drei Jungtiere aufziehen wollen, nur eins kam durch. Zwei holte der Milan.

Die diesjährige frühe Ankunft von Adebar in Thräna ist keine Eintagsfliege. Der erste dieser Vögel war Naturschützern zufolge bereits am 31. Januar in Frohburg entdeckt worden. Das Tier sorgt bei den Frohburgern für Aufsehen, wie Gunda und Henning Weiske nach dem Wochenende berichteten. „Während unseres Spazierganges haben wir am Kaplanberg/Ecke Wiesenweg Richtung Benndorf einen Storch wahrgenommen, der einige Minuten lang über unseren Köpfen kreiste.“ Der Vogel habe plötzlich seine Flughöhe verringert, um vermutlich sein ankommendes Weibchen zu begrüßen. „Beide kreisten noch einige Male über uns, stiegen aber dann weiter auf. Es war ein Schauspiel der besonderen Art“, so die Leser, die bedauern, dass sie ihr Smartphone nicht dabei hatten, um dieses Erlebnis zu dokumentieren.

In Regis-Breitingen wurde sogar ein „Winterstorch“ gesichtet, der nach einer Verletzung ausgewildert wurde und die Reise nach Afrika oder Spanien gar nicht erst angetreten hatte. Den Experten vom Naturschutzinstitut Dresden ist das Phänomen bekannt. Angesichts der zunehmend wärmeren Winter sei es denkbar, dass künftig mehr Störche hier bleiben. Dennoch warnte Naturschützerin Sylvia Siebert davor, die Tiere zu füttern. „Nur bei verletzten oder sehr geschwächten Vögeln. Ansonsten bitte nicht eingreifen.“

Zufrieden mit der Vorjahresbilanz waren die beiden Storchenbeauftragten für die Altkreise Borna und Geithain, Andreas Fischer und Jens Frank. In Fischers Verantwortungsbereich fanden sich sechs Storchenpaare ein, die elf Junge aufziehen konnten. Drei wuchsen in Groitzsch und zwei in Pegau auf, gleich fünf sogar in Oelzschau. Eine solch hohe Anzahl von Jungtieren im Nest wurde für die Region zuletzt 1975 registriert. Hinzu kam der junge Adebar in Thräna. Die Paare von Rötha und Saasdorf blieben diesmal ohne Brut.

Für die Geithainer Region meldete Jens Frank 2015 acht Brutpaare. Sie zogen insgesamt 18 Jungvögel groß: je drei in Frohburg, Syhra, Prießnitz und dem Geithainer Altdorf. Jeweils zwei Junge wuchsen in den Nestern auf der Geithainer Mosterei, in Frankenhain und Niedergräfenhain heran. In Letzterem konnte erstmals eine erfolgreiche Brut verzeichnet werden. Nur in Jahnshain ging nach schweren Horstkämpfen das komplette Gelege kaputt.

Im Freistaat Sachsen wurden im Vorjahr 317 Brutpaare gezählt – gut 20 weniger als 2014. Insgesamt hatten 565 flügge gewordene Jungstörche ihre Nester verlassen, 65 weniger als 2014. Meister Adebar macht vor allem der Nahrungsmangel zu schaffen. Brachflächen und kleine Gewässer verschwinden, Mais- und Rapsfelder nehmen zu. Dennoch sieht Spörl in der kommenden Saison gute Bedingungen für die Tiere. Eine Mäuseplage sorgt dafür, dass sie ausreichend Futter finden sollten.

Für Spannung sorgt jetzt nur noch, wer um die Gunst der Storchendame in Thräna buhlen wird. August der Starke, der mehrere Jahre Gräfin Cosel im Horst beglückte, ist schon seit Jahren nicht mehr gesichtet worden. Da das Paar in Afrika überwintert und erst spät nach Europa zurückkehrt, haben beide das Nachsehen. Dann ist der Horst in Thräna schon belegt.

Von Birgit Schöppenthau

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