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Zeitreise auf zwei bis vier Rädern

Zeitreise auf zwei bis vier Rädern

Sie tuckern und brummen, blinken und glänzen, ziehen alle Augen auf sich und, nun ja, manche stinken auch. 125 Autos, Motorräder und Gespanne starteten am Sonnabend bei der Oldtimer-Ausfahrt des Vereins der Oldtimer-Freunde des Kohrener Landes.

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Das Auto ist 25 Jahre älter als der Fahrer: Vor dem Start in Terpitz poliert Horst Bräuer sein Auto, das vor 100 Jahren in Coventry in England gebaut wurde.

Quelle: André Neumann

Terpitz. Zwischen den vielen Fahrzeugen auf der Wiese am Elisenhof in Terpitz staunt der Laie: Trabant, Wartburg, Skoda - vor gefühlt erst ganz kurzer Zeit waren das hierzulande die Alltagsautos. Das sollen jetzt schon Oldtimer sein? Sie sind es, wenn sie mindestens dreißig Jahre alt sind. Und das schaffen einige Trabants und Co. mittlerweile eben locker.

In diese Kategorie, bei der einem der Begriff Oldtimer noch nicht so locker über die Lippen geht, gehört auch der graue Toyota Landcruiser, mit dem Erwin Klötzen aus Leipzig ins Kohrener Land gekommen ist. Man glaubt, so hätten Geländewagen erst vor Kurzem noch ausgesehen, doch in den Papieren steht 1978 und wenn man mit dem ins Gelände will, muss man an jedem Vorderrad einen Schalter drehen, um die Achse zu sperren. Die Technik ist dann doch längst nicht mehr zeitgemäß. Vor dem Start hängt am Toyota ein noch sechs Jahre älterer Feuerwehrspritzen-Anhänger im gleichen Grau wie das Auto. Der Hänger bleibt während der Ausfahrt hier stehen, an einer Seite klebt eine Werbung für das Oldtimer- und Schleppertreffen am 21. Juni in Frohburg.

Doch immerhin starten Autos und Motorräder in je vier Alterskategorien, die ältesten sind mindestens 79 Jahre alt. Cornelia und Andreas Tappert aus Ballendorf fahren in dieser Klasse. Ihr Auto ist ein Monument aus glänzendem weinroten und schwarzem Blech und Chrom und trägt auf dem Kühler einen stolzen Kranich. Dieser Studebaker wurde 1935 in den USA für den europäischen Markt gebaut, in ihm fuhr bis 2008 ein Schweizer Käsefabrikant.

Zu Hause haben sie noch ein Cabrio derselben Marke stehen. Doch obwohl jetzt die Sonne scheint, haben Tapperts die Limousine gewählt. "Heute morgen war es zu kalt", lacht Andreas Tappert. Den wahren Grund erzählt seine Frau. Beide haben sich erstmals für die Sachsenmeisterschaft angemeldet, für die dies hier der erste Lauf ist. Dabei muss man immer mit demselben Auto fahren. "Es könnte ja bei einem der Läufe mal regnen", sagt sie.

Das älteste Auto am Start gehört Horst Brauer (75) aus Leipzig und ist exakt 100 Jahre alt: Swift of Coventry 10 HP Light Car heißt der englische Wagen, dessen einziger Luxus eine kleine Uhr und ein klappbares Stoffverdeck sind. Vor dem Start putzen Bräuer und sein Begleiter Steffen Wenzel noch eifrig die Messingbeschläge auf der Karosse, nachher auf der Strecke werden sie Mühe haben, manche Kurve in einem Zug zu nehmen. Das älteste Motorrad am Start ist eine DKW von Hellfried Starke aus Altlommatzsch. Zum ersten Mal ist in diesem Jahr auch die Jugendklasse mit Fahrern bis 25 Jahre bei den Autos besetzt, freut sich Organisationsleiter Karsten Krüger. Lisa Lätzsch startet im Trabant 500, Daniel Götze im Trabant 601.

Julien, Max und Luke interessieren sich noch nicht für Technik und das Alter der Autos. Die fünf und vier Jahre alten Jungs spazieren mit ihren Müttern Yvonne Braunert, Simona Strohbach und Christin Benndorf zwischen den Fahrzeugen entlang und finden ihre ganz eigene Wertung. Julien und Max sind sich einig, rot ist ihre Lieblingsfarbe, so muss auch das Lieblingsauto aussehen. Julien zeigt auf einen roten Skoda, Max auf einen MG in dieser Farbe.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 12.05.2014
André Neumann

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