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Zu geheimnisvollem Grab bei Beucha wandern

Zu geheimnisvollem Grab bei Beucha wandern


Beucha. Die Beuchaer Kulturrevolution steht für Unterhaltung, das Tatarengrab für Geschichte, der Festverein für ein funktionierendes Dorfleben: Wenn am 18. September hier die 17. LVZ-Wanderung startet und endet, können sich alle selbst ein Bild davon machen.

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Fast zwei Jahrhunderte ist es her, dass am Rand von Kleinbeucha ein weitgereister Offizier begraben wurde: „Jussuf, der Sohn des Mustapha, der Großmütige und Tapfere", wie es auf dem ursprünglichen Stein geschrieben stand, büßte 1813 im Vorfeld der Völkerschlacht sein Leben ein. Dass die Grabstätte erhalten blieb und dass Spaziergänger am Waldsaum heute noch einen gepflegten Ort der Stille und Einkehr finden, ist in den zurückliegenden Jahren das Verdienst des Festvereins Beucha. Der, 1996 gegründet, hat in seiner Satzung nicht nur das Bemühen um das dörfliche Leben festgeschrieben, sondern auch die Pflege des Grabs. Wenn am 18. September von Beucha aus die Teilnehmer zur 17. LVZ-wanderung aufbrechen, dann ist das Tatarengrab, wie es der Volksmund nennt, die erste Station. Der Festverein Beucha selbst kümmert sich an diesem Tag aber vor allem um ein gelungenes Wanderfest, das am Ende der 14-Kilometer-Tour über Steinbach und Kitzscher in Beucha stattfindet.

„Nach 1813 sind immer wieder welche aus Russland gekommen und haben das Grab gepflegt, so sagt es die Überlieferung", erzählt Monika Müller. Die 69-jährige Beuchaerin, die im Vorstand des Festvereins mitarbeitet, ist heute diejenige, die sich maßgeblich um die Grabstätte kümmert, Laub beseitigt, Blumen pflanzt und gießt. Wenn nötig, geht sie einmal in der Woche mit der Kanne hinaus an den Waldrand. Bei der kürzlichen Erneuerung der Bänke griff Helmut Schindler mit zu. In den Jahrzehnten, als es im Steinbacher Herrenhaus eine Schule gab, kümmerten sich die Mädchen und Jungen darum. Dass das Grab trotz seiner versteckten Lage nicht vergessen ist, bemerkt Müller an den Blumen, die Fremde dort immer wieder ablegen, vor allem in den Tagen des Oktobers, wenn sich die Völkerschlacht jährt. Sie kämen auch von weiter her, vermutet Müller; offizielle Verbindungen in Richtung Russland und in die Heimat des sagenumwobenen Offiziers hat der Festverein indes nicht. Mit der Geschichte des Grabes haben sich in den vergangenen Jahrzehnten mehrere Heimatgeschichtler befasst, unter ihnen ein Herr Dölling aus Borna, der im Auftrag der Gemeinde Beucha in den siebziger Jahren alle chronistischen Informationen zusammentrug. Als Beucha seine Eigenständigkeit verlor, sicherte Monika Müller eine Kopie der Unterlagen: „Ich habe sie inzwischen in den Computer getippt und nutze sie, wenn ich Besuchergruppen etwas über das Grab erzähle." Am 18. September wird sie diese Geschichte(n) wohl oft wiederholen müssen.

Der Festverein Beucha unter dem Vorsitz von Lutz Rische, der 23 eingeschriebene Mitglieder zählt, die Zahl der Aktiven aber verdoppelt, wenn es um die Organisation von Veranstaltungen geht, ging Mitte der neunziger Jahre aus einer privaten, von der Gemeinde unterstützten Initiative hervor: dem Zuckertütenfest. Steht der Festverein heute vor allem für das Dorffest im Frühsommer und für das 2010 zum vierten Mal veranstaltete Oktoberfest, sei der Ursprung nicht in Vergessenheit geraten, sagt Monika Müller: „Bei uns bekommt immer noch jeder Schulanfänger eine Zuckertüte." Darüber hinaus lebt der Verein von spontanen Einfällen, etwa wenn kurzfristig Schnee- oder Eisfeste nicht nur die Beuchaer auf die Beine bringen.

Zwei Wochen vor dem 4. Oktoberfest beweist der Festverein am 18. September, dass er ein profunder Gastgeber ist und dass er mit mehreren Hundert durstigen und hungrigen Gästen bestens zurecht kommt. Es gibt Deftiges vom Grill und Nudeln mit Tomatensoße, der Steinbacher Heimatverein fährt seine (Kessel-)Gulaschkanone auf. Zum Kaffee wird selbst gebackener Kuchen gereicht. Dass die Beuchaer darüber hinaus auch kulturell etwas auf der Pfanne haben, davon dürfen sich die Wanderfest-Besucher überraschen lassen. „Wir haben Stars eingeladen", verspricht Vereinschef Lutz Rische. Und die „Beuchaer Kulturrevolution" ist längst zu einer Exportmarke avanciert...

Wer bei der 17. LVZ-Wanderung am 18. September rund um Beucha dabei sein möchte, kann sich in der Bornaer Redaktion anmelden (03433/27 07 10). Dann erfährt jeder seine Startzeit. Die Streckenlänge beträgt 14 Kilometer, von rund fünf Stunden Tour ist - mit Pausen - auszugehen.

Ekkehard Schulreich

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