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Zweifacher Schlussakkord

Zweifacher Schlussakkord

Ein voller Erfolg wurde die Anne-Frank-Ausstellung im Schloss Frohburg und die Reihe der sie begleitenden Veranstaltungen. Vorgestern ging sie mit zwei Schlussakkorden zu Ende.

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Die Gedenktafel für ehemalige jüdische Mitbürger auf einem Findling im Frohburger Freibad wurde ) enthüllt.

Quelle: Jens Paul Taubert

Frohburg. Eine Gedenktafel zur Erinnerung an die jüdischen Mitbürger Franz Hermann und Hugo Braunsberg wurde um 17 Uhr im Frohburger Stadtbad eingeweiht. Eine Stunde später war im Rathaus der Rennstadt eine Abschlussveranstaltung mit den ehrenamtlichen Ausstellungsbegleitern.

Nicht nur Karl-Heinz Zschunke hatte Tränen der Freude und der Rührung in den Augen, als er vorgestern im Stadtbad kurz das Wort ergriff. Schließlich bemühte sich der Frohburger Rentner 21 Jahre, dass Franz Hermann und Hugo Braunsberg ein Denkmal gesetzt werde. Seit vorgestern schmückt eine Tafel einen im Badareal bei Reparaturarbeiten gefundenen Findling. Die beiden jüdischen Bürger waren nicht nur Mitinhaber der Textildruckerei, die von 1922 bis 1938 Hauptarbeitgeber in der Stadt war. Sie hatten auch maßgeblich Anteil, dass nach dem Auslaufen und Stillsetzen eines damaligen Steinbruchs hier ein Stadtbad entstand. "Einer der Hauptgeldgeber für das teure Objekt war in den Jahren 1934/1935 die jüdische Fabrikbesitzerfamilie Braunsberg", so Zschunke.

Doch nach der Machtübernahme der Nazis schaukelte sich auch in Frohburg die Stimmung vieler, vor allem junger verblendeter Mitbürger gegen die jüdischen Einwohner hoch. Die Folge: Am Tag der Baderöffnung, dem 4. August 1935, wurden die jüdischen Kinder aus diesem Bad heraus getrieben, durften nicht mitbaden. "Wir haben die Verpflichtung, Sorge zu tragen, dass es in Deutschland nie wieder zu solch einem diktatorischen, verbrecherischen Staat kommt", so Zschunke. Damit werde zugleich der Bitte der in den USA lebenden Yvonne Braunsberg-Wagner entsprochen, ihres Vaters Franz Hermann und ihres Onkels Hugo Braunsberg zu gedenken. Beide wurden von den Nazis deportiert und in Auschwitz ermordet. Frohburgs Bürgermeister Wolfgang Hiensch, gab seiner Freude Ausdruck, dass ein lang gesetztes Ziel dank des Engagements von Bürgern - neben Karl-Heinz Zschunke wurden Stadtrat Andreas Mertin und das Freibadteam erwähnt - erreicht wurde, ein solch sichtbares Zeichen des Gedenkens an Opfer des Holocaust zu setzen.

Wenig später zogen Vertreter des Flexiblen Jugendmanagements beim Kinder- und Jugendring des Landkreises im Rahmen des Lokalen Aktionsplans "Miteinander Tolerant Leben" im Frohburger Rathaus ein Fazit über das Projekt. "Es war ein Riesenerfolg. Über 1000 Besucher, darunter 36 Klassen mit rund 700 Schülern, machten sich mit der Schau vertraut", konnte Cornelia Klingner konstatieren. Besonders erfreut waren die Initiatoren, dass sich innerhalb kürzester Zeit 16 Mädchen und Jungen aus den zehnten Klassen der Maxim-Gorki-Oberschule Frohburg freiwillig gemeldet hatten, um als Begleiter Besucher durch die Schau zu führen. "Dass es hier spontan so viele interessierte und engagierte Jugendliche gab, hat selbst die Mitarbeiter des Anne-Frank-Zentrums Berlin erstaunt.Und es wird nun in einer geplanten Broschüre über die Stadtgrenzen hinaus gewürdigt", so Ulrike Läbe. Deshalb bekundete auch Bürgermeister und Schirmherr Hiensch, mächtig stolz auf die Akteure zu sein. "Denn es ist wichtig, vor allem junge Leute zum Nachdenken anzuregen, ihnen auf den Weg zu geben, dass Gewalt und Kriege immer zu verdammen sind", so das Stadtoberhaupt. Dass diese Zeit den Zehntklässlern zudem selbst Gewinn brachte, unterstrich Max Bischoff: "Ich wusste vorher wenig über diese ganze Thematik." Auch Lisa Kwiezinski bereute ihr Mittun nicht. "Acht Führungen habe ich geleitet. Und meist war das Interesse der Gruppen groß."

Mit dem Schicksal des jüdischen Mädchens werden sich die Ausstellungsbegleiter nicht das letzte Mal beschäftigt haben. Denn für sie gab's als Dankeschön am Ende eine Überraschung. "Ihr fahrt im nächsten Jahr ins Anne-Frank-Haus nach Amsterdam", so Andreas Rauhut.

Für das Flexible Jugendmanagement geht die Arbeit nun an anderen Orten weiter. So werden am 4. Dezember um 14.30 Uhr in Colditz am Markt drei Stolpersteine zum Gedenken an die jüdische Familie Nussbaum verlegt. Im kommenden Jahr soll unter anderem geholfen werden, einen Skaterpark in Neukieritzsch zu schaffen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 30.11.2013
Lang, Thomas

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