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Grimma 207 Einsätze – Unwetter halten Grimmas Feuerwehrleute auf Trab
Region Grimma 207 Einsätze – Unwetter halten Grimmas Feuerwehrleute auf Trab
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00:20 14.01.2018
Die Evakuierung nach der Bombendrohung gegen das Seniorenheim „Claudine Thévenet“ gehörte zu den außergewöhnlichen Einsätzen der Grimmaer Feuerwehr im Jahr 2017. Quelle: Frank Schmidt
Grimma

Mit einem satten Einsatz-Plus sahen sich im vorigen Jahr die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Grimma konfrontiert. 207 Einsätze stecken in ihren Knochen und damit 64 mehr als im Jahr 2016. Schuld daran haben auch ex- treme Wetterlagen, die zu etlichen technischen Hilfeleistungen führten. Allein beim Sturm Herwart, der am 29. Oktober über Deutschland und das Muldental fegte, mussten die Grimmaer Floriansjünger 29 Alarmierungen abarbeiten. Umgestürzte Bäume, lose Dachziegel – die Feuerwehrkräfte hatten an jenem Tag alle Hände voll zu tun. Ein Baum war zum Beispiel auf das kommunale Toilettenhäuschen im Schwanenteichpark geknallt. „Und am Bahnhof lag ein Baum quer über einem Auto“, erinnert sich Wehrleiter Michael Grimm (44). Bis nach Mutzschen seien die Grimmaer mit ihrer Drehleiter gerufen worden. Auch das Unwetter am 30. Mai mit seinen heftigen Regenfällen hielt die Grimmaer Feuerwehr auf Trab. Neunmal musste sie raus, darunter zu einem Blitzschlag in ein Gebäude des Rumberges. Zum Glück fing das Haus kein Feuer. Das Sturmtief Thomas Ende Februar forderte vier Einsätze der Grimmaer Kameraden. So war auf dem Aldi-Parkplatz ein entwurzelter Baum auf gleich drei Personenkraftwagen gekracht.

„Das extreme Wetter nimmt seit einigen Jahren zu“, hat der Wehrleiter beobachtet. Immer häufiger kämen die Tiefs mit Orkanböen und starken Niederschlägen daher. Die Folgen schlagen sich bei der Feuerwehr im Einsatzbuch nieder. Alles in allem registrierten die Grimmaer Kameraden im vorigen Jahr 145 technische Hilfeleistungen, wobei sie auch zunehmend Rettungsdiensten zur Seite stehen. So werden sie gerufen, wenn hilflose Personen aus der Wohnung geholt werden müssen. Die Feuerwehrleute besitzen die Technik, um verschlossene Türen zu öffnen oder stark übergewichtige Menschen mit einer Tragehilfe zu transportieren. Da kommt es auch vor, dass die Schwergewichte durchs Fenster auf die Drehleiter gehievt werden müssen.

Auch der Einsatz bei Unfällen gilt als technische Hilfeleistung – zum Beispiel wenn eingeklemmte Menschen aus ihrem Fahrzeug befreit werden müssen. Das war der Fall, als am 28. September auf der A 14 ein Laster auf einen Gefahrguttransporter rauschte. Mit Stickstoff gefüllte Gasflaschen waren dabei aus ihrer Verankerung gerutscht, die Autobahn in beiden Richtungen über Stunden gesperrt. „Wir stellten hier auch den Brandschutz sicher“, blickt Grimm zurück. Seine Leute eilten im vorigen Jahr auch einem kleinen Hund zu Hilfe, der am 23. August auf der Stadtwald-Seite in die Mulde geraten war und vergeblich versuchte, das rettende Ufer zu erklimmen. Das gerettete Tier wurde seinen Besitzern übergeben.

Die derzeit 71 aktiven Feuerwehrleute der Grimmaer Wehr rückten im alten Jahr zu 33 Bränden aus. Drei ragen heraus: Am 24. Januar stand in Leipnitz eine Werkstatt nebst Wohnhaus in Flammen. Am 7. März war ein mit 700 Schweinen beladender Laster an der Autobahnabfahrt Grimma in Brand geraten. Und am 7. September brannte es in einem Wohnhaus in Grechwitz. Der Mieter hatte in seiner Wohnung im zweiten Obergeschoss eine illegale Hanfplantage betrieben und flog auf, als ein umgekipptes Heizgerät den Boden entzündete.

Bei ihren 207 Einsätzen hatten es die Feuerwehrleute mit mehreren Verletzten und auch mit drei Todesopfern zu tun. Ostern zum Beispiel verbrannte ein Mann in seinem Auto, als er auf der A 14 aus der Spur geriet und gegen einen Baum krachte. In vier Fällen vereitelten die Kameraden Suizidversuche. Heraus ragte auch ihr Einsatz am 16. Oktober, als sie nach einer Bombendrohung gegen das Altenpflegeheim „Claudine Thévent“ beim Evakuieren halfen. Und 25-mal mussten die Grimmaer ausrücken, weil Brandmelder eine Gefahr signalisierten.

Das Jahr brachte „eine hohe Belastung der Einsatzkräfte“ mit sich, bilanziert der 44-jährige Wehrleiter. „Für die hohe Einsatzbereitschaft kann man nicht genug danken.“ Bislang konnten die Grimmaer immer ausrücken. Doch vor allem montags bis freitags ist es von 6 bis 16 Uhr kritisch, im Ernstfall die Fahrzeuge mit ausreichend Personal zu besetzen. Dann sind die meisten Feuerwehrleute auf Arbeit oder Montage und können sich nicht immer loseisen. „Prekär ist es vor allem in der Urlaubszeit“, erklärt der Wehrleiter. Gemeinsam mit der Stadtverwaltung fand sich aber im letzten Jahr eine praktikabele Lösung, freut sich Grimm. Die Stadt Grimma stellte 2017 mit Max Richter (Gerätewart) und Christian Nadansky (Ordnungsamt) zwei weitere Feuerwehrleute ein, so dass jetzt sieben Floriansjünger bei der Kommune ihr Brot verdienen. Sie stehen tagsüber Gewehr bei Fuß und garantieren die Einsatzstärke. „Das hat sich schon bewährt“, so Grimm auch mit Blick auf den Zeitfaktor. Beim Ausrücken zählt schließlich jede Sekunde.

Von Frank Prenzel

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