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475 Jahre – Grimmas Friedhof entstand noch zu Luthers Lebzeiten

Jubiläum 475 Jahre – Grimmas Friedhof entstand noch zu Luthers Lebzeiten

Grimmas Friedhof entstand noch zu Luthers Lebzeiten. Und der Reformator ist genau genommen auch die Ursache, dass am damaligen Stadtrand ein neuer Gottesacker geschaffen wurde. Das ist jetzt 475 Jahre her. Die Friedhofsmitarbeiter nehmen die runde Zahl zum Anlass zu einer ungewöhnlichen Einladung an die Grimmaer für den 13. August.

Auf dem Friedhof Grimma können Besucher am 13. August auf Rundgängen die Geschichte erleben.

Quelle: Thomas Kube

Grimma. Grimmas Friedhof entstand noch zu Luthers Lebzeiten. Und der Reformator ist genau genommen auch die Ursache, dass am damaligen Stadtrand ein neuer Gottesacker geschaffen wurde. Das erste Begräbnis im Jahr 1542 gilt als die Geburtsstunde der Totenstätte. Das ist nun stolze 475 Jahre her. Die Friedhofsmitarbeiter nehmen die runde Zahl zum Anlass zu einer ungewöhnlichen Einladung an die Grimmaer. Um 10.15 Uhr beginnt am 13. August mit einem Festgottesdienst ein vielfältiges Jubiläumsprogramm, das um 14.30 Uhr in einen theatralischen Spaziergang mündet: „Wer hat Gogols Schädel gestohlen?“

Silke Brück ist seit fünf Jahren die Verwalterin des 3,75 Hektar großen Friedhofs mit seinen etwa 4000 Grablagern. Und natürlich hat sie alles gelesen, was sie zur Historie ihrer Arbeitsstätte in die Finger bekommen konnte. Eine gute Quelle sei Stadtchronist Christian Gottlob Lorenz (1804-1873), der selbst auf dem Grimmer Gottesacker begraben liegt. „Mein Grimma lob ich mir“ vom Namenforscher Horst Naumann (1925-2015) biete ebenso eine ergiebige Quelle wie die Veröffentlichungen von Heimatfreund Rudolf Priemer.

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Grimmas Friedhof wird in diesem Jahr 475 Jahre alt. Aus diesem Anlass gibt es am 13. August ein vielfältiges Programm. Bei einem Streifzug über den Gottesacker zeigen sich Vergangenheit und Gegenwart.

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Im Zuge der von Martin Luther ausgelösten Reformation gab es 1534 die zweite Visitation. Beauftragte der Evangelisch-Lutherischen Kirche waren unterwegs, um den kirchlichen Bestand im Land zu erfassen. In jenem Jahr legten sie dabei fest, weiß Brück, dass die Friedhöfe außerhalb der Stadtmauern anzulegen sind. Doch erst sieben Jahre später konnte der Rat zu Grimma von einer Valentine Bockwitz ein Feldstück zu diesem Zweck erwerben. Auf ihm entstand der neue Totenacker, die Friedhöfe um Frauen- und Nikolaikirche wurden aufgegeben. Das Schicksal wollte es, dass ein Enkelkind der Valentine Bockwitz 1542 hier als erster Mensch beerdigt wurde.

Auf dem neu angelegten Gräberfeld wurde von 1556 bis 1559 die Friedhofskirche „Zum Heiligen Kreuz“ errichtet und später mehrfach umgebaut und erneuert. 1910 erhielt sie den prächtigen, vermutlich von Valentin Elner erschaffenen Wandelaltar der 1888 abgerissenen Nikolaikirche. Drei kirchliche Motive bietet der Nikolaus-Altar, der zum Jubiläum am 13. August um 11.30 Uhr vor aller Augen gewandelt wird. Übrigens wurden die drei Glocken der Nikolaikirche seinerzeit ebenfalls zum Friedhof gebracht und befinden sich heute im dortigen Glockenhaus nahe der Kirche. Bei kirchlichen Beisetzungen läuten sie zur Trauer.

Grimmas Begräbnisstätte wurde drei Mal erweitert. Als die Stadt durch den Eisenbahnanschluss einen industriellen Schub erfuhr und an Einwohnern gewann, entstand 1870 der Lindenfriedhof. Schon weniger Jahre später wurde es wieder zu eng, so dass 1907 der von Lebensbäumen dominierte Friedhof III angelegt wurde. In den 1960er Jahren folgte schließlich der Urnenhain. Die 39-jährige Friedhofsverwalterin weiß, dass zu DDR-Zeiten aus Geldmangel am Friedhof wenig gemacht wurde. Nach der Wende sei dann viel Arbeit aufgewendet worden, um ihm einen Parkcharakter zu geben.

In der Tat nutzen Grimmaer den Friedhof nicht nur zur Trauer, sondern auch für erholsame Spaziergänge durch die gepflegten Grabanlagen. Die Totenstätte atmet förmlich Geschichte. Berühmte Persönlichkeiten fanden hier ihre letzte Ruhestätte. Am Gotteshaus befindet sich dabei das wohl prominenteste, von Efeu umsäumte Grab. Hier ist der weitbekannte Verleger Georg Joachim Göschen (1752-1828) begraben. Allerdings ist das Grabmal eine mit Hilfe der Göschen-Nachfahrin Roswitha Wahle angefertigte Nachahmung. Kunstvolle Grabsteine oder Epitaphien sind für Industrielle der Stadt gesetzt worden, darunter Hermann Robert Barthel (1850-1905), der ganze Straßenzüge in Grimma prägte. Wer die schöne Grünanlage durchstreift, trifft auf Soldatengräber des Ersten und Zweiten Weltkrieges, auf die 1993/94 sanierte Trauerhalle, in der bei Sargbestattungen Abschied vom Verstorbenen genommen werden kann, oder auf das 1998/99 geschaffene Lapidarium. Das vereint eine Ansammlung alter Grabsteine, die zum großen Teil vom alten Nikolaifriedhof stammen. Auch der Stein der Frau des ersten Rektors der Fürstenschule, Anna Siber, ist erhalten geblieben. „Der komplette Friedhof steht unter Denkmalschutz“, betont Silke Brück. Sie verweist auch auf den Andachtsplatz „Zu den drei Kreuzen“, wo alljährlich vom Johannistag bis Ende August immer mittwochs um 19.30 Uhr Sommer-Andachten stattfinden. An einigen Stellen dominieren Urnengemeinschaftsanlagen, in der sich heutzutage immer mehr Menschen beisetzen lassen.

Von der ersten Stunde an wird die Begräbnisstätte von der evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde betrieben. Silke Brück weiß heute fünf Mitarbeiter an ihrer Seite. Das Aufgabenspektrum des kleinen Teams ist groß. Neben den Bestattungen kümmert es sich um bauliche Werterhaltung, Grün- und Gehölzpflege bis hin zu Grabmalgestaltung und Denkmalschutz. „Wir müssen uns als Friedhof selbst tragen“, sagt die Chefin der Anlage. Die Einnahmen durch Bestattungen und Nutzungsrechte der Gräber seien die zwei größten Posten. Vor allem aber liegt den Friedhofsmitarbeitern eines am Herzen: „Wir wollen, dass die Menschen hier in Würde ihre Trauer bewältigen können“, sagt Silke Brück. „Sie sollen einen Platz finden, um Kraft und Hoffnung zu schöpfen.“

Das Jubiläumsprogramm

475 Jahre Friedhof Grimma – aus diesem Anlass laden die Mitarbeiter am Sonntag, dem 13. August, zu einem abwechslungsreichen Programm ein. Es beginnt um 10.15 Uhr mit einem Festgottesdienst in der Friedhofskirche. Parallel dazu findet ein Kindergottesdienst mit Technikschau statt. Nach der feierlichen Zeremonie können die Besucher den Nikolaus-Altar bewundern, der um 11.30 Uhr vor aller Augen gewandelt wird. Der aus der 1888 abgerissenen Nikolaikirche gerettete Altar zeigt drei Motive: acht Nikolaus-Geschichten, die hohe Festseite mit dem Heiligen Nikolaus als zentrale Leitfigur und die Leidensgeschichte Jesu. Ebenfalls in der Friedhofskirche ist ab 12 Uhr eine Fotoausstellung zu sehen.

Von 10.30 bis 14.30 Uhr können sich Interessenten auf dem Parkplatz an der Friedhofskirche mit historischem Werkzeug an einem Stein probieren oder mit einer Filzerin aus Wolle Blüten kreieren. An der Trauerhalle gibt es in der gleichen Zeit Informationen zu den Themen Vorsorge, Bestattung, Grabmal und Gestaltung. Eine Technikschau ist auf der Freifläche des Urnenhains zu sehen.

Höhepunkt ist um 14.30 Uhr der etwa zweieinhalbstündige Spaziergang über den Friedhof, der den Titel „Wer hat Gogols Schädel gestohlen?“ trägt. Dazu reist mit dem Literaturtheater Dresden eine kleine Schauspieltruppe an, die an einzelnen Stationen eine fiktive Geschichte darstellt. Der heitere, kulinarische sowie gesteins- und heimatkundliche Rundgang führt auch vor Augen, wie auf dem Friedhof Vergangenheit und Gegenwart miteinander verbunden sind. Der Geologe Martin Kaden vom Senckenberginstitut Dresden, Heimatforscher Rudolf Priemer, Pfarrer Torsten Merkel und Friedhofsverwalterin Silke Brück haben dabei einiges zu erzählen.

Mit diesem Spaziergang erlebt der Friedhof in Grimma eine Premiere. Auf Anfrage sind aber immer Führungen möglich. Im vorigen Jahr hatte der Gottesacker zum Tag des offenen Denkmals Gäste empfangen.

Von Frank Prenzel

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Bundesland: Sachsen

Landkreis: Leipzig

Fläche: 218,32 km²

Einwohner: 28.480 Einwohner (31.12.15)

Bevölkerungsdichte: 130 Einwohner je km²

Postleitzahl: 04668

Ortsvorwahlen: 03437,034382, 034384, 034386

Stadtverwaltung: Markt 16/17, 04668 Grimma

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