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50 Jahre im selben Betrieb

50 Jahre im selben Betrieb

Nerchau/Trebsen. Mit dem Lächeln für die Kamera sei das so eine Sache: „Dann sieht man womöglich, dass mir voriges Jahr beim Fußball ein Zahn rausgeschossen wurde.

." Dennoch hat der Nerchauer Jungrentner Jochen Kulk allen Grund zur Freude – ganze 50 Jahre war er in ein und demselben Betrieb beschäftigt: „Davon können die Leute von heute nur träumen", sagt der 66-Jährige, der immer gern auf Arbeit ging.

Sein Vater Siegfried war es, der ihn als 14-Jährigen nach Trebsen schickte. „Trebsen lag auf der Nase. Ich konnte mit dem Rad fahren. Außerdem suchte die Zellstoff- und Papierfabrik Dreher. Ehrlich gesagt, ich hatte bis dahin noch nie eine Drehbank gesehen." Nach Lehre und Facharbeiterprüfung begann für den blutjungen Jochen der aufregende Berufsalltag: Pumpen reparieren, Schnecken für die Pressen bauen, Ersatzteile herstellen. „Sämtliche großen Maschinen kamen aus dem NSW. Weil es keine Devisen für Ersatzteile gab, mussten wir alles selber machen. Da war Abwechslung garantiert."

Die Zellstoff mit ihren über 1000 Arbeitern hatte eigene Werkstätten für Kupferschmiede, Elektriker, Mechaniker, Schweißer, Schuster, Sattler und eben auch für die 16 Dreher. Heinz Zieger, Gerhard Eichelmann, Kurt Lohß, Gerhard Goldschmidt, Sigritt Rojek – der Nerchauer denkt noch immer gern an seine ehemaligen Kollegen. „Geht nicht, gibt‘s nicht. Das war das Motto unseres Meisters. Der sagte immer: Nur der Fingerhandschuh geht nicht über den Fausthandschuh."

Er habe seine Arbeit geliebt, so sehr, dass er als Urlaubsvertretung noch immer aushilft, sagt Kulk. „Als ich auf der Rentenstelle war und meinen SVK-Ausweis vorlegte, gab es natürlich ein großes Hallo. Wer kann schon von sich behaupten, 50 Jahre im gleichen Betrieb gearbeitet zu haben." Heute höre er oft, ein moderner Mensch müsse aller zehn Jahre seinen Job wechseln, um sich neuen Herausforderungen zu stellen. „Ich kann nur sagen: Bei mir war kein Tag wie der andere. Dafür mussten wir viel zu sehr improvisieren." Kulk erinnerte nur an das Hochwasser 2002: „Da waren wir eine Woche lang mit Aufräumarbeiten beschäftigt. Die in die Mulde gerissene Fußgängerbrücke musste gar mit Bergepanzern der Armee rausgezogen werden."

Kulk war mit Leib und Seele Dreher in der Papierfabrik. Dabei bestand sein Leben nicht etwa nur aus Arbeit. Unvergessen seien die Brigadeabende. Das Kollektiv habe auf den Kegelbahnen von Trebsen, Nitzschka und Nerchau nie eine ruhige Kugel geschoben. Der ledernen Kugel jagt der Fußballer noch heute hinterher: „Als Zwölfjähriger bekam ich bei Chemie Nerchau meinen ersten Spielerpass. Inzwischen bin ich Mannschaftsleiter der Alten Herren und trainiere noch selber mit."

Viele Nerchauer hätten damals in der Trebsener Zellstofffabrik gearbeitet. „Trebsener und Nerchauer verstanden sich gut. Aber spätestens auf dem Fußballplatz war es vorbei mit der Liebe. Trebsen gegen Nerchau – das Spiel galt immer als halbes Ortsderby. Da flogen die Fetzen. So wie bei Lok gegen Chemie."

Haig Latchinian

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