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6. Vielseitigkeit in Bahren

6. Vielseitigkeit in Bahren

Wenn die Reitervereinigung Gestüt Grimma-Bahren an diesem Wochenende bereits zum sechsten Male zur bundesweit ausgeschriebenen Hallenvielseitigkeit einlädt, dann immer noch in ehrendem Gedenken an Marc Grigoleit.

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Freuen sich auf den Wettkampf: Die Veranstalter der Hallenvielseitigkeit an einem der Hindernisse.

Quelle: Ralf Zweynert

Nerchau/Bahren. Der damals 19-jährige Bahrener verunglückte im Sommer 2003 bei einem Vielseitigkeitswettbewerb im westfälischen Telgte tödlich. Die Reithalle seines Heimatdorfes trägt längst seinen Namen.

Flackernde Kerzen, brennende Herzen, dazu Gedenkstein und Gedenkplatte – Marc ist allgegenwärtig. Wenn er noch lebte, er wäre sicher stolz auf die engagierte Arbeit seiner Eltern, Gisela und Willy Grigoleit, und die des ganzen 40-köpfigen Vereines. Denn ganz in seinem Sinne machten die Bahrener die Hallenvielseitigkeit zur Tradition – sie ist immer noch einmalig in Sachsen.

Zur Neuauflage am Sonnabend und Sonntag erwartet der veranstaltende Verein gut 200 Aktive, vornehmlich aus Sachsen und Thüringen, aber auch aus Brandenburg und sogar aus Schweden. Die Reiter nehmen die Einladung aus Bahren erfahrungsgemäß dankend an. In der Halle stimmen sie sich auf die Mitte April beginnende „grüne Saison“ ein.

Mit wieviel Liebe der Verein den alljährlichen Höhepunkt vorbereitet, beweisen die originellen Hindernisse Marke Eigenbau: das aus Freiberg stammende Holzpferd sogar mit Schweif, der Wasserbrunnen, der Bäckertrog, die Hecke, die Pyramide oder die am Tisch sitzenden Strohpuppen im Blaumann. Jahrelang werkelten René Fischer, Mario und Mathias Lange, Ronny Freiberg und Willy Grigoleit an den 14 Hindernissen. Die Unikate würden sich andere Veranstalter gern ausleihen. „Aber wir geben sie nicht her. Sie haben doch vor allem einen ideellen Wert“, betont Gisela Grigoleit.

Bevor der Geländeritt am Sonntag gegen 14.30 Uhr beginnt, startet bereits am Sonnabend, 8 Uhr, die Dressur. Dabei zeigen die Reiter verschiedene Grundgang-arten: Schritt, Trab und Galopp. Am Samstagnachmittag steht das Springen an. Vom Steilsprung über den Oxer bis zur Triplebarre – alles ist zu sehen. Zwischen Dressur und Springen erleben die Zuschauer am Sonntag, 10 Uhr, eine besondere Attraktion: Ein gutes Dutzend Nachwuchsreiter versucht sich in der Führzügelklasse. Vereinsvorsitzender Willy Grigoleit, Spitzenreiter zu DDR-Zeiten: „Die Kinder sitzen auf ihrem Pferd und müssen die Kommandos des Turnierrichters möglichst gut befolgen: also Trab, Schritt oder leichter Sitz. Zwar laufen neben den Kleinen zur Sicherheit erwachsene Begleiter, die den Führzügel halten. Am besten aber ist es, wenn dieser Zügel durchhängt. Für das Wettkampfgericht ist das nämlich ein deutliches Indiz dafür, dass der Reiter sein Pferd auch schon alleine beherrscht.“ Der jüngste Teilnehmer ist der erst dreijährige Edgar Daut aus Seelingstädt.

Als älteste Aktive wird bei der Vielseitigkeit die 56-jährige Gisela Grigoleit höchstpersönlich erwartet: „Alle Hindernisse sind fest. Es fällt somit keine Stange herunter – wie auf einem gewöhnlichen Parcours. Deshalb sind Sturzweste und Kappe Pflicht.“ Das Tempo sei sehr hoch. In 2,15 Minuten müsse der Reiter all die kreuz und quer angeordneten 14 Hindernisse möglichst akkurat meistern. Benötigt er für den knappen Kilometer mehr Zeit, bekommt er Minuspunkte. Diese sind auch fällig, sollte das Pferd bocken.

Der Eintritt ist frei. Fürs leibliche Wohl sorgen das Team der Trakehnerstube und Henning Göpel. An der Wand hängt das Porträt von Marc Grigoleit. Angesichts der Bahrener Pferdesportbegeisterung scheint es, als strahlten im Kerzenschein sogar seine Augen.

Haig Latchinian

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