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Grimma 60 junge Bildhauerinnen wollen ins Künstlergut Prösitz
Region Grimma 60 junge Bildhauerinnen wollen ins Künstlergut Prösitz
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00:29 31.03.2018
Staatsministerin Eva-Maria Stange (SPD, re.) besuchter gestern Nachmitag das Künstlergut Prösitz bei Mutzschen. Dessen Leiterin Ute Hartwig-Schulz (li.) stellte ihr Künstlerhaus mit all seinen Möglichkeiten vor. Foto: Thomas Kube Quelle: Thomas Kube
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Grimma

Gewöhnlich sind es junge Bildhauerinnen und ihre Kinder, die das Künstlergut Prösitz mit Leben erfüllen. Am Dienstag indes stellte sich seltener politischer Besuch ein. Sachsens Ministerin für Wissenschaft und Kunst, Eva-Maria Stange (SPD), ließ sich durch den aus der Mitte des 19. Jahrhunderts stammenden Dreiseithof führen, lobte das Projekt in höchsten Tönen und nahm zwei, drei kritische Anregungen mit nach Dresden.

Ute Hartwig-Schulz (54) freut sich schon auf den nächsten Jahrgang. Seit 1993 bietet ihr Künstlergut Jahr für Jahr jungen Frauen für jeweils einen Monat ein Dach über dem Kopf sowie Zeit und Muße für kreatives Schaffen. Auch in diesem Jahr stellen sich von Mai bis Oktober wieder acht Bildhauerinnen ein, die vom Verein Künstlergut Prösitz ein Stipendium erhalten. Hartwig-Schulz, die das Künstlergut seinerzeit mit aus der Taufe hob und von Anfang als Geschäftsführerin des Vereins agiert, spricht von einem Selbstläufer. Die Zahlen belegen es. 60 Bewerberinnen – längst nicht nur aus Deutschland – drängelten sich um die acht Plätze, die es in diesem Jahr zu vergeben galt. Die Auserkorenen bringen ihre Kinder mit und wissen sie während der künstlerischen Arbeit wohl behütet. „In Deutschland ist es nachweislich nicht möglich, als Künstlerin mit einem kleinen Kind gefördert zu werden“, betont Hartwig-Schulz. Die jungen Frauen erhielten keinen Auftrag oder Job im künstlerischen Bereich. Prösitz möchte da ein Gegenpol sein und ihnen Freiräume bieten. „Bei uns sollen sie dem nachgehen können, wofür sie sich berufen fühlen“, so die Leiterin des beschaulichen Künstlergutes. Nach Prösitz kämen „die Besten des Fachs“, betont sie. Die derzeit in Berlin lebende Dänin Anna Borgmann macht in diesem Jahr im Mai den Auftakt.

Staatsministerin Eva-Maria Stange (SPD, 2.v.li.) besuchte Dienstag Nachmittag das Künstlergut Prösitz. Dessen Leiterin Ute Hartwig-Schulz (re.) stellte ihr Künstlerhaus mit all seinen Möglichkeiten vor. Quelle: Thomas Kube

„Bei der Kinderbetreuung sind wir auf freiwillige Helfer angewiesen“, erzählt die studierte Bildhauerin Hartwig-Schulz. Diesen Sommer reisen dazu sogar zwei Frauen aus der Schweiz an. Auch an der HTWK und der Uni in Leipzig sowie an der Fachhochschule in Mittweida geht das Künstlergut regelmäßig auf Suche nach jungen Betreuerinnen, die dann Kost und Logis auf dem Künstlergut gratis haben.

Zur Mitgliederversammlung des 18-köpfigen Künstlergut-Vereins Ende Januar wurde die in Riesa lebende Cornelia Hartzsch als Vorsitzende bestätigt. Sie betreibt in der Elbestadt das Glashof-Künstlerhaus. „Uns ist es wichtig, mit einem Netzwerk Kunst und Kultur zwischen den Metropolen Leipzig, Dresden und Chemnitz voran zu bringen“, sagt Hartwig-Schulz. Als Angestellte des Vereins kümmert sie sich um gefördertes Personal und ehrenamtliche Mitstreiter ebenso wie um die Finanzen. Zwar stellt der Kulturraum in diesem Jahr 78 000 Euro zur Verfügung, eine Summe in gleicher Höhe muss Hartwig-Schulz aber mit eigener Kraft organisieren. So sei sie angewiesen auf Zahlungen der Robert-Bosch-Stiftung oder der Kulturstiftung des Freistaates. Ein ständiger Kampf. Da sei es ein gutes Gefühl, dass sich die Stadt Grimma einbringt und den sogenannten Sitzgemeindeanteil zahlt, sagt die Leiterin.

Das Künstlergut ist nicht nur als Wirkungsstätte für junge Bildhauerinnen bekannt. So soll in diesem Jahr die Straßengalerie im nahen Mutzschen fortgeführt werden. In Kooperation mit der Grundschule lenken die Projektmacher die Aufmerksamkeit auf leer stehende, ruinöse Häuser in der ehemaligen Kleinstadt. Dieses Mal sollen die Kinder unter Anleitung der Leipziger Künstlerin Britta Schulze Mosaike anfertigen und damit die grauen Wände oder toten Fenster überdecken. Weitergeführt wird auch die monatliche Veranstaltungsreihe „Kunstsalon“, in dem die Muldentaler die Gäste des Hauses kennen lernen können. Der Donnerstag-Zirkel wiederum vereint ein Dutzend Frauen aus der Region, die laut Hartwig-Schulz Kunst ambitioniert sind. Die zwischen 17 und 87 Jahre alten Teilnehmerinnen stehen derzeit Rosi Steinbach mit ihrem Lutherweg-Projekt zur Seite.

Einen neuen Aspekt wiederum setzt das Projekt „3 K“, ein Kürzel, das für Kunst-Kooperative-Keramik steht. Mit Partnern „wollen wir auf die Tradition der Keramik und auf unsere Region aufmerksam machen“, erläutert Hartwig-Schulz. „Wir fangen 2018 klein an und orientieren uns auf den Austausch der drei Keramikzentren im Muldental.“ Neben dem Künstlergut sind das die Schaddelmühle und der Kunsthof Böhlitz in Mutzschen. In Prösitz selbst bietet „3 K“ derzeit Arbeitern der Künstlerin Katrin Leitner.

Das letzte Bauprojekt auf dem Hof liegt übrigens lange zurück. 2003 entstanden im Seitengebäude mit Hilfe von Leader-Geld Werkstätten und ein attraktiver Veranstaltungsraum. Ihre Vision, in Nachbarschaft eine Tast- und Klangscheune Wirklichkeit werden zu lassen, verfolgt Hartwig-Schulz intensiv. Indes: Drei große Förderanträge scheiterten bislang.

Von Frank Prenzel

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