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725-Jahrfeier in Koltzschen: Es summt auf der "Sirup-Insel"

725-Jahrfeier in Koltzschen: Es summt auf der "Sirup-Insel"


Colditz/Koltzschen. Koltzschen – das ist slawisch und bedeutet „Ort, wo Waldbienenstöcke sind".

. Nun, Bienenstöcke gibt es schon seit Jahren, seit der letzte Imker starb, nicht mehr in dem Colditzer Ortsteil. Summen und brummen wird es trotzdem an diesem Wochenende in dem 80-Seelen-Dorf. Denn: Koltzschen feiert 725-jähriges Bestehen.

 

1286 wurde „Kuldahin", von Wenden und Sorben als Straßenangerdorf gegründet, erstmals urkundlich erwähnt. Bis zur Reformation gehörte es zu Klosterbuch – keineswegs die letzte „Obrigkeit" der Koltzschener, deren Dorf 1973 Ortsteil von Hausdorf wurde, 1995 von Zschadraß und mit diesem Jahr von Colditz. Koltzschen wird der Ort übrigens seit 1580 genannt. Im Volksmund allerdings seit dem letzten Krieg nur noch „Sirup-Insel". „Die Bezeichnung geht auf die Nachkriegszeit zurück, in der die Einwohner Zuckerrübenschnitzel so lange kochten, bis schließlich ein feiner Sirup übrig blieb. So bekam man Schweine schneller fett und hatte zum Frühstück etwas Süßes auf dem Brot", erklärt Silke Bley.

 

Sie hält die Fäden für die 725-Jahrfeier in der Hand. Die Aufgabe habe sie sozusagen geerbt – von ihrer Mutter, lacht sie. Die habe vor 25 Jahren die 700-Jahrfeier organisiert. An den Festumzug damals kann sie sich noch gut erinnern: „Da wurden Liebhaberstücke flott gemacht, Fruchtpressen vom Boden geholt, es gab Feuerwehrmänner in historischen Uniformen, Imker, Mönche... Das ganze Dorf war auf den Beinen und kaum einer übrig, um am Straßenrand zuzuschauen." – Das werde es diesmal nicht geben, räumt Silke Bley ein. „Ein Festumzug würde unsere Kapazitäten – damals gab‘s noch Unterstützung von der LPG – und unsere Finanzen übersteigen. Aber wir sind kein bissel leiser", verspricht sie und macht neugierig auf das Festprogramm, zu dem die Koltzschener auf die Festwiese am Dorfeingang einladen.

 

Dabei sind gerade Ruhe und Abgeschiedenheit wesentliche Merkmale des kleinen Dorfes mit den vielen liebevoll erhaltenen Drei- und Vier-Seiten-Höfen, das, auf einem schmalen Höhenzug zwischen Erlbach- und Auerbachtal gelegen, zudem einen der reizvollsten Blicke ins südliche Muldental gewährt. „Man sagt von uns, wir sind Leute von einem anderen Stern", schmunzelt Silke Bley. „Das liegt wohl daran, dass wir, abgesehen vom Schulbus, über keine öffentliche Verkehrsanbindung, keine Kirche und auch über keine Dorfgaststätte und Einkaufsmöglichkeit verfügen. Wir versorgen uns quasi selbst." Das sei im Übrigen schon immer so gewesen.

 

Nun, öffentliche Gebäude gibt es zwar nicht, dafür aber ein reges Dorfleben mit Weihnachtssingen, Maibaumstellen, Osterfeuer. „Und alles, was wir tun, machen wir mit viel Freude und Hingabe", sagt Silke Bley – und das ist auch nicht zu übersehen. „Dem Aufruf, die Häuser zu schmücken, ist das ganze Dorf gefolgt, überall Wimpelketten und Strohpuppen", freut sie sich. Überhaupt hätten sich wieder viele in die Festvorbereitung eingebracht. „Die Aufgaben sind auf mehrere Gruppen verteilt, sonst wäre das nicht zu schaffen", sagt sie. Und nennt allen voran die Dorfjugend, die Leute vom „BWK" – vom „Bau-Wagen Kolle". Jugendliche aus Koltzschen, aber auch aus Hohnbach, Hausdorf und Erlbach hatten sich den alten Wagen hinterm Dorf vor neun Jahren zum Treff umgestaltet. „Das ist eine dufte Truppe, auf die immer Verlass ist. Ohne sie könnten unsere alljährlichen Dorffeste, bei denen sich Verwandtschaft, ehemalige Einwohner und Freunde zusammenfinden, nicht stattfinden", sagt Silke Bley und beschreibt damit zugleich das „sehr gute" Miteinander zwischen Alt und Jung im Dorf.

 

Nun, am Wochenend wird es ein besonderes Dorffest werden, zu dem die Koltzschener auch auf weitere Gäste hoffen. Es beginnt am Sonnabend, 9 Uhr. Geplant ist ein Bauernmarkt, auf dem – natürlich – Honig verkauft wird; ein Mitglied des Heimatvereins Nossen wird zeigen, wie Seile hergestellt werden, der Geringswalder Schäfer bringt Wolle mit .... „Wir haben auf traditionelles Handwerk geachtet, das zu einem Dorffest passt", sagt Silke Bley. Für die Trödel-Ecke habe jeder Keller und Boden ausgeräumt, und selbstverständlich ist mit Hüpfburg, Kinderbastelstraße und Spielen auch an die Jüngsten gedacht. „Wir haben zwei Kindergärtnerinnen im Ort, Gloria Pröhl und Silke Vetter, die sich dafür gerne einspannen ließen", sagt Silke Bley. Den Kuchenbasar am Nachmittag werden wieder die Frauen des Dorfes bestücken – „die Kuchen sind immer heiß begehrt", weiß sie. Dazu gibt‘s kleine Einlagen vom Chor und den Tanzmäusen der Grundschule Hausdorf. Am Abend gegen 20 Uhr wird dann zum Tanz geladen, wobei Silke Bleys Mann Matthias, eine der noch übrigen „Kaktusblüten" – nachdem Tommy Vetter der Liebe folgend das Dorf verlassen hat –, für die Musik sorgt. „Höhepunkt des Programms aber werden wieder lustige Einlagen sein, deswegen kommen die meisten Leute", lockt Silke Bley, ohne schon Einzelheiten verraten zu wollen.

 

Den Sonntag wollen die Koltzschener etwas geruhsamer angehen. Ab 10 Uhr wird zum Frühschoppen eingeladen, wobei der Colditzer Männerchor „Liedertafel" den musikalischen Part übernimmt. Außerdem wird es eine Ausstellung alter Traktoren geben, organisiert von den Brüdern Kretzschmar, Landwirten im Nebenerwerb. Für das leibliche Wohl ist an beiden Tagen ausreichend gesorgt – so wie es auf einer „Sirup-Insel" sein sollte.

Ines Alekowa

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