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Grimma 800 Jahre Podelwitz – malerisches Dorf bei Colditz feiert sich selbst
Region Grimma 800 Jahre Podelwitz – malerisches Dorf bei Colditz feiert sich selbst
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17:11 08.06.2017
Podelwitz wird 800 Jahre alt. Quelle: Haig Latchinian
Colditz/Podelwitz

Auch wenn es noch namensgleiche Orte bei Leipzig und Altenburg gibt – das Podelwitz nahe Colditz sucht seinesgleichen! Welches 170-Seelendorf kann schon von sich behaupten, gleich zwei Schlösser zu besitzen: Wasserschloss und Muldenschlösschen. Wer auf der anderen Flussseite steht, der genießt den Muldentaler Canaletto-Blick: Türme, Giebel, Zinnen – malerisch.

Frank Lessig liebt Podelwitz, möchte seine Begeisterung gern mit anderen teilen. Kein Weg ist ihm zu weit, keine Mühe zu groß. Und so überraschte er kürzlich sowohl Colditzer Ratsherren als auch Podelwitzer Mitbürger: „In diesem Jahr wird Podelwitz 800 – das sollten wir feiern!“ 2500 Euro leierte er den Stadtvätern aus dem Kreuz und überrascht nun abermals: „Morgen steigt unsere 800-Jahrfeier!“ Wahre Liebe: Von der Recherche bis zum Fest in nur wenigen Wochen – da fühlt sich sogar mancher Einwohner überrumpelt. Sei’s drum. Am Sonnabend ab 11 Uhr geht’s rund: mit Festtagsbier, Fanfarenzug, Feuerwehr – Kinderschminken, Kaffee, Kuchen.

Manfred Knochenmuß ist der bekannteste Podelwitzer. Dabei ist er eigentlich „nur“ ein Zugezogener. Vor 20 Jahren kam der Colditzer mit seiner Irmgard ins Wasserschloss und eröffnete hier seine Heimatstube. Mus, wie ihn Freunde nennen, ist baff: „800 Jahre, so schnell kann man altern, ich dachte immer, 1487 war Ersterwähnung des Schlosses und damit auch des Dorfes.“ Ein gewisser Herr von Schellenberg, so vermerkt die Chronik, habe sich damals 200 Gulden von den Frommen Brüdern zu Colditz geliehen.

Der Name Podelwitz ist slawischen Ursprungs. Po-dol-wiesz heißt so viel wie Dorf im Tal. Um so mehr Höhepunkte gab es in der Geschichte: 1680 residierte im Schloss kein Geringerer als Dichter Heinrich Anselm von Ziegler und Klipphausen. Sein bekanntestes Werk „Die asiatische Banise“ soll sogar Goethe im „Wilhelm Meister“ inspiriert haben. Damit nicht genug: 1919 landete in der Nähe der Drescherhäuser ein Doppeldecker – der kultige Pilot verbrachte eine Nacht im Schloss.

Typen hat Podelwitz noch heute. Rosemarie Riehl kümmerte sich 58(!) Jahre ehrenamtlich um die Seniorenarbeit. Die Ur-Podelwitzerin erinnert an die Initiative Schöner unsere Städte und Gemeinden – mach mit: „Im Park bauten wir Bühne, Dach und Tanzfläche. Die Stufen zum Nixstein machten wir begehbar.“ Aktivposten Jutta Lindner würdigt vor allem Ex-Bürgermeister Manfred Kästner: „Ihm haben wir zu verdanken, dass unser Wasserschloss mit großem Aufwand restauriert wurde.“ Podelwitz sei erstes Förderdorf weit und breit gewesen: „Abwasserleitung, Kläranlage, gepflasterte Muldengasse – wir waren schneller als andere.“

Nach zwei Fluten ist es ruhiger geworden im Wasserdorf. Die meisten Läden sind zu, die Helden von einst nicht mehr taufrisch. Da kam Ronald Till gerade recht. Seit drei Jahren ist er Wirt vom Schlossgewölbe. Bei ihm stärken sich Radler und Ruderer, Wanderer und Biker. Einmal jährlich veranstaltet er Hochzeitsmessen. Kein Wunder: Im Schloss geben sich die Paare besonders gern das Ja-Wort. Und das unweit der Muldenfurt, die in grauer Vorzeit nicht nur Bauern mit Rüben, sondern auch Hochzeitskutschen durchquerten.

Frank Lessig ist mit Podelwitz verheiratet. Er, der einstige Grimmaer, erwarb 1996 hier mit seiner Frau ein Grundstück. Von seinem Glück möchte er ein bisschen was abgeben und engagiert sich daher im Schlossverein und für die 800-Jahrfeier. Bürgermeister Matthias Schmiedel: „Es gibt zwar viele Helfer, aber ohne Herrn Lessig wäre das Fest undenkbar.“

Von Haig Latchinian

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